Mickey-Mousing – Die Technik der Maus

Die Technik der Maus

Die Technik der Maus, © josupewo / pixelio.de

Ein Zeichentrickfilm lebt neben seinen aufwendigen Zeichnungen vor allem von seiner musikalischen Untermalung und Vertonung. Auf der Suche nach Informationen zur Vertonung von Zeichentrickfilmen bin ich auf den interessanten Begriff Mickey-Mousing aufmerksam geworden. Eine Technik, die den Namen der berühmten Maus trägt, muss es wert sein, dass man darüber berichtet, dachte ich mir…

Beim Mickey-Mousing handelt es sich um eine Technik in der Filmmusik, bei der eine exakte Synchronität von Bild und Musik gewährleistest werden soll. Da es in den Anfängen der Filmproduktion noch schwierig war Bild und Ton synchron aufzunehmen und abzuspielen, sollten die Filme zumindest musikalisch untermalt werden. Um einem Film Leben einzuhauchen, werden beim Mickey-Mousing einzelne Bewegungen oder Geschehnisse von passender Musik begleitet, d.h., wenn die Figur im Film hinfällt, wird gleichzeitig ein dumpfer Schlag abgespielt, um ein „PLUMPS“ darzustellen. Eine Situation, in der eine Figur zum Beispiel schnell einen Weg entlang oder eine Treppe hinauf  läuft, wird oftmals von einem Xylophon begleitet. In der Regel wird eine Abwärtsbewegung von einer abfallenden Melodie begleitet und umgekehrt eine Aufwärtsbewegung von einer ansteigenden Melodie.

Da diese Technik früher hauptsächlich in Zeichentrickfilmen von Walt Disney angewandt wurde, setzte sich in Anlehnung an die bekannte Zeichentrickfigur Mickey Mouse die Bezeichnung Mickey-Mousing für die Technik durch. Hier ein Beispiel für Mickey-Mousing.
Doch nicht nur in Zeichentrickfilmen, sondern auch in Stummfilmen von und mit Charlie Chaplin spielte die musikalische Untermalung eine große Rolle, da sie die Figuren an sich durch die Vertonung der Bewegungen noch lustiger wirken ließ. Die Technik, die meist einen humoristischen Effekt hatte, konnte allerdings auch angewendet werden, um dramatische oder spannungsgeladene Situationen zu unterstreichen. In einem Ausschnitt von King Kong ist dies sehr gut zu erkennen.

Mit der Weiterentwicklung der Ton- und Filmtechnik wurde allerdings immer weniger auf diese Technik zurückgegriffen, da sie als veraltet galt und man auf neuere Techniken setzte. Heute versucht man weitestgehend auf die auffällige und übertriebene Tonmalerei zu verzichten. Die Ausnahme bilden Zeichentrick- und Spielfilme aus dem Comedybereich, die weiterhin auf die Technik der Maus setzen.

Eine abgeschwächte Form des Mickey-Mousing ist das Underscoring, auch „deskriptive Technik“ genannt, wobei die Musik lediglich als akustische Verstärkung von bestimmten Erwartungen an eine Szene genutzt wird. Hier werden nicht einzelne Bewegungsabläufe, wie Schritte, mit Tönen unterlegt, sondern einer ganzen Szene wird eine Melodie zugeordnet. Sie wird eingesetzt, um die dargestellten Charaktere, das Tempo, die Handlung oder die Stimmung zu unterstreichen und Gefühle beim Publikum auszulösen. Diese Technik ist weitaus unauffälliger und in Filmen aller Art zu finden, wie auch in einem Ausschnitt von Léon der Profi.  Zu guter Letzt habe ich noch ein weiteres interessantes Beispiel entdeckt, an dem die Wirkung der hinterlegten Musik sehr deutlich wird.

Quellen:
http://www.e-filmmusik.de/geschichte_filmmusik/mickey_mousing.html
http://www.uni-potsdam.de/u/slavistik/vc/filmanalyse/arb_stud/mueller_meisdrock/docs/techniken.htm
http://server4.medienkomm.uni-halle.de/filmsound/kap4-7.htm