Kleine Geschichte der Schallplatte (1/3)

Schallplatte

Diesen Sommer entdeckte ich erneut meine Liebe für Schallplatten. Auf dem Dachboden stöbernd fand ich eine Kiste voller Schätze. Ich fand die alten Schallplatten meiner Eltern und meine alten Märchenplatten. Sofort fragte ich nach dem Plattenspieler. Gott sei Dank, hatte mein Vater noch eine Ersatznadel …
Während ich in Nostalgie versank, fragte ich mich wie es wohl zu der Schallplatte kam? Und nun, hier ein kleiner geschichtlicher Einblick.

„Hulloo!” – Und so fing alles an

Der 18. Juli 1877, New Jersey, USA.

Edisons Maschine ‚spricht‘ zum ersten Mal. „Hallo!“ – dröhnt es verzerrt und unverständlich aus dem Gerät. Er notiert: „,Habe eben mit einer Membran experimentiert, die mit einer Stichelspitze versehen ist und gegen ein rasch vorbeiziehendes Wachspapier gehalten wird. Die Sprachschwingungen werden hübsch eingraviert, und es besteht kein Zweifel darüber, dass ich imstande sein werde, die menschliche Stimme in vollkommener Weise zu konservieren und zu beliebiger Zeit automatisch zu reproduzieren‘“ (Haas 1977:9). Obwohl theoretisch alles klar ist, scheint Edisons Arbeit an einem Endpunkt angekommen zu sein. Auch seine Schwerhörigkeit hindert ihn an seiner Forschung, denn er kann die feinen, leisen Töne nicht wahrnehmen, die er wiedergeben zu versucht. Deswegen führt er die Innovation, Nadel ein, deren Gravur – also die durch menschliche Stimmen hervorgerufene Schwingungen – er mit seinen Fingern auf dem Wachspapier abtasten kann. Der Vorfahre aller tonaufzeichnenden und -wiedergebenden Geräte basiert sozusagen auf der ‚Triade’: Wachswalze, Membran und Nadel – und natürlich auf das Kurbeln.

Im August des selben Jahres versucht Edison sein Werk zu Perfektionieren, da die wiedergegebene Stimme verzerrt klingt. Er fügt statt dem Wachsstreifen einen mit Parafin beschichteten Papierstreifen  ein und sagt wieder während er kurbelt: „Hallo!“. Als er das Aufgezeichnete im selben Tempo über die Nadel zieht, wie er vorhin bei der Aufnahme gekurbelt hat, hört er seine eigene Stimme aus der Maschine sprechen. Edison gelingt die Konservierung der menschlichen Stimme. Er gibt seine Skizzen seinem Mechaniker und Werkmeister John Kruesi, der die Maschine baut. In dieser ist das parafinbeschichtete Blatt durch ein Stanniolblatt ersetzt.

Am 6. Dezember 1877 schreibt Edison in seinem Tagebuch der Phongraph sei fertig gestellt. Am 15. Dezember beantragt er das Patent für seine Erfindung, das ihm innerhalb von ca. zwei Monaten auch zugesprochen wird.

„Anfang 1878 gründet er die Edison Speaking Phonograph Company, die seine Phonographen herstellen und vertreiben sollte“ (Haas 1977:19). Später wird ein ‚Zehn-Punkte-Programm‘ zusammengestellt, das die durch den Phonographen gebotene Möglichkeiten beinhaltet. Beispielsweise dient er als Hilfsmittel bei Sprachunterricht und schulischer Unterricht, oder bietet die Möglichkeit phonographische Bücher herzustellen, sodass Blinde ohne fremde Hilfe den Inhalt erfassen können oder das Festhalten und Wiedergabe von Musik.

Thomas Alva Edison entwickelt den ersten Phonographen, jedoch ist dessen Klang eher unbefriedigend wie das auch die Leiter der Columbia Phonograph Company feststellen müssen, die Lizenzgebühren an Edison zahlen und Phonographen verkaufen. Der Phonograph bedarf einer neuen technischen Entwicklung.

Charles S. Tainter arbeitet an seinem Graphophon. Dieser unterscheidet sich vom Phonograph indem statt Stanniolfolie Wachswalze, statt einem starren Nadel eine gefederte benutzt wird, und dass man das Gerät nicht mit der Hand sondern mit dem Fuß betreibt. Das ermöglicht eine gleichmäßigere Aufnahme und Wiedergabe des Tons. Dieses Medium dient eher zur Unterhaltung. Als die Columbia Company mit Tainter verhandelt und auch auf Wachswalzen wechselt, erscheinen schon bald die ersten Walzen-Stars wie Billy Golden, John York Attlee, Len Spencer und Ada Jones, deren Gesänge durch die anfänglichen Musikautomaten und Schaubuden der Jahrmärkte die Massen verzaubern.

Edisons Phonograph und Tainters Graphophon bilden die ersten Schritte in der Entwicklungsgeschichte der Schallplatte. Im nächsten Teil meiner Serie werde ich auf weitere Entwicklungsprozesse eingehen, angefangen mit Emil Berliners erster Schallplattenaufnahme.

>> Teil (2/3)

Zu diesem Beitrag wurde folgende Quelle verwendet:

Haas, Walter (1977), Das Jahrhundert der Schallplatte, Gütersloh: Bielefelder Ver. – Anst., S. 9-31