Der Klang des Herzens

Herzklang Kopie

Der Klang des Herzens

Das Erste, was ein Mensch überhaupt in seinem Leben hört, ist der Herzschlag im Mutterleib. Obwohl das Pochen des Herzens für uns alle also wohl der innigste und vertrauteste Laut überhaupt ist, weiß kaum jemand von der eigentlichen akustischen Faszination des Herzklopfens. Bezeichnenderweise ist jenes elementare rhythmische Pulsieren, das unser aller Leben als Hör- und Gefühlseindruck vom ersten bis zum letzten Schlag unseres eigenen Herzens durchzieht, nämlich nicht etwa ein Geräusch sondern ein Klang.

Mit jedem Schlag eines gesunden Herzens erklingen vier verschiedene Töne. Diese Kardio-Melodie erschallt, indem sich durch die Herztätigkeit erzeugte Schwingungen auf den Brustkorb übertragen und dort verschiedenartig Resonanzen erzeugen. Der Körper wird zum Resonanzkörper, in dem das Herz den Ton angibt. Zwei der vier Herztöne sind dabei sogar mit bloßem Ohr zu hören, wenn man dies auf die Brust auflegt. Alle vier Herztöne lassen sich aber nur mit Hilfe eines Phonokardiogramms, der Aufzeichnung des Herzschalls mittels Mikrophon und Schreibgerät, wahrnehmen. Die durch diese mediale Unterstützung sichtbar gemachten Schwingungskurven der Herztöne führen dann die wahre Klangqualität des für unser aller Leben ausschlaggebenden Organs vor Augen: das gesunde Herz erzeugt ebenmäßige, melodische Tonmuster und erfüllt uns somit wortwörtlich mit Harmonie.
Doch auch diese Herz-Harmonie ist nicht vor Dissonanzen sicher, die den Wohlklang eines unbeschwert pochenden Herzens verzerren können. Sind neben dem reinen kardialen Vierton beim Abhören des Herzens auch akustische Störsignale zu vernehmen, die das Klangbild beeinträchtigen, ist dies ein auditives Zeichen dafür, dass das Herz nicht vollkommen intakt ist. Werden Herzgeräusche wahrnehmbar lässt dies also auf eine Herzerkrankung schließen. Ein leidendes Herz ist hörbar nicht mehr im Einklang. Nur ein gesundes Herz tönt ungestört; ein krankes rauscht.
Das Herz gibt uns also stetig ein akustisches Signal über sein Wohlergehen. Trotzdem sollte ein rein medizinisches Interesse wohl nie der einzige Grund dafür sein das Ohr ans Herz zu legen und auf eben dieses zu hören. Denn auch, wenn wir es oft eher für den Taktgeber als für den Tongeber unseres Lebens halten, ist es das Herz, das unser Leben mit einem individuellen Soundtrack versieht und beharrlich durch heftiges Klopfen betont, was im Leben wirklich wichtig ist.

Genaueres zu den Herztönen lässt sich hier nachlesen.
Wer sich den Klang des Herzens anhören möchte, kann dies hier tun.
Ein Abhör-Tutorium für Hobby-Kardiologen findet sich hier.