Fahrzeugakustik (3/3) – Warnsignale im Automobil

©Dieter Schütz/ Pixelio'

©Dieter Schütz/ Pixelio'

Nicht nur nach außen hin, sondern auch im Innenraum sind neuere Fahrzeuge heutzutage wahre Klangwunder. Außerdem denken sie auch noch für uns mit! Ständig werden wir daran erinnert, dass sich die Tankfüllung dem Ende neigt oder dass wir mal wieder vergessen haben uns anzuschnallen. Diese Erinnerung geschieht meist durch ein aufdringliches Piepen. Der Grund dafür ist, dass akustische Signale oft effektiver sind, als optische, da sie vom Menschen schneller wahrgenommen werden. Die Signale sollen dem Fahrer das Fahren erleichtern und ihn entlasten. Doch diese intensiven Töne können auch zu unbeabsichtigten Reaktionen führen, vor allem bei Fahrern, die es nicht gewohnt sind, während der Fahrt akustische Befehle entgegenzunehmen. Da die Signaltöne für unterschiedliche Aufgaben sehr oft ähnlich klingen, werden diese oft verwechselt oder falsch gedeutet. Das führt beim Fahrzeugführer dann eher zu Verwirrung, als zur gewünschten Entlastung. Je nach Art und Häufigkeit der akustischen Meldung, kann diese auch als störend empfunden werden.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass diese gut gemeinten Warnhinweise auch hin und wieder einen negativen Nebeneffekt haben können. Wenn man zum Beispiel mal wieder unangeschnallt losgefahren ist, kann das nicht aufhören wollende Piepen schon ein wenig nervös machen. Sobald das Fahrzeug eine mögliche Gefahrensituation erkennt, wenn man z.B. zu schnell in eine Kurve hinein fährt, ertönt sogar ein schnell hintereinander folgendes Piepen, welches den einen oder anderen Fahrer zusammenzucken lässt.

Da diese auditiven Hinweise unterschiedliche Reaktionszeiten zulassen oder verlangen, kann es beim Auftreten dieser Töne zur Überforderung des Fahrers kommen. Während ein Hinweis wie „Tank ist fast leer“ nicht sofort Beachtung finden muss, muss eine Warnung  wie „zu hohe Motortemperatur“ sofort berücksichtigt werden. Doch diese verschiedenen Prioritätsstufen muss der Fahrer erst einmal einzuschätzen wissen.

Vor einigen Jahren entwickelte ein Student der TU Chemnitz zu diesem Thema ein völlig neues Hinweis-System. Dazu analysierte er zunächst Informations- und Warnsignale in Fahrzeugen. In einem Versuch mussten Testpersonen dann die verschiedenen Signale deuten und den Klangeindruck nach ihrem persönlichen Empfinden bewerten. Durch verschiedene Tests kam auch er zu dem Ergebnis, dass die auftretenden Töne zu allgemein und unverständlich seien und den Fahrer sogar erschrecken können.

Auf Grundlage dieser Informationen entwickelte er schließlich im Rahmen seiner Diplomarbeit zu dem Thema „Akustische Informationen bei der Mensch-Maschine Interaktion“  völlig neue akustische Hinweise für Fahrzeuge. Bei der Gestaltung dieser Signale orientierte sich der Student an realen Ereignissen, die die Signale nachstellen sollten. Zum Beispiel wurde der Piepton der uns mitteilen möchte, dass wir nicht angeschnallt sind, durch das Geräusche eines Gurtes, der herausgezogen und eingerastet wird, ersetzt. Damit wird dem Fahrer eine klare Information geliefert, die nicht missverstanden werden kann.

Meiner Meinung nach ist dieses System eine sehr gute Alternative zu einfältigen und aufdringlichen Pieptönen.


Quellen:

http://www.innovations-report.de/html/berichte/automotive/damit_fahrer_auto_richtig_verstehen_70307.html

Fricke, Nicola. Warn-und Alarmsounds im Automobil in: Georg Spehr: Funktionale Klänge. Bielefeld: transcript Verlag, 2009