Über den gemeinen Ohrwurm…

Ohrwurm

Ohrwurm

Woher kommt der Drang, ständig bestimmte Liedfragmente zu wiederholen, wieso ist er nicht zu unterdrücken? Kann man sich vor einem Angriff schützen und warum verschwindet der Ohrwurm meist genauso schnell, wie er gekommen ist?

„dudidumlala“, viel mehr hat man meistens gar nicht im Kopf, wenn der gemeine Ohrwurm (lat.: vermis auriculae) hinterrücks zuschlägt. Ein paar Textzeilen, die Melodie und immer wieder singt und summt man, auch wenn es eigentlich grade nicht passt.

Tatsächlich haben Studien ergeben, dass der Ohrwurm sich besonders gerne bei Frauen und Musiker_innen einnistet. Es handelt sich um einen „kognitiven Juckreiz“, den man eben durch kratzen (ständiges Wiederholen) los zu werden hofft.

Interessant ist das nicht nur für Betroffene, die nun wissen, was ihnen fehlt. Auch für die Werbeindustrie, die sich mittlerweile immer öfter und immer lieber neben visuellen Wiedererkennungsmerkmalen, auch auditiven „Logos“, nämlich Jingles, bedient, kommen die Forschungsergebnisse von Prof. James Kellaris (University of Cincinnati, College of Business) gerade recht.

Er hat nicht nur die Metapher vom Juckreiz geprägt, er sagt auch, wie Ohrwürmer (im englischen „earworms“ genannt) funktionieren. Ernüchternd dürfte dabei für alle Marketingstrategen sein, dass grundsätzlich jeder Song ein Ohrwurm werden kann und dass jeder Mensch dann auch noch unterschiedlich reagiert. Eine etwas bessere Chance haben allerdings Songs, die möglichst „einfach“ und „eingängig“ sind. Also an dieser Stelle leider kein Geheimrezept zur Steigerung der Absatzzahlen durch auditive Beeinflussung. Dafür gibt Kellaris auf seiner Seite kleine, aber wohl altbekannte Tipps um den gemeinen Ohrwurm wieder loszuwerden: so z.B. Ablenkung oder das Abspielen von anderen Liedern.

Doch vor dem Gegenangriff sollte der Ohrwurm lokalisiert werden. Sitzt der Wurm im Ohr? Nein, das tut er nicht. Nach den Ergebnissen von David Kraemer und seinem Team von der University of Dartmouth, sitzt der Wurm im Hirn, genauer im auditiven Kortex. Der wird nicht nur aktiviert, wenn wir etwas hören, sondern auch dann, wenn wir gerade etwas nicht hören, es uns aber vorstellen.

Damit diejenigen, die tatsächlich noch nie einen Ohrwurm hatten, eine Anregung bekommen und dann bald mitreden oder mitsummen können, gibt es einen recht bekannten Ohrwurm zum Testen:

Dann viel Spaß beim Kratzen!