Frühe Instrumentengeschichte

Ägyptische Leierdarstellung. Quelle: http://commons.wikimedia.org, verjährtes Urheberrecht.


Heute erscheint es uns als selbstverständlich, dass Instrumente wie zum Beispiel Klavier, Geige, Trompete und Gitarre existieren. Doch die meisten Instrumente, die wir heute kennen, wurden erst verhältnismäßig spät entwickelt. Besonders vorangetrieben wurden der Instrumentenbau sowie die Verfeinerung und Abänderung bestehender Instrumente ab dem 15. Jahrhundert, in dem das Zeitalter der Entdeckungen begann. Doch was waren die ersten Instrumente? Woher stammen sie, wann sind sie entstanden und wozu wurden sie genutzt?

Die ersten Instrumente existierten bereits lange vor Christi Geburt. Im alten Ägypten (und auch anderswo in Afrika und im Orient), in Asien und dem noch unentdeckten Amerika entstanden früh diverse Arten. Es handelte sich hierbei zunächst nicht um Instrumente, auf denen man eine Melodie spielen konnte. Es waren Rhythmusinstrumente – wie Rasseln, Klanghölzer und Trommeln– und Glocken. Die Schlaginstrumente entstanden aus dem Klatschen und Stampfen, das wohl von allen Völkern recht früh in ihrer Geschichte ausgeübt wurde, meist als Element des Tanzes. Die Beobachtung, dass z.B. das Schlagen mit Holz auf Holz einen lauten – besonders einen lauteren – Klang erzeugt als Klatschen und Stampfen, hat vermutlich zur Entstehung der ersten Instrumente geführt.

Im alten Orient, der sogenannten Levante, also in Ländern wie Ägypten, Syrien, der Türkei und Griechenland bzw. Byzanz entstanden früh viele Instrumente, die dann in andere Länder getragen wurden. Zu den ältesten Funden aus diesem Gebiet zählen zum Beispiel „Hüft- oder Halsketten aus Muscheln, Knochen (teilweise bereits in Kastagnettenform) und Tierzähnen“ (Staubli, 7), die auf das 9.-11. Jahrtausend v.Chr. zurückzuführen sind.Solche Ketten wurden zum Tanzen getragen und sollten gute Mächte beschwören und Unheil vertreiben (vgl. Staubli, 7). Zu einem ähnlichen Zweck dienten Tonrasseln (2. Jt. v.Chr., z.B. um Götter zu erheitern), Glocken und Schellen. Letztere wurden für das 1. Jahrtausend v. Chr. in der Levante belegt und sollten Dämonen und Geister abschrecken bzw. vertreiben und auch die Aufmerksamkeit der Götter bzw. später Gottes erregen, wurden also als kultische Instrumente genutzt. Auch mit Tierhaut bespannte Rahmen, wie Handtrommeln, waren in den oben angeführten Ländern in vorchristlichen Zeiten zu finden. In der Levante etwa zwischen dem 10. und 6. Jh. v.Chr. als Kultinstrument, das von Frauen gespielt wurde.

Der ‚petit sorcier à l’arc musical‘ wie von seinem Entdecker Breuil skizziert.

Zu den ältesten Melodieinstrumenten zählen Harfe, Leier, Laute und Flöte bzw. Pfeife. Die Saiteninstrumente beruhen wohl auf der Entdeckung der Erdzither, einer über den „Erdboden gespannten Pflanzenfaser“ (Valentin, 13), die zum Musikbogen wurde (einer über einen Holzbogen gespannten Saite), und des Musikstabes, dessen Resonanzkörper ein hohles Pflanzenrohr darstellte. Einen besonders frühen Hinweis auf ein Streichinstrument liefert eine Höhlenmalerei namens ‚petit sorcier à l’arc musical‘ aus der Höhle Les Trois Frères in Südfrankreich, die bereits im Magdalénien (etwa 16.000 – 10.000 v. Chr.) entstanden ist. Ein gehörntes Wesen spielt darauf vermutlich einen Musikbogen.

