Der Sound der Subkultur I – Jugendkultur und Identität

Jugendkultur und Identität dommy/aboutpixel.de

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Diese Blog- Serie beschäftigt sich mit musikalischen Sub- bzw. Jugendkulturen und ihrer Bedeutung für die Konstruktion von Identität. Ich befinde mich demnach also auf dem Gebiet der Musikpsychologie bzw. Musiksoziologie. Im ersten Teil der Serie möchte ich daher zunächst der Frage nachgehen, wie die Wissenschaft überhaupt Jugend- bzw. Subkultur definiert.

Der Begriff der Jugendkultur wurde 1973 vom US- Soziologen Talcott Parsons geprägt (Kähler 2001: 27) und meint in erster Linie „die Kultur einer Generation, die vorwiegend konsumiert und nicht produziert, und die sich aus altersspezifischen Bildungsinstitutionen sowie erzieherischer Enge befreien will“ (ebd.). Das heißt Emanzipation und Abgrenzung spielen in der Jugendkultur eine zentrale Rolle, vor allem hinsichtlich der „traditionellen bzw. konventionellen Werte- und Lebenswelten“ (Kähler 2001: 29). Dennoch sind die Jugendkulturen oder die ‚Mitgliedschaft’ in ihnen meist nur „temporärer Natur“ (ebd.) und unabhängig von der sozialen Schicht (Kloppenburg 2001: 384). Dabei wird die performative Zugehörigkeit zu einer Jugendkultur durch expressive Merkmale, wie „Musik, Mode, Moral, Medien und Sprache“ (Kähler 2001: 28) inszeniert. „Vor allem Musik wird zur Distinktion fast wie ein Button gebraucht, der Zugang zu einer bestimmten Szene schafft“ (Kloppenburg 2001: 383).

Bei all den Unterschieden der verschiedenen Jugendkulturen haben sie dennoch eine Gemeinsamkeit: Sie dienen der Identitätsbildung und als Entwurf für einen alternativen Lebensstil (Kähler 2001: 31). Identität und Lebensstil werden dabei durch „Symbole und Verhaltensweisen“ (ebd.) ständig performativ hergestellt, sodass die Jugendlichen „ihr eigenes ‚corporate image’ durch ein umfassendes System an Zeichen und Symbolen“ produzieren. Jugendkulturen sind also „Peer- Groups“ (Kähler 2001: 34), die verschiedene „Identitäts-, Stil- und Lebensmodelle“ (ebd.) entwickeln und erproben und performativ, also durch Kleidung oder eben den Musikgeschmack herstellen. Dabei gilt es in erster Linie sich von ‚den anderen’, dem Mainstream und den herrschenden Sozialisationsinstanzen abzugrenzen. Im Medienzeitalter werden die Jugendkulturen natürlich zunehmend kommerzialisiert und so wird der Musikgeschmack vieler Jugendlicher auch von den Medien und ihren Marketingstrategien beeinflusst (Kloppenburg 2001: 384).

Quellen:
Kähler, Daniel (2001): Die Mediatisierung der Jugend. Der kreative Umgang Jugendlicher mit Medien. Aachen: Shaker-Verlag.

Kloppenburg, Josef (2005): „Musikpräferenzen. Einstellungen, Vorurteile, Einstellungsänderung“ In: Helga de la Motte- Haber und Günther Rötter (Hrsg.): Musikpsychologie. Kiel: Laaber- Verlag. S. 358- 393