Zurück in die Kindheit

Zurück in die Kindheit

Zurück in die Kindheit

Musik ist bekanntlich Geschmackssache. Jeder von uns hat seine Vorlieben und alltäglichen Gewohnheiten, die sich erst mit der Zeit entwickeln. In der Kindheit jedoch ertönen aus den meisten Musikanlagen die gleichen Melodien. Die Liedthemen sind bunt gemischt, leicht zugänglich und meist mit einer fröhlichen Melodie unterlegt. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich Songs mit Tieren in den Hauptrollen. So wird in einem beliebten Kinderlied ein gemeiner Dieb besungen, der den Affen die Kokosnuss geklaut hat. Worauf die ganze Affenbande brüllt: „Wo ist die Kokosnuss? Wer hat die Kokosnuss geklaut?“ Natürlich geht die Geschichte gut aus, der Dieb wird gefasst und die Kokosnuss gerettet. Weitere bekannte Liedprotagonisten sind beispielsweise Elefanten, die in einem Walddickicht spazieren gehen und anschließend – ganz exhibitionistisch – ohne Badehose im Fluss schwimmen gehen. Die meisten anderen Tiere werden in den Liedern scheinbar mit ihren Lieblingsbeschäftigungen verknüpft, wie die schwimmenden Entchen, summenden Bienchen und laufenden Pferdchen verdeutlichen.

Zu den verbreiteten Klassikern gehören im deutschsprachigen Raum auch die Lieder von Rolf Zuckowski. In seinem Erstlingswerk besingt er einen heiratswilligen Vogel, der im Kreise einer bunten Vogelschar Hochzeit feiert. Die ersten Zeilen dieser ‚Vogelhochzeit’ (1977) lauten: „Ein Vogel wollte Hochzeit machen in dem grünen Walde. Fiderallala, Fiderallala, Fiderallalalala. Die Drossel war der Bräutigam, die Amsel war die Braute.“ Bei diesem Lied lädt vor allem der ständig wiederholte, einprägsame sowie geistreiche Refrain zum permanenten Mitsingen ein.

Später komponierte Zuckowski unter anderem die Geschichte von Stups, dem ungeschickten, kleinen Osterhasen, sowie die Lieder ‚In der Weihnachtsbäckerei‚ und ‚Wie schön dass du geboren bist‚. Diese alljährlich wiederkehrenden Volkslieder zählen nun schon in dritter Generation zu den beliebtesten Liedern von Groß und Klein.

Obwohl wir größer werden, bleiben unsere Kindheit und vor allem unsere Kindermusik den meisten von uns in Erinnerung. Vielleicht erschließt sich aus dieser Verknüpfung auch unser Verhalten bei bestimmten Melodien, was beispielhaft in der fünften Jahreszeit sichtbar wird. Hier findet jährlich eine musikalische Verknüpfung von Jung und Alt in besonderer Art statt. Unabhängig vom sonstigen Musikgeschmack erschafft diese Jahreszeit eine eigene, multipräsente, neue Musikkultur. Plötzlich feiern wir generationsunabhängig zu Texten wie: „Da hat das rote Pferd sich einfach umgekehrt und hat mit seinem Schweif die Fliege abgewehrt. Die Fliege war nicht dumm, sie machte summ, summ, summ und flog mit viel Gebrumm ums rote Pferd herum.“

Passend zum Liedtext werden von Groß und Klein die seltsamsten Bewegungen vorgeführt und dazu wird fröhlich, lautstark und meistens schief mitgesungen.

Niemand scheint sich daran zu stören, dass ein Großteil der Karnevalslieder sexuelle Anspielungen enthält. Die Kleinen verstehen sie noch nicht und die Großen amüsieren sich darüber. Mit steigendem Alkoholpegel steigt oftmals auch die Freude an versauten Liedtexten. Da wundert es nicht, dass neben bekannten Kinderliedern auch geistreiche Neukreationen aus zahlreichen Kneipen und Bars ertönen. Einige populäre Vertreter dieser neuen ‚Mitgröhl-Songs’ sind die Lieder: ‚Cowboy und Indianer’, ‚Joana’, oder ‚Dicke Mädchen haben schöne Namen’. Zu den drolligeren Neukreationen der letzten Karnevalszeit zählen die Tanzlieder ‚Ich bin ein Döner’ sowie das ‚Fliegerlied’. Vor allem das ‚Fliegerlied’ – welches in unterschiedlichen Versionen vorliegt – besticht durch Einfachheit und eine vorsynchronisierte Tanzeinlage.

Natürlich zeigen Karnevalslieder nicht die alltäglichen Hörgewohnheiten der meisten Menschen auf. Sie werden bei speziellen, oft feucht-fröhlichen und ausgelassenen Anlässen gespielt. Da eine Großzahl dieser Lieder dem Kinderzimmer entstammen und daher eine fröhliche und einfache Melodie haben, ist auch ihre Wirkung positiv. So kommt es, dass wir auch im Alter im Grunde die gleiche Musik hören wie als Kinder. Wir erinnern uns durch sie an unsere Kindheit und fühlen uns zurück in die gute, alte Zeit versetzt. In diesem Sinne möchte ich mit den heiteren Worten von Rolf Zuckowskis ‚Vogelhochzeit’ abschließen: „Der Hahn, der krähet: „Gute Nacht“, nun wird die Kammer zugemacht. Der Uhu, der Uhu, der macht die Fensterläden zu. Die Vogelhochzeit ist nun aus, die Vögel fliegen all’ nach Haus. Das Käuzchen bläst die Lichter aus und alle ziehn vergnügt nach Haus.“