Kleine Geschichte der Schallplatte (2/3)

SchallplatteWährend es beim letzten Teil um die Erfindung des Ponographen und der Innovation durch den Graphophon ging, widmet sich der jetzige Teil der Schallplatte selbst.

„Der Mann im khakigelben Überrock schaute auf die Uhr. ‚Noch ‘ne halbe St-unde Zeit‘, murmelte er und rückte den Schalltrichter einer seltsamen Maschine zurecht, an der eine runde Scheibe und eine gläserne Flasche besonders auffielen“ (Haas 1977:31).

Die erste Schallplatte

1887, Washington, USA.

Emil Berliner schafft es die erste Schallplattenaufnahme zu machen. Er übergießt eine Zinkplatte mit einer fürchterlich stinkenden Verbindung aus Benzin und Wachs. Diese verteilt er sorgfältig auf der Platte  und lässt das Benzin verdampfen, sodass eine Wachsschicht zurückbleibt, die anschließend den Schall bzw. die Schwingungen aufnehmen kann. Der Kunstpfeifer und Walzen–Star, Billy Golden ist mit dem deutschen Erfinder sehr gut befreundet, sodass er seine Erfindung auch einweihen darf und die erste Schallplattenaufnahme der Welt macht.

Die Aufnahme beginnt: Berliner fängt mit dem Kurbeln an – 70 Umdrehungen pro Minute, denn nur mit dieser Zahl kann die Aufnahme klar und naturgetreu wiedergegeben werden, – das Klavier erklingt und Golden singt. Während der Aufnahme fließt aus einer gläserner Flasche eine Flüssigkeit auf die Platte um die Wachsüberreste wegzuspülen, welche der Stichel während der Aufnahme hinterlässt. Anschließend bekommt die Platte ein Chromsäurebad. Die Säure ätzt die aufgezeichneten Schwingungen in das Zink, sodass die Platte unlöschbar wird. Nach dem Säurebad wird die Schallplatte mit Wasser gesäubert und getrocknet. Die Platte ist fertig, sie hat einen Durchmesser von 12 cm, ist einseitig bespielt und hat eine Spielzeit von ca. 1 Minute.

Die Aufzeichnung erfolgt im Unterschied zu Edison nicht mit Tiefenschrift – also die Nadel bewegt sich nicht von oben nach unten – sondern mit Seitenschrift – von links nach rechts, – welche die Kurbelzahl bei der Aufnahme und beim Abspielen pro Minute von 120 auf ca. 70 senkt. Berliners Platte bietet aber auch weitere Vorteile, wie einen klareren Ton – nicht wie der von der Wachswalze mit der Edison – Methode – und die unbeschränkte Vervielfältigung durch Gummiabdruck. Anders bei der Walze, gilt jede einzelne Aufnahme als ‚first copy‘ und die Vervielfältigung erfolgt durch langwieriges Wiederholen der Musikstücke und Songs, das nicht nur technikbedingt ist sondern auch von der Leistungsfähigkeit des Künstlers abhängt.

Bemerkenswert bei Berliner ist, dass die Aufnahme und Wiedergabe an zwei verschiedenen Apparaten erfolgt. Das Abspielgerät nennt sich Grammophon. Berliner erhält das Patent am 26. September 1887 für seine Erfindung.

Ab 1890 werden die Platten statt Zink aus Hartgummi hergestellt, die schon sehr bald im Jahr 1897 von den Schellackplatten abgelöst werden, die eine professionellere Reproduktionsmöglichkeit bieten.

1896 verbessert Elridge Johnson Berliners Grammophon indem er die Kurbel durch ein Uhrwerk ersetzt. Diese Innovation garantiert die gleichmäßige Umlaufgeschwindigkeit des Plattentellers.

1904 erscheinen die ersten doppelseitig bespielten Platten, deren Laufzeit pro Seite ca. zwei Minuten beträgt – ungefähr 10 Jahre später vier Minuten. Es erfolgen weitere kleinere technische Entwicklungen sowohl des Grammophons als auch der Reproduktion. Beispielsweise wird die starre Nadel Berliners durch eine schwingende ersetzt. Bei der Vervielfältigung werden Wachsplatten verwendet, die anschließend mit Graphit behandelt werden. Während eines galvanischen Prozesses wird ein Kupferabdruck gewonnen, anhand dessen, die weiteren Kopien hergestellt werden. Ab 1922 werden die Platten mit dem Matrizensystem anders gesagt mit dem Vater–Mutter–Sohn–Verfahren hergestellt.

Ab 1925 beginnt mit dem elektro – akustischem Aufnahmeverfahren eine neue Ära der Schallplatten, worauf ich im nächsten Teil eingehen werde.

>> Teil (3/3)

Zu diesem Beitrag wurden folgende Quellen verwendet:

Büchele, Christian (1999), Geschichte der Tonträger, Tutzing: Schneider, S. 11-16

Haas, Walter (1977), Das Jahrhundert der Schallplatte, Gütersloh: Bielefelder Ver. – Anst., S. 31 – 33

Klages, Thorsten (2002), Medium und Form – Musik in den (Re-)Produktionsmedien, Osnabrück: Electronic Publ., S. 62-66