Fahrzeugakustik (1/3) – Sound als Qualitätsmerkmal

Sound als Qualitätsmerkmal

©Kurt/ Pixelio'

Wenn es darum geht ein Auto zu kaufen, entscheiden wir uns natürlich erst einmal für ein Modell, welches uns optisch am besten gefällt und welches die Eigenschaften besitzt, die unseren Vorstellungen entsprechen. Doch wenn es ernst wird und wir ein Fahrzeug Probe fahren, verlassen wir uns in erster Linie auf unser Gehör. Als Fahrer möchte man schließlich nicht nur von A nach B gebracht werden, sondern auch angemessen akustisch unterhalten werden.

An diesem Punkt kommt die Fahrzeugakustik ins Spiel. Diese verbindet Aspekte der Physik und der Psychologie, um dem potentiellen Auto-Käufer ein einmaliges Fahrerlebnis zu bieten. Zu den Aufgaben der Fahrzeugakustik gehört es zum Bespiel die wahrnehmbaren Schwingungen und Vibrationen, die während der Fahrt entstehen mit der Akustik des Fahrzeugs in Einklang zu bringen. Bei der Qualitätsbeurteilung eines Fahrzeuges spielen diese Vibrationen in Verbindung mit der Akustik eine wesentliche Rolle. Denn Geräusche werden im Allgemeinen ständig bewusst oder unbewusst wahrgenommen und interpretiert. Sobald der Fahrer also ein Geräusch erfasst, welches nicht seinen Erwartungen entspricht, vermutet er mangelnde Qualität oder sogar einen Defekt.

Zu den Aufgaben der Fahrzeugakustik gehört jedoch nicht nur die Gestaltung der Motorensounds, sondern auch die Reduktion der Motorengeräusche nach außen hin. Einen authentischen und wohlklingenden Sound zu entwickeln, der aber keine Lärmbelästigung für die Umwelt darstellt, ist dabei die Schwierigkeit. Fahrzeugakustiker sind außerdem dafür zuständig, den Fahrzeuginnenraum von den Fahrgeräuschen abzuschirmen und somit ein Gefühl von Sicherheit und Komfort zu erzeugen. Dabei ist es  wichtig, dass die Außengeräusche nicht komplett ausgesperrt werden, da diese für den Fahrer auch eine Kontrollfunktion besitzen. Sei es, um ein Gefühl für die Geschwindigkeit zu bekommen oder um das Geschehen um sich herum besser einschätzen zu können.

Doch das ist noch nicht alles. Denn auch alle Funktionen im Fahrzeuginneren werden mit einem passenden Geräusch versehen. Selbst die Geräusche des Blinkers oder des elektrischen Fensterhebers werden einem, dem Fahrzeug zugeordneten, Klangschema angepasst. Bei Mercedes-Benz hat zum Beispiel jedes Modell seinen ganz eigenen Sound:

Mit dem gesellschaftlichen Wandel ändern sich von Zeit zu Zeit jedoch auch die Anforderungen des Käufers an das Automobil. Aufgrund derzeitiger umweltpolitischer Diskussionen rücken immer mehr ökologiebezogene Kriterien in den Vordergrund, wenn es um die Qualitätsbeurteilung eines Fahrzeuges geht. Was zurzeit zählt ist Effizienz und Umweltfreundlichkeit. Aufgrund der Abgasbestimmungen und dem stetigen Versuch den Emissionsausstoß zu reduzieren, werden kleinere, leichtere und schwächer motorisierte Fahrzeuge gefordert. Damit auch bei solchen emissionsarmen Fahrzeugen das fühlbare und emotionale Erlebnis des Fahrers bei der Nutzung seines Automobils nicht verloren geht, müssen Fahrzeugakustiker ganze Arbeit leisten. Denn nach wie vor bleibt das gefühlte und gehörte Erlebnis beim Fahren ein wichtiger Kritikpunkt, der die Kaufentscheidung beeinflusst.

Durch das Aufkommen von Hybrid- und Elektrofahrzeugen rückt das aktive Gestalten der Fahrzeugakustik immer mehr in den Fokus, da hier akustische Feedbacks erst einmal generiert werden und völlig neu gestaltet werden müssen.

Mehr zu dem Thema Fahrzeugakustik beim Elektroauto erfahrt ihr in Teil 2 meiner Serie.

Quelle:

Genuit, Klaus. Sound-Engineering im Automobilbereich: Methoden zur Messung und Auswertung von Geräuschen und Schwingungen. Heidelberg: Springer-Verlag, 2010