Ich leihe dir meine Stimme

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Ich leih dir meine Stimme

Im Fernsehen läuft ein Zeichentrickfilm, von Hand gezeichnete oder am Computer geschaffene Figuren und doch sprechen sie. So viel Arbeit steckt dahinter, und das nicht nur von Zeichnern und Graphikern, nein, nicht nur die Bewegungen, sondern auch die Stimmen hauchen den Gestalten auf unseren Bildschirmen Leben ein. Immer wieder verleiht jemand seine Stimme, um einer Zeichentrickfigur ein Stück mehr Leben zu schenken, oder einem Schauspieler das Gehör zu verschaffen, das er ohne einheimische Worte nie bekommen hätte. Wir sehen und hören zwar das Ergebnis, aber die langwierigen Produktionswege zum fertigen Film sind uns nicht bekannt.

Ein kleiner Teil dieses Weges läuft in einem Tonstudio ab. Dort ist es still, und das muss es auch sein, denn jedes noch so kleine Geräusch kann die Aufnahmen stören.
Es gibt ein Pult, auf dem das Skript liegt, eine Lampe, Kopfhörer und natürlich Mikrophone, über einen Bildschirm flimmert die Szene, die synchronisiert werden soll. Eine große Glasscheibe trennt den oder die Sprecher vom Mischpult des Aufnahmeleiters. Dann geht es los, wieder und wieder, bis wirklich alles passt.

Es ist der Synchronsprecher, der in dieses Studio geht. Der was? Woher kommt dieses Wort eigentlich? Wie so vieles andere kommt das Wort „synchron“ aus dem griechischen. Sýn bedeutet zusammen. „chrónos“ bedeutet Zeit. Im Ganzen meint es also nicht mehr und nicht weniger als „zeitgleich“. Für den Film heißt dies nun, dass Stimme und Lippenbewegungen zum selben Zeitpunkt geschehen sollten, also zeitgleich. Allein darauf arbeitet ein Synchronsprecher hin.

Zurück ins Studio: Die Szene beginnt, Gefühle und davon eine Menge … Trauer, Liebe, Hass, Hoffnung, Angst, das Tempo der Szene, ein Flüstern oder ein Schrei müssen in der Stimme liegen – selbst wenn dem Sprecher gar nicht danach ist. Und wenn es nicht auf Anhieb klappt, dann eben alles noch einmal auf Anfang… Solange bis alles perfekt ist.

Doch es ist nicht immer so, dass nur nicht-deutsche Filme und Trickfilme synchronisiert werden, manchmal trifft es auch einen deutschen Schauspieler. Einer dieser Schauspieler ist Udo Kier, der aus Filmen wie „Blade“, „BloodRayne“, „Halloween“ und „1½ Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde“ bekannt ist. Ihn traf dieses Los, weil den Produzenten der Filme der rheinische Akzent des Schauspielers zu stark war.

Ein gegenteiliges Beispiel ist der Schauspieler Christoper Lee, der vor allem in diversen Dracula-Verfilmungen zu sehen war, aber auch als Saruman im „Herr der Ringe“ und Count Dooku in „Star Wars II und III“. Er beispielsweise sprach seine Figuren in Animationsfilmen, wie zum Beispiel den König Haggard im Film „Das letzte Einhorn“ nicht nur auf englisch, sondern auch auf deutsch. Auf diese Weise lernte Christopher Lee die deutsche Sprache, die er nun fließend spricht. Er ist einer der wenigen englischsprachigen Schauspieler, dessen Stimme wir auch hierzulande kennen.

Bei anderen Schauspielern ist dies nicht der Fall. Oft hören wir dieselbe Stimme, und das bei ganz verschiedenen Gesichtern. Manche erkennen wir auch wieder. Das ist doch die Stimme von…? Ja, von wem? Wie oft hören wir diese paar Worte. Mal können wir die Frage beantworten, mal nicht. Vielleicht erkennt ihr ja auch die eine oder andere Stimme und glaubt, Julia Roberts oder Bruce Willis ständen hinter euch.

http://www.deutsche-synchronsprecher.de/
http://www.sprecherarchiv.de/
http://www.synchronkartei.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Synchronisation
http://de.wikipedia.org/wiki/Synchronisation_(Film)
http://de.wikipedia.org/wiki/Synchronsprecher