Die älteste Sprache der Welt?

San grandmother, Botswana (Quelle: Flickr: Lisa J Gray - Creative Commons Lizens 2.0 Attribution)

San grandmother, Botswana (Quelle: Flickr: Lisa J Gray - Creative Commons License 2.0 Attribution)

Ca. 6900 verschiedene Sprachen werden laut National Geographic weltweit gesprochen. Unter dem Sammelbegriff „Khoisan-Sprachen“ sind die Sprachen Südafrikas zu verstehen, die sich zur Verständigung derjenigen Phoneme bedienen, die wir gemeinhin als Klick- oder Schnalzlaute wahrnehmen und die in unserem indo-europäischen Sprachgebrauch gar nicht vorkommen oder nur als Mittel der nonverbalen Kommunikation verwendet werden.

Sammelbegriff heißt hier, dass Joseph Greenberg während seiner Klassifikation der afrikanischen Sprachen Anfang der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, eben alle diese Sprachen Südafrikas unter dem oben genannten Kriterium zusammenfasste, ohne aber eine wirkliche Verwandtschaft der Sprachen untereinander nachzuweisen.

Tatsächlich unterscheiden sich viele dieser Sprachen grundlegend. Vier von ihnen, „ǂhõã“ („Juhoansi“), „Kwadi“ (inzwischen ausgestorben), „Sandawe“ und „Hadza“ gelten sogar als isoliert, d.h sie unterscheiden sich fundamental von allen anderen bekannten Sprachen.

Während „Sandawe“ und „Hadza“ in Teilen Tansanias gesprochen werden, sind „ǂhõã“ und „Kwadi“ im südlichen Afrika beheimatet (überwiegend in Botsuana). Ursprünglich wurde angenommen, dass die Sprachen sich untereinander im Laufe der Geschichte beeinflusst hätten und so die Phoneme in allen vier Sprachen ähnliche Verwendung fanden.

Um die große räumliche Distanz zwischen den Volksgruppen zu erklären, verwies man auf die afrikanische Völkerwanderung im 16. Jahrhundert, in deren Rahmen große Teile der damals weit verbreiteten, Khoisan sprechenden Bevölkerung, durch die Bantu-Völker mit Unterstützung europäischer Invasoren niedergemetzelt worden waren und so die Stämme in ihre heutigen Lebensräume trieb.

Dr. Alec Knight und Dr. Joanna Mountain, vom „Montain Laboratory of Anthropological Genetics“ von der Standford University, Kalifornien, veröffentlichten aber Anfang 2003 eine Studie, welche den beiden Volksgruppen die bisher größten in Afrika gemessenen genetischen Unterschiede attestiert und somit den Schluss zulässt, dass die Stämme von Tansania und Botswana seit mindestens 40.000 Jahren getrennt voneinander leben. Somit ist im Prinzip ausgeschlossen, dass sich die sprachlichen Parallelen durch kulturellen Austausch entwickelt haben.

Sowohl die „San“, aus Botsuana, die sich selbst als „Johanasi“ bezeichnen, als auch die „Hadza“ sind Jäger und Sammler und gelten schon länger als der Stamm des Stammbaumes der gesamten Menschheit, die vor rund 200.000 Jahren begann sich vom afrikanischen Kontinent aus über die ganze Welt auszubreiten. Die Studie von Knight und Mountain scheint dies zu unterstreichen.

Ob nun beide Volksgruppen unabhängig voneinander das Klicken in ihren Sprachgebrauch integriert haben oder sich eine der Gemeinschaften vor mehr als 40.000 Jahren von der anderen getrennt weiterentwickelt hat, die Vermutung liegt nahe, dass der Homo Sapiens bereits in seiner frühesten Stunde, also in einer Art Ursprache, solche Laute verwendete.

Die Vermutungen, warum das Schnalzen aus den Sprachen verschwand und warum andere Sprachgemeinschaften auch heute noch solche Phoneme verwenden, gehen weit auseinander. Einige Wissenschaftler vermuten, dass die Schnalzlaute sich besonders zur Kommunikation bei der Jagd eigneten oder auch eignen, was aber stark umstritten ist.

Weitere Quellen:
Netzzeitung.de: Die älteste Sprache der Menschheit
Zeit.de: der erste Zungenschlag
Notionalgeograhic.de: Der lange Weg von Afrika nach Astoria
Nationalgeographic.de: Unesco Recognizes 2500 Endangered Languages
New York Times: In Click Languages, an Echo of the Tongues of the Ancients
PDF: Tom Güldemann u. Edward D. Elderkin: On external genealogical relationships of the Khoe family

YouTube:
„Click Language“ and the San Bushmen People
Bushmen Click Language in Namibia
KhoeKhoegowab Lesson #1 – eine andere Khoisan-Sprache