Entspannung für die Ohren

Ohropax

Ohropax-Werbeaufsteller um 1928

Du bist mal wieder auf einer Party und freust dich, dass du Ohrstöpsel dabei hast, weil die Musik viel zu laut ist. Vielleicht fragst du dich, wieso es die eigentlich gibt. Inzwischen sind sie zwar so selbstverständlich geworden wie das Wort „Gabel“, das eben dieses längliche flache Metallstück bezeichnet, das an einem Ende ein wenig gebogen ist und mehrere Zinken besitzt, doch irgendwer muss sie sich ja mal ausgedacht haben.

Man stelle sich vor: jahrelang nur Wasserplätschern, Gläserklirren, vor Ort gespielte Musik, Scheppern und Hämmern aus Schmieden, Marktschreier, Hufgetrappel und Kutschen, die über Kopfsteinpflaster rattern. Und dann bahnt sich etwas Großes an: Dampfmaschinen, Autos und Fabriken werden entwickelt und gebaut. Mit der Industrialisierung ( sie begann im späten 18. Jahrhundert in England) und Technisierung werden immer mehr Fabriken, sowie mehr und bessere Maschinen allgemein, Dampfmaschinen und Autos gebaut. Durch die vielen Fabriken, die in den Städten entstehen, gibt es dort natürlich auch viel Arbeit. Daher ziehen große Menschenmengen in die Städte. Dort wird es enger und noch lauter.

Dass extreme Lautstärken zu einem Problem wurden, zeigt zum Beispiel die Gründung von Antilärmvereinen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dieses Problem erkannte auch Maximilian Negwer. Gegen den Lärm hatten die Bürger um 1900 Mittel wie Holzkugeln oder Baumwollbäusche, die unkomfortabel oder wenig effektiv waren. Maximilian Negwer nahm sich Odysseus als Vorbild, der seiner Mannschaft die Ohren mit Bienenwachs verschloss, um unversehrt an den Sirenen vorbeizukommen. Er entwickelte also Kugeln aus verschiedenen Wachsen und Baumwollwatte, die man in die Ohren stecken und leicht wieder entfernen konnte, ohne dass sie Rückstände hinterließen: Ohropax, Frieden für die Ohren.

1907 gründete Maximilian Negwer schließlich seine Firma „Fabrik pharmazeutischer und kosmetischer Spezialitäten max Negwer“ in Berlin. Hauptverkaufsprodukt war natürlich Ohropax, welches ab 1908 auch in Kaufhäusern erhältlich war.

Dann kam der erste Weltkrieg. Ganz schön laut. Mit Maschinengewehren von mehreren hundert Schuss pro Minute, Granaten und Bomben. Mit U-Booten, Flugzeugen und Eisenbahnen. Da war es naheliegend, auch das Militär mit Ohropax auszurüsten, um das Gehör der Soldaten zu schützen. Ob Ohropax allerdings wirklich bereits im 1. Weltkrieg Verwendung fanden, ist fraglich. Eine interessante Diskussion über Gehörschutz im 2. Weltkrieg und heute bei der Bundeswehr findest du hier.

Naja, und heute sind Ohropax oder andere Ohrenstöpsel ja sehr bekannt und verbreitet. Firmen mit lauten Geräten verteilen sie an ihre Mitarbeiter und vermutlich fast jeder hat sie schon einmal benutzt um schlafen zu können oder laute Musik runterzuregeln.

Danke Herr Negwer, dass Sie sich mal mit dem Thema Gehörschutz beschäftigt und sogar eine Lösung gefunden haben! Ich hatte diesen Sommer jedenfalls meine Ruhe vor den Vuvuzelas.