Die Harfe ist bereits für etwa 4000 v.Chr. bei den Sumerern, 3500 v.Chr. vermutlich in Galiläa nachweisbar, allerdings natürlich noch nicht in der heutigen Form. Die Leier ist erst später bekannt, etwa 2000 v.Chr. (Syrien). Sie ist nicht zu verwechseln mit der späteren Drehleier. Die Leier ist ein Instrument das aus einem hörnerförmigen (Lyra) oder hufeisenförmigen (Kithara) Rahmen besteht, der unten einen Resonanzkasten aufweist und oben eine Strebe, die den Rahmen schließt und von der aus die Saiten nach unten gespannt sind. Die Saiten werden hier gezupft und nicht – wie etwa bei der Drehleier – gestrichen. Die zwei beschriebenen Formen waren bei den Römern und Griechen der Antike (1200/800 v.Chr. – 600 n.Chr.) bekannt und wurden dort durch Spielleute verbreitet. Wie bereits zuvor genannte Instrumente wurde auch die Leier in der Levante zur Vertreibung von Dämonen und zur Begleitung anderer kultischer Handlungen gespielt. Die Laute (belegt für etwa 1550 v.Chr. in Ägypten, eine Art Gitarre mit nach hinten geknicktem Wirbelkasten) hingegen wurde eher als Instrument der Unterhaltung genutzt, die auch erotische Formen annahm. Einen Eindruck davon wie eine Laute aussieht und klingt, könnt ihr euch in diesem Video machen, dass einen Lautenspieler bei der Mainzer Museumsnacht 2009 zeigt.

Pfeifen konnten einfache oder Doppelpfeifen sein, hatten kein, ein oder zwei Rohrblätter. Die ersten Flötendarstellungen gehen laut Lise Manniche (einer dänischen Ägyptologin) in Ägypten auf das 4. Jahrtausend v.Chr. zurück und zeigen eine Flöte namens Nay. Flöten dienten hauptsächlich als Instrumente, die Freude und Lebenslust verbreiteten, besonders um die Götter zu feiern, doch sie fanden auch als Klageinstrumente Verwendung. Neben den Pfeifen aus Knochen oder Schilfrohr, aber auch aus Kupfer oder Bronze, entwickelte sich auch das Horn, welches zunächst aus Tierhörnern oder Muscheln geformt wurde. Es ist schon 1800 v.Chr. auf einem Fresko dargestellt, diente jedoch nicht wie die Pfeifen als Melodieinstrument, sondern als Instrument der Warnung und des Signals, das das menschliche Rufen an Intensität übertraf.

Ganz ähnlich wurde die Trompete (1300 v.Chr.) genutzt, die damals ein einfaches, hölzernes oder metallenes Rohr war, das in einem Trichter endete. Allerdings durfte sie lange Zeit nur von Priestern benutzt werden, um göttliche Kunde zu verbreiten, was anhand von bestimmten Signalen geschah. Aus den aufgeführten, hauptsächlich kultischen Instrumenten entwickelten sich Schritt für Schritt weitere Instrumentenformen, die schließlich in der Unterhaltung und Kunst Verwendung fanden. Da ich hier nur einen Abriss der Instrumentengeschichte geben konnte, empfehle ich für weitere Informationen zur Instrumentengeschichte die folgenden Texte.

Quellen:

Heinitz, Wilhelm. Instrumentenkunde. Wildpark-Potsdam: Athenaion, 1934.
Manniche, Lise. Ancient Egyptian Musical Instruments. München [u.a.]: Dt. Kunstverlag, 1975.
Schulz, Georg Friedrich. Alte Musikinstrumente. Werkzeuge der Polyphonie. München: Schuler, 1973.
Sieveking, Ann. “The Sorcerer and the Musical Bow.” PAST – The Newsletter of the Prehistoric Society 29 (1988).
1 June 2011 http://www.ucl.ac.uk/prehistoric/past/past29.html#Sorcerer.
Staubli, Thomas (Red.). Musik in biblischer Zeit und orientalisches Musikerbe. Stuttgart: Kathol. Bibelwerk, 2007.
Valentin, Erich. Handbuch der Musikinstrumentenkunde. 4. Auflage. Regensburg: Gustav Bosse Verlag, 1963.