Musikalische Medizin

Musik und Medizin, Quelle: Mike Licht, NotionsCapital.com

Musik und Medizin, Quelle: Mike Licht, NotionsCapital.com

Schon einmal auf die Membran eines Lautsprechers gefasst, während dieser Musik abspielte? Nein? Aber beim Arzt waren Sie doch schon mal? Was das miteinander zu tun hat, fragen Sie? Viel!

Musik und Medizin funktionieren ganz gut zusammen. Dabei gibt es verschiedene Anwendungsarten wie zum Beispiel Klangmassage oder Musiktherapie.

Klangmassage beschäftigt sich mit Frequenzen, die heilende und entspannende Wirkungen für den ganzen Körper bereit halten. Dabei werden kleine Klangschalen genommen und auf den Körper gelegt. Durch ein Anschlagen einer Seitenwand wird das komplette Gefäß in Schwingung versetzt. Da der Mensch zum Großteil aus Wasser besteht, pflanzen sich die Schallwellen fort und lösen somit im Körper Blockaden physischer und psychischer Natur. Soweit zumindest diese nicht wissenschaftlich bestätigte Theorie…

Aber auch ganz ohne Klangschalen lässt sich eine Verbindung zwischen Gesundheit, Medizin und Klangwelten herstellen. So zum Beispiel in der Musiktherapie. Schon seit vielen Jahrzehnten ist bekannt, dass Musik starke emotionale Reaktionen bei seinen Zuhörern hervorrufen kann. Ob positive Entspannung bei natürlichen Klängen oder Stress und Angst durch Musikfolter in Guantanamo. Etabliert hat sich die Stimulation aber lediglich im stationären Bereich, auch wenn bereits Studien für eine ambulante Behandlung bei Kindern vorliegen.

Alleine die Übersicht der verfügbaren Musiktherapie-Methoden bei Wikipedia zeigt mindestens neun verschiedene Therapiemöglichkeiten auf. Die älteste dieser Therapien ist die rezeptive Musiktherapie. Der Patient hört sich ein Stück an und erhöht dadurch seine Selbstwahrnehmung. Insbesondere bei komatösen Patienten und in der Palliativ-Medizin wird diese musikalische Behandlung erfolgreich angewandt. Auch für viele andere Bereiche listet die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft (DMTG) den möglichen Einsatz von Musik auf.

Eine weitere Therapieform ist das Ausdrücken eigener Emotionen durch Musik. Dabei wird dem Patient selbst ein Instrument zur Verfügung gestellt, mit dem er seine Emotionen ausdrücken kann. Den musikalischen Rahmen gibt oft eine Bandaufnahme oder ein Betreuer vor. So muss der Patient nicht selbst ein ganzes Lied „komponieren“, sondern kann sich auf die Wirkung einzelner Töne konzentrieren. Ein Beispiel hierfür findet sich im Archiv des DMTG, in dem ein zehnjähriger Junge seine Angst musikalisch ausdrückt.

Während die Einsatzgebiete der musikalischen Medizin ein immer breiteres Feld abdecken, wird auch die Nachfrage nach geschultem Personal größer. Bereits seit 1979 ist Musiktherapie in Deutschland eine Hochschuldisziplin, welche im Diplomstudiengang acht und in Bachelor- und Masterstudiengängen,  zwei, bzw. vier bis sechs, Semester umfasst. Neben Hamburg, Heidelberg, Frankfurt und Berlin bieten viele weitere Universitäten den Studiengang an. Die Arbeitsfelder liegen nach erfolgreichem Abschluss beispielsweise in der Psychiatrie, in Musikschulen oder in der psychosomatischen Medizin.

Abgeleitet von den empirischen Methoden der Kunstforschung spaltet sich die Forschung nach der Wirkungsweise von Musiktherapie langsam ab und entwickelt ihre eigenen Forschungsmethoden. Verschiedene Forschungsinstitute, wie das „Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung“ in Heidelberg stellen auf ihren Internetseiten neueste Erkenntnisse und Publikationen zum Thema zur Verfügung.

Wer Weiteres zu diesem Thema wissen möchte, dem sei die hervorragende Mini-Dokumentation von Quarks und Co. empfohlen.

Weiterführende Links:
Die Macht der Musik
Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft
DZM Heidelberg
Klangmassage