Auditive Kulturen in Videospielen II: Der Soundtrack (1/2)

Auditive Kulturen in Videospielen

Auditive Kulturen in Videospielen

Videospiele und Kinofilme haben sich handwerklich immer mehr angenähert. Im vorangegangenen Blogeintrag wurde diese Entwicklung unter dem Aspekt des Einsatzes von prominenten Synchronsprechern betrachtet. Doch nicht nur in dieser Hinsicht haben Videospielproduktionen ihr Nischendasein hinter sich gelassen. Mittlerweile bieten große Produktionen einen Soundtrack, der sich hinter keiner Hollywoodproduktion zu verstecken braucht. Die Musik nimmt im Spiel die gleiche Funktion ein, die sie auch im Spielfilm hat: das Erzeugen von Emotion und Atmosphäre.

Wie der Soundtrack eingesetzt wird, wie er sich entwickelt hat und welcher Musikrichtung man ihn zurechnen kann, hängt nicht zuletzt auch vom Spielgenre und dem Erscheinungsjahr des Spiels ab.

Beginnen wir unsere Reise durch die Geschichte der Spiel-Musik mit der Epoche der frühen Achtziger bis Mitte der Neunziger.

Zu Beginn der 1980er Jahre war Speicherplatz in der Computerbranche noch ein rares und dementsprechend wertvolles Gut. Während wir heute ganze Bibliotheken und Musiksammlungen auf einem winzigen Speicherstick im Wert von ein paar Euro mit uns herumtragen, mussten die Programmierer in den 80ern mit ein paar Kilobyte Speicher auskommen. Dementsprechend war die Musikbegleitung der Spiele dieser Zeit eher rudimentär und synthetisch. Trotzdem haben sich einige dieser Melodien zu echten Klassikern entwickelt, die auch heute noch zitiert und eingesetzt werden.

Ein Beispiel für diese recht einfache Musikbegleitung ist das Jump-and-Run „Donkey Kong“ aus dem Jahr 1981. Der quietschende, schnelle Sound aus dem Computer passte zum hektischen Spielablauf, war aber noch weit davon entfernt, die leitende Funktion heutiger Produktionen einzunehmen.

Auch noch recht simpel, aber mit einem hohen Wiedererkennungswert ist der Sound von „Super Mario Bros.“ (1983) zu charakterisieren. Hier kann man tatsächlich davon sprechen, dass die Melodie von Super Mario sich zu einem Klassiker gemausert hat. Dies geschah nicht zuletzt durch den hohen Verbreitungsgrad der Nintendo-Konsole „NES“, der das Spiel beilag. Das Thema von „Super Marion Bros.“ entwickelte sich so zu einem festen Bestandteil der Popkultur. Oder wie vielen Spielen aus den 1980er Jahren kommt sonst noch die Ehre zu, von einem Orchester neu arrangiert zu werden?

Ebenfalls einen sehr hohen Verbreitungsgrad erreichte das Puzzle-Spiel „Tetris“ (1989). Dieses russische Spiel lag dem Nintendo „Game Boy“ bei und besaß, neben einem einfachen aber süchtig machenden Spielprinzip, eine eingängige Melodie, die auf einer russischen Komposition beruhte. Dass trotz des Alters sowohl das Spiel als auch die Melodie von „Tetris“ nach wie vor einen hohen Wiedererkennungswert besitzen, zeigte vor wenigen Jahren ein Werbespot von Honda, in dem das Spielprinzip mit der entsprechenden Melodie von „Tetris“ aufgegriffen wurden, um die Größe des Kofferraums zu bewerben.

Viele Spiele konnten aber auch auf bereits vorhandene populäre Melodien zurückgreifen. Dies galt insbesondere für die Umsetzungen von Leinwandabenteuern. Hier tat sich die Spieleschmiede von George Lucas, „Lucas Arts“, hervor. Dank zugkräftiger Lizenzen war man hier in der Lage, bekannte Franchises mit entsprechender musikalischer Begleitung auf die Computerbildschirme zu bringen. Dazu gehörte etwa das erfolgreiche Point-and-click-Adventure zum dritten Indiana Jones-Film „Indiana Jones and the Last Crusade“ (1989) oder die Weltraumsimulation „Star Wars: X-Wing“ (1993). Aber trotz des hohen Wiedererkennungswertes der bekannten Filmmelodien, war die digitale Variante der John Williams-Themen nach wie vor von deutlich geringerer Qualität gegenüber einem orchestral eingespielten Soundtrack. Einen solchen Aufwand aber ließ der noch sehr stark limitierte Speicherplatz der verwendeten Medien nicht zu.

Der Zeitraum von 1980 bis Mitte der 1990er Jahre zeigt, dass die akustische Untermalung von Videospielen noch kein zentrales Element war. Dafür waren die technischen Möglichkeiten noch nicht weit genug entwickelt, um etwa mit der großen Kinoleinwand mithalten zu können. Auch lag der Fokus weitestgehend auf dem Spielablauf. Die Musik war ein Faktor, den man aus technischen und wirtschaftlichen Gründen vernachlässigen musste. Trotz dieser Unzulänglichkeiten entstanden aber Melodien, die Bestandteil der Popkultur wurden und noch heute rezitiert werden.

Der nächste Blogeintrag wird sich mit der Zeitspanne nach der Einführung der CD-Rom ab etwa Mitte der 1990er Jahre bis hin zur Gegenwart beschäftigen und die Weiterentwicklung des Spielsoundtracks verfolgen.