Zwischen Bildender Kunst und Musik …

Wenn sich Musik, Geräusch  und Wort gleichwertig gegenüberstehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man es mit einer Form der Klangkunst zu tun hat. Während die Kombination von Bild und Ton in Form audiovisueller Medien wie beispielsweise Film und Fernsehen im Alltag allgegenwärtig ist, ist die experimentelle Verbindung von optischen und akustischen Reizen in der Kunst weit weniger bekannt.

Die verhältnismäßig junge Kunstform der Klangkunst bewegt sich häufig auf Feldern fernab der klassischen Kunstszene. Klangkunst kann dem Rezipienten in mannigfaltigen Facetten begegnen. Verschiedene, teilweise ineinander übergehende Bereiche lassen sich dieser Richtung zuordnen. Der Besucher wird dabei mit Begriffen wie Ars Acustica, digitale Radiokunst, Soundscape oder auch Klangkompositionen konfrontiert, die sich alle auf ihre Weise der Klangkunst zuordnen lassen.

Häufig jedoch steht die Raum-Klang-Erfahrung im Mittelpunkt der Kunstwerke. In einer vielfach auf visuellen Reizen beruhenden Welt ist das Hinzufügen einer klanglichen Komponente, sodass eine aufeinander abgestimmte Kombination aus optischen und akustischen Reizen entsteht, für die meisten zunächst ungewohnt. Inhalt der akustischen Gestaltung ist neben traditionell gebräuchlichen Faktoren wie Musik oder Worten zunehmend der Einsatz von Geräuschen. Diese Faktoren können dem Besucher sowohl einzeln, als auch miteinander kombiniert begegnen. Die in den traditionellen Medien vorhandene Zuordnung des Tons zum Bild ist hier oftmals aufgehoben. Die Geräusche können entweder sowohl natürlich aufgezeichneten Geräuschen entsprechen oder aber synthetisch hergestellt worden sein.

Der Begriff der Klanginstallation wurde unter anderem durch den Amerikaner Max Neuhaus geprägt. So handelt es sich hier um Werke, die weder einen Anfang noch ein Ende aufweisen. Es steht weniger die Zeit im Vordergrund, als vielmehr der Raum.

Klanginstallationen sind zumeist durch einen offenen Charakter gekennzeichnet. Dies lässt Raum zur Entfaltung der Fantasie des Betrachters bzw. des Zuhörers. Das Erfahren des Kunstwerks steht im Zentrum. Die Installationen erlauben in der Regel ein durch den Besucher bestimmtes Verlassen und Wiederkehren in der Auseinandersetzung mit den Objekten. Der Zuschauer ist so aktiv in den Prozess des Erlebens miteinbezogen.

In der Folge liegt die Entscheidung über die Art und Weise der Rezeption bei ihm.

Häufig ist ein konkreter Bezug zum jeweiligen Raum gegeben. Die Charakteristika des Ausstellungsortes werden aufgegriffen, um die eigene, besondere Atmosphäre des Raums greifbar zu machen.

Durch eine fortschreitende Technisierung erhielt die Klangkunst neue Impulse. Die digitale Technik erlaubt in der Gegenwart eine verhältnismäßig einfache Erstellung und Bearbeitung der gewünschten Soundeffekte. Dies war in der Vergangenheit mit einem deutlich höheren Aufwand verbunden.  

Während die Klangkunst zunächst nur eine Randexistenz führte, rückte sie in den letzten Jahren verstärkt in den Blickpunkt des Interesses. Als Indikator dieser Entwicklung kann die Einrichtung des „Deutschen Klangkunst-Preis“ gesehen werden, der seit 2002 alle zwei Jahre gemeinsam von WDR 3, der Iniatative Hören und dem Skulpturenmuseum Glaskasten Marl verliehen wird.

Durch den Preis wird das Ziel verfolgt, die Weiterentwicklung der Klangkunst zu fördern und ihren Stellenwert innerhalb der Kunst zu stärken.

Wer sich auf klassisch auditivem Weg über das Radio zum Thema informieren möchte, kann dies unter anderem in den Sendungen „Klangkunst“ (Deutschlandradio Kultur) oder „ars acustica. Das Radio als Klanginstallation“ (SWR 2) tun.