Dreifache Klangsynästhesien: Mit den Ohren fühlen (Teil III)

Jeder, der einmal einer wahrlich schlechten Gesangsdarbietung gelauscht hat oder  vom hellen Piepton einer Alarmanlage akustisch maltretiert wurde, wird dem Wort „Ohrenschmerzen“ eine Bedeutung zumessen können, die nichts mit einer Infektion der Gehörgänge zu tun hat, sondern allein auf auditiver Wahrnehmung basiert. Aber auch über derartige tonale Folter hinaus besteht eine direkte Verbindung zwischen Gehör und Gefühl, die im Folgenden verdeutlicht werden soll.

Emotionen der unterschiedlichsten Art brechen sich zumeist  auch auf dem Audiokanal Bahn. Auf diese Art eindringlich an jeden Zuhörer vermittelt wird z.B. Schmerz, der  unweigerlich in lautem Aufschreien oder dem lautmalerischen „Aua“ widerhallt, Trauer, die sich in einem Schluchzen Luft macht, oder Freude, die in heiterem Lachen erschallt.  Es bedarf also keiner Worte, um sich in Hörweite emotional mitzuteilen. Die ‚Sprache‘ der Gefühle ist Klang. Sie ist kulturell universell; ihr Verständnis ist intuitiv.

Mittels derartiger klanglicher Gefühlssignale werden aber nicht nur Gemütslagen und Empfindungen mitgeteilt, sondern durch sie können auch selbst Gefühle und Stimmungen ausgelöst werden. Nicht umsonst heißt es beispielsweise, dass Lachen ansteckend ist und Schmerzensschreie können beim Mithörer eigene Qualen auslösen. Bezeichnend ist dabei, dass das auditiv induzierte Mitlachen oder Mitleiden auch bewirkt wird, wenn jegliche anderen sensuellen Signale fehlen. Allein der akustische Reiz reicht aus, um den Zuhörer emotional mitzureißen. Wer einmal durch und mit einem Lachsack in Gelächter ausgebrochen ist, dürfte dies bestens nachvollziehen können. Und ebenso führen Hörspiele und Horrorfilme vor Ohren, dass ein Jammern und Schreien, zu dem kein Bild geboten wird, viel eindringlicher auf den Rezipient wirkt als, wenn man sieht wer weint und wieso. Unmittelbare Empathie wird maßgeblich über das Gehör ausgelöst.

Wer Mitgefühl zeigen will, muss also in erster Linie ‚sinngemäß‘ ein guter Zuhörer sein, denn Freud und Leid gehen synästhetisch durch die Ohren. Aber auch sonst lohnt sich das Zuhören, denn zu hören gibt es oftmals mehr als uns gewöhnlich in den Sinn kommt, wie drei Klangsynästhesie-Beiträge exemplarisch aufzeigen konnten.