Das Fiepsen danach

Das Fiepsen danach. Bild: © Nik Styles / pixelio.de

Das Fiepsen danach. Bild: © Nik Styles / pixelio.de

Gehst du gerne Tanzen? In Discos oder auf Konzerte? Mit oder ohne Hörschutz? Du magst Musik nur, wenn sie laut ist? Du ziehst also los, genießt die Nacht, gibst dir die volle Dröhnung und fällst nach etwa vier Stunden bei durchschnittlich 100 Dezibel (UMID-Studie: Musiklautstärke in Diskotheken, 2003) glücklich, aber mit Fiepsen auf den Ohren, ins Bett? Dann ist Vorsicht geboten!

Seit den 1990er Jahren beschäftigen sich besonders Studien von Ärzten mit Gehörschäden bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Man hatte nämlich festgestellt, dass diese sich immer öfter und länger in Diskotheken vergnügten und als Folge dessen auch öfter Hörschäden erlitten.  Diese Thematik wird ausführlich in der APUG-Studie „Schallpegel in Diskotheken und bei Musikveranstaltungen“ (2000) erforscht. Spätestens 2007 erreichte die Problematik auch die Politik und die Öffentlichkeit: Bayerns Gesundheitsminister Werner Schnappauf forderte damals eine Lautstärkebegrenzung von 99 Dezibel in Deutschlands Diskotheken. Diese wurde zwar nicht eingeführt, aber immerhin schon mal eine Norm: die DIN 15905-5. Sie legt Maßnahmen zur Vermeidung von Hörschäden fest und schlägt maximale Lautstärken vor, ist aber nun mal eher eine Richtlinie.

Zwar wäre die geforderte Lautstärkebegrenzung ein guter erster Schritt, doch auch 99 Dezibel sind noch sehr viel. Denn bereits bei einer Lautstärke von 94 Dezibel nimmt das Gehör etwa nach einer Stunde Schaden. Und wer geht schon für nur eine Stunde aus? 94 Dezibel entsprechen etwa der Lautstärke in einer vollen Kneipe. Je öfter und länger man sich dieser oder einer extremeren Lautstärke aussetzt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, einen Hörschaden zu riskieren. Und auch wenn sich Richter auf die oben genannte Norm beziehen, sollte ein Gesetz zur Lautstärkeregelung in Diskotheken, bei Konzerten und sonstigen Einrichtungen wie z.B. Kinos und Theatern erlassen werden. Schließlich gibt es ja auch Gesetze zum Lärmschutz in Bezug auf Straßen-, See- und Flugverkehr, Geräte- und Maschinenlärm. Warum dies noch nicht geschehen ist, ist mir nicht klar. Immerhin wird die oben genannte Norm kommentiert. Und eventuell tut sich ja in Zukunft auch etwas in der Gesetzgebung. Wünschenswert wäre es.

Bis dahin, versuche Schalltraumata und Tinnitus zu vermeiden, wenn du dich nicht schon mit 30 wie deine 80-jährige Oma fühlen willst! Mach‘ also einen weiten Bogen um laute Veranstaltungen oder rüste dich zumindest mit Ohrenfrieden aus! Viel Spaß!