Die Weltmeisterschaft und ihr Sound

Vuvuzela

Vuvuzela

In den letzten Wochen war ein merkwürdiges Phänomen in ganz Deutschland zu bewundern. Menschen versammelten sich zu Tausenden auf großen Plätzen und Wildfremde lagen sich lachend in den Armen. Menschenmassen strömten durch die Straßen, der öffentliche Nahverkehr kam zeitweise zum Erliegen. Und warum? Ganz einfach: Diesen Sommer war es wieder soweit: Fußballweltmeisterschaft.

Begeisterte Fans trafen sich zum „Rudelgucken“, was auf Neudeutsch auch als „Public Viewing“ bezeichnet wird. Doch nicht nur auf großen Plätzen lässt sich der Kampf um den Weltmeistertitel verfolgen. Ich war schon sehr erstaunt, als ich sah, dass sich sogar ein Schuhgeschäft einen Flatscreen ausgeliehen hatte, um die WM zu übertragen.

Die ganze Nation war im Fußballrausch.

Und da trat plötzlich ein weiteres, diesmal akustisches, Phänomen auf. Anstatt der sonst beim Fußball üblichen Fangesänge, wie der während der letzten WM so beliebte „Schlaaaand“-Ruf, erklang nun ein „neues“ Instrument, das zum Merkmal dieser Weltmeisterschaft aufsteigen sollte: die Vuvuzela. Als ich den Namen das erste Mal hörte, fühlte ich mich direkt an „Uwe Seeler“ erinnert. Doch mit dem ehemaligen Fußballspieler vom HSV hat der Name nichts zu tun. Die Vuvuzela ist ein Blasinstrument, das aus Südafrika kommt und dort fest mit dem Fußball verbunden ist. Das erklärt auch, warum die bisherigen Weltmeisterschaften ohne diesen Hintergrundton auskommen mussten. Es sieht aus wie ein überdimensionierter Trichter und wirkt damit auf den ersten Blick total harmlos. In Deutschland wird sie bevorzugt aus Plastik gefertigt und in den Nationalfarben schwarz-rot-gold verkauft. Doch in dem friedlichen Äußeren ruht ein lauter Kern: Dieser Plastiktrichter kann 120dB erreichen und dies nur bei der in Deutschland erhältlichen Variante. Die original Vuvuzelas in Südafrika können bis zu 131dB erzeugen. Die Reduktion des Dezibelwertes ergibt sich aus einer baulichen Veränderung an der Vuvuzela durch den TÜV Nord. Hier wurde das Mundstück so verändert, dass weniger Luft durch die Vuvuzela strömen kann. Der Ton der Vuvuzela soll einen trompetenden Elefanten imitieren, allerdings hatten viele Zuschauer das Gefühl, von einem Hornissenschwarm verfolgt zu werden.

Die Vuvuzela wird als „Instrument“ unterschiedlich wahrgenommen. Die meisten Fußballfans tröten voller Inbrunst hinein, wenige finden den Ton und die Lautstärke störend. Eine südafrikanische Airline hat darauf hingewiesen, dass die Verwendung an Bord gegen das Gesetz verstößt und sogar mit sechs Monaten Gefängnis geahndet werden kann.

Die Fußballspieler bemängelten, dass die Geräuschkulisse ihre Konzentration und natürlich vor allem die Kommunikation untereinander negativ beeinflusst hätte. Und vom Kommentatoren-Urgestein Günther Netzer wurde angemerkt, dass Emotionen wie Wut, Freude und auch Trauer nicht durch das Instrument transportiert werden können. Das Instrument produziert ja nun mal nur einen Ton.

Ich persönlich bin dankbar, dass die „Vuvus“ so zügig nach der WM aus der akustischen Alltagswelt verschwunden sind und warte gespannt, ob passend zur WM in Brasilien dann die Mode des Karneval in Rio nach Deutschland schwappt und wir dann auf den Straßen die Sambatrommeln hören werden. Warten wir´s ab- 2014 werden wir es sehen.