Die Hörgenies

Die Hörgenies

Die Hörgenies stormpic/aboutpixel.de


Kennst du das Lied? Dieses „Lalalalaschallallalalalaluuluu“? Das hat wohl jeder von uns schon mal gehört. Dabei mag das Nicht- Wiedererkennen eines solch künstlerisch vorgetragenen Songs nicht verwundern. Wer es dennoch schafft, scheint nicht nur über eine hohe Interpretationsgabe, sondern auch über ein gutes Gehör zu verfügen. Manche Menschen besitzen sogar das Talent die exakte Tonhöhe einer Melodie zu bestimmen. Man spricht dann von einem absoluten Gehör oder auch Tonhöhengedächtnis. Dabei wird zwischen dem passiven absoluten Gehör einerseits und dem aktiven absoluten Gehör andererseits unterschieden. Bei ersterem geht es darum das Gehörte exakt benennen zu können und bei zweiterem eine vorgegebene Tonhöhe exakt nachzusingen. Allerdings beinhaltet das aktive absolute Gehör natürlich die Fähigkeit etwas exakt zu hören und wiedergeben zu können.

Umstritten ist jedoch nach wie vor, ob diese Fähigkeit angeboren ist oder sie auch erlernt werden kann. Aus diesem Grund kursieren viele verschiedene Fakten über das absolute Gehör. Die eine Seite betont die Seltenheit dieser Fähigkeit. So soll nur jeder 10.000te Deutsche absolut hören können. Die andere Seite wiederum stellt fest, dass fast alle Menschen die Fähigkeit besitzen absolut zu hören, diese jedoch nur selten einsetzen und somit verlernen. Relativ sicher dagegen ist die Tatsache, dass vor allem Musiker und Komponisten häufig ein absolutes Gehör besitzen. So sollen Koryphäen wie Bach, Mozart oder Chopin dieses Talent besessen haben. Auch Blindgeborene verfügen häufig über diese Fähigkeit. Weiterhin sind meist Sprecher tonaler Sprachen, wie beispielsweise chinesisch oder weitere asiatische Sprachen, die der sino-tibetischen Sprachgruppe angehören, mit diesem Talent ausgestattet. Denn dadurch, dass mit unterschiedlichen Tonhöhen unterschiedliche Bedeutungen verbunden sind, wird das absolute Gehör geschult.

Als relativ gesichert gilt außerdem, dass die frühkindliche musikalische Erziehung dazu beitragen kann das absolute Gehör, wenn bereits vorhanden, zu perfektionieren. Die Mehrheit der Menschen soll jedoch relativ hören können, das heißt Tonhöhe und Intervalle ungefähr, also mit Abweichungen, abschätzen können. Doch auch das kann noch lange nicht jeder. Das absolute Gehör wird außerdem häufig mit der Synästhesie in Verbindungen gebracht, also der Fähigkeit bestimmte Töne mit Farben zu assoziieren. So wird beispielsweise die Tonart B-Moll mit grün, A-Dur dagegen mir rot verbunden.

Doch auch Absoluthörer haben ihre Fähigkeit nicht ein Leben lang gepachtet. So ist bewiesen, dass das absolute Gehör mit dem Alter nachlässt. Weiterhin bereitet vor allem die Wiedererkennung des „Gis“ den meisten Hörgenies Probleme. Sie verwechseln es häufig mit dem „A“. Eine Erklärung dafür lautet, dass dieser Ton vor allem in der westlichen Musik sehr dominant ist und somit häufig zur Verwechslung führt. Es gibt jedoch auch einen Haken beim absoluten Gehör: So fehlt den meisten die Fähigkeit relativ zu hören und somit kann ein und dasselbe Lied in der vom Original abweichenden Tonhöhe häufig nicht mehr wiedererkannt werden. Aber dennoch: Wer von euch nun Lunte gerochen bzw. gehört hat und heraus finden möchte, ob auch ihr über ein absolute Gehör verfügt, kann bei folgendem Test einmal ausprobieren, wie gut sein Tonhöhengedächtnis ist. Und dem Rest sei gesagt: Auch relativ zu hören ist schon relativ gut. Und den anderen: Macht ruhig weiter mit eurem „lalalalalschubidu“.