Das Feature – Klanglich dicht an der Realität

Das aktuelle Radioprogramm ist oftmals durch Musik und die aktuelle Berichterstattung geprägt. Beim Blättern durch die Radioprogramme stößt der potenzielle Zuhörer mitunter aber auf den aus dem Englischen übernommenen Begriff des Features. Hier drängt sich die Frage auf, was genau sich hinter diesem Genre verbirgt? Eine präzise Definition erscheint schwierig. Umschreibungen wie „radiophone Dokumentation“ oder „künstlerisch gestaltete Dokumentationen“ legen nahe, dass dokumentarische Aspekte eine wichtige Rolle spielen, jedoch längst nicht die einzigen Merkmale sind. Vielmehr spielt die klangliche Ausgestaltung der dokumentarischen Inhalte eine wesentliche Rolle. Die Kombination aus Geräuschen, Musik, Originaltönen und Atmo sorgt bei einer gelungenen Zusammenstellung beim Zuhörer für ein gleichermaßen spannendes wie auch informatives Hörerlebnis.

Die Geburtsstunde des deutschen Features liegt im Jahr 1947. Das Feature „Was wäre, wenn … Ein Rückblick auf die Zukunft der Welt“ von Axel Eggebrecht wurde im März jenen Jahres erstmals ausgestrahlt. Ebenfalls in diesem Jahr veröffentlicht Peter von Zahn mit „London. Anatomie einer Weltstadt“ sein erstes Städteporträt. Weitere Features dieser Art sollten folgen. Seit den Anfängen wurden die Machart sowie die behandelten Themen kontinuierlich weiterentwickelt, sodass sich heute eine relativ breite diesbezügliche Streuung feststellen lässt.

Der Bezug zur Realität kennzeichnet die meisten Featureproduktionen. Im Rahmen des Features hat der Autor Zeit, ein Thema in Ruhe aufzugreifen und darzustellen. Zumeist liegen Recherchen zu Grunde, die deutlich tiefer gehen als dies in der tagesaktuellen Berichterstattung möglichst ist. Die Themenvielfalt ist groß. So werden Personen oder Ereignisse der Zeitgeschichte aufgegriffen, aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen aufgearbeitet oder Themen behandelt, die sonst aus Zeitgründen kaum Erwähnung finden. Zeittechnisch gesehen stehen dem Autor dabei je nach Sendeplatz zwischen 15 und 60 Minuten zur Verfügung (Vgl. Zindel, Udo (Hg.) (2007): Das Radio-Feature. 2., überarb. Aufl. Kontanz)

Authentizität wird durch die Kombination verschiedener Elemente erzeugt. So können z.B. Autorentexte, Originaltöne, literarische Zitate, historische Quellen ebenso wie Musik und Geräusche zu einer durchgängigen Erzählung zusammengesetzt werden.

Besonders häufig werden Originaltöne eingesetzt. Reproduzierte Originaltöne haben dabei den Vorteil, dass sie sich leichter in den Erzählfluss einfügen lassen. Für Originaltöne in ihrer ursprünglichen Form spricht die durch sie vermittelte Authentizität. Beteiligte/Betroffene oder Experten schildern in ihren eigenen Worten die Thematik, für die man als Zuhörer auf diese Weise ein Gefühl entwickeln kann. Der Zugang zu dem entsprechenden Stoff wird so erleichtert. Als Faustregel gilt, dass der Zuhörer mindestens 40 Sekunden eines Interviews benötigt, um sich ein Bild vom Interviewten und der angesprochenen Thematik machen zu können.

Die im Feature eingesetzte Musik verstärkt die Wirkung der Texte. Dabei kann zwischen konkreter und abstrakter Musik unterschieden werden. Konkrete Musik bezieht sich auf Stücke, die aus der behandelten Zeit oder von dem entsprechenden Schauplatz stammen, abstrakte Musik hingegen ist von diesen Faktoren losgelöst und dient ausschließlich der dramaturgischen Wirkung. Die Atmosphäre des Stücks ebenso wie Stimmungen, Gefühle und Konflikte können so hörbar gemacht und darüber hinaus verstärkt werden.

Wenn dem Zuhörer genügend Zeit gegeben wird die Geräuschkulisse zu erfassen, wird er mit den Gegebenheiten der Thematik vertraut. Ohne die klangliche Komposition wäre es dem Feature nicht möglich, in dieser Weise seine Wirkung zu entfalten.

Wie auch in anderen Bereichen gibt es zur Auszeichnung besonders gelungener Produktionen einige Preise, die herausragenden Werken zu einer größeren Öffentlichkeit verhelfen, denn das Feature ist eher als ein Minderheitenprogramm zu betrachten. Zu den vergebenen Preisen gehören u.a. der Axel-Eggebrecht-Preis, der Feature-Preis des Bremer Hörkinos und der Prix Europa. Eine weitere Initiative, das Genre „Feature“ zu fördern, sind die ARD-Radiofeatures, deren erste Folge im Januar 2010 ausgestrahlt wurde. Diese Produktionen sollen helfen dem Genre wieder mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Wer sich für Feature im öffentlich-rechtlichen Rundfunk interessiert, wird im Programm der meisten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten fündig (BR, Deutschlandradio, HR, MDR, NDR, rbb, SWR, WDR).