Mit Schrift über Musik sprechen

Warum "H" statt "B"?

Warum "H" statt "B"?

„c d e f g a h c“: eine klassische C-Dur Tonleiter, wie man sie in der Grundschule im Musikunterricht beigebracht bekommt. Werden die einzelnen Noten anders angeordnet, fällt sofort eines auf –  das  „h“ passt so gar nicht in die Reihe der ersten sieben Buchstaben des Alphabetes. Wo ist das b, dass dort eigentlich hingehört?  Der Überlieferung  zu Folge sind für diesen „Fehler“ deutsche Mönche, welche die überbrachten Noten verdeutschen bzw. übernehmen wollten, verantwortlich.

Sie haben ganz einfach das „b“ mit einem „h“ verwechselt. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass das deutsche Notensystem jetzt einen Ton mit dem Namen h hat. Wer sich etwas mehr mit der Notenlehre auskennt, weiß, dass jeder Ton vermindert bzw. erhöht werden kann. Was in anderen Ländern einem verminderten b entspricht (b minor), ist hier nicht etwas ein h minor sondern ein b. Damit ist die Verwirrung, zumindest bei Musikanfängern, geradezu perfekt. ( Frank Haunschild: Die neue Harmonielehre, S. 14)

An diesem Beispiel lässt sich ganz gut sehen, wie  Schrif die Art und Weise beeinflusst, wie wir mit anderen Medien umgehen und wie wir über sie reden. Aber nicht nur durch „Fehler“ sind Schrift und Musik eng miteinander verbunden. In der klassischen Musik spielt der Gesang meist eine untergeordnete Rolle. Das „Einfühlen“ in die Musik ist hier eigentlich nur durch das Arrangement von verschiedenen Instrumenten gegeben. Dies entscheidet heutzutage natürlich auch über einen Hit oder einen Flop. Desweiteren ist es aber der Liedtext (engl. lyric), der auf einer sprachlichen Ebene noch einmal die Motive eines Musikstückes unterstreicht. Da die Darstellung des Gesangs nicht immer leicht verständlich ist, hat es sich etabliert, den Liedtext niederzuschreiben und im Internet zu veröffentlichen. Dabei haben sich eine Vielzahl von verschiedenen Datenbanken etabliert, die oft Tausende von verschiedenen Liedern respektive ihrem Text zugänglich gemacht haben. Einige Beispiele hierfür sind lyrics.de oder magistrix.de. In den allermeisten Fällen wird die Pflege eines solch riesigen Online-Angebots der Community überlassen. Diese trägt neue Lieder ein oder bewertet das Herausgehörte.

Aber nicht nur bei Liedtexten ist das Nachschlagen im Internet sinnvoll. Gerade für Musiker bietet das weltweite Netz eine riesige Fülle von Informationen zu bestimmten Titeln. Das Online-Verzeichnis ultimate-guitar.com listet beispielsweise über 300.000 aufgezeichnete Notationen (Tabs) für verschiedenste Lieder. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass nicht auf den Standard eines Programmes gesetzt wird, sondern stattdessen die Grifftabellen in reinem Text im Internet veröffentlicht werden. Sicherlich ist auch bei dieser Art der communitygesteuerten Inhaltspflege die Bewertung der Beiträge ein wichtiges Kriterium. Genau dies wird hier implementiert. Der Benutzer hat die Möglichkeit die Tabs zu bewerten. Kleinere Hilfsfunktionen wie das automatische Scrollen im Browser runden das Angebot ab.

Schrift und Ton sind meist miteinander verwoben, obwohl sie doch so unterschiedliche mediale Techniken repräsentieren. Während die Schrift als traditionelles Medium souverän die erläuterten Aufgaben meistert, hat sich in den letzten Jahren bereits das Video angeschickt, ihr diesen Rang abzulaufen. Gibt man bei Youtube den Titel eines Liedes seiner Wahl plus das Kürzel „How To“  ein, zeigt die Website in den meisten Fällen eine Fülle von Lernvideos, die vielleicht noch besser machen, was mit der Schrift begann.

Steffen Büchner

Hier noch ein Link zu einer Datenbank:

http://www.911tabs.com/