Kartographie des Sounds – Hat uns das Web nicht mehr zu sagen? (1/4)

Das Internet entwickelt sich rasant weiter – mehr Bilder, mehr Videos, mehr Vielfalt im Web 2.0. Doch eine mediale Form verstummt in den weiten Welten des Internets: Der Sound. Wie das Fernsehen früher sich vor dem Radio behaupten konnte, stellt sich auch der Sound in der visuell-überfluteten Welt des Internets hinten an. Aus diesem Grund machen wir eine  Bestandsaufnahme und zeichnen die Kartographie des Sounds im Netz nach – und klären ab, inwiefern der auditive Sinn im Netz vernachlässigt wird. Doch wir meckern nicht nur – im zweiten Teil unseres Artikels liefern wir Anreize und mögliche Alternativkonzepte!

 

Im Internet nimmt der Sound verschiedene Rollen ein – eine grobe Klassifizierung soll im ersten Teil unseres Artikels mit den Bereichen “Sound als Hauptprodukt”  und “Sound als Nebenprodukt/Unterstützung” vorgestellt werden. Für uns stellte sich also zu Beginn die Frage: ist die Präsenz bzw. das Angebot im Netz multimedial angelegt oder steht der Fokus allein auf dem auditiven Element?

Erster Teil – Sound als Hauptprodukt: 

 

Podcasts

Podcasts (übersetzt: “Hörstück” oder “Hördatei”) werden im Internet als eine Serie von Beiträgen angeboten. Diese können wiederum von Nutzern unkompliziert über Servicedienste (sogenannte „RSS-Feeds“)  abonniert werden – und das zu jeder Zeit und dabei völlig kostenlos.
Obwohl das Konzept für Podcasting bereits im Jahr 2000 in den Startlöchern stand und über den Begriff “Audioblogging” sich einen Namen verschaffte, war es doch besonders Apple zu verdanken, dass Podcasts so beliebt wurden. Diese integrierten das Podcasting in ihre Software iTunes und öffneten diese Technik somit dem Massenpublikum. Mit nur wenigen Klicks konnte nun auch der portable Audioplayer “iPod” von Apple mit den Inhalten gespeist werden. Noch größere Aufmerksamkeit kam den Podcasts zu, als auch die Möglichkeit entstand, Videoinhalte anzubieten.

Für Medienunternehmen aus Zeitung, Rundfunk und Fernsehen stellte die innovative Technik auch eine Möglichkeit dar, ihre relevanten Inhalte separat als Podcast anzubieten und regelmäßig zu erweitern. Stöbert man ein wenig durch die deutschsprachigen Podcastseiten, so sind mittlerweile in den Charts und Top10 Listen zumeist bekannte Medienformate und weniger Amateurinhalte vertreten. Doch für unsere Bestandsaufnahme soll noch einmal festgehalten werden: Podcasting ist schon längst kein rein auditives Angebot mehr, sondern hat sich mit den technischen Möglichkeiten um die audiovisuelle Komponente erweitertet. Videopodcasts sind zwar kein “Muss”, Audiopodcasts aber auch nur ein “Kann”.

Webradio/Internetradio

Dass Audio im Internet im Vordergrund steht, scheint nur selten der Fall zu sein. Wenn es jedoch um das Webradio geht, also um das Angebot von Hörfunksendungen im Internet, bleibt das Ohr als Sinnesorgan Hauptdarsteller.

Bereits Mitte der 90er Jahre war die Technik ausgereift genug, um Audioinhalte digital über das Internet zu empfangen. Der wichtigste Vorteil liegt dabei auf der Hand: Während Radioprogramme im UKW-Bereich regional beschränkt sind, können digitale Sender nunmehr weltweit empfangen werden. Populär und massentauglich wurde der Dienst, besonders in Deutschland, erst in den letzten Jahren. Dies ist insbesondere auf den verstärkten Anteil an DSL-/Breitbandnutzer und die Vereinfachung des Konsums von Stream-Angeboten zurückzuführen.
Laut der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010 hören 8% der Internetsurfer wöchentlich Webradio per Livestream, im Jahr 2003  waren es 5,3% (Ausschnitt siehe Tabelle).
In Bezug auf das Hörverhalten zeigt sich beim Webradio ein ähnliches Bild wie bei den Podcasts: So besteht auf der einen Seite die Möglichkeit, zahlreichen Amateurkanälen weltweit zu lauschen, auf der anderen Seite aber auch die Option, schlichtweg bei den kommerziellen Radiosendern via Internet reinzuhören.


Als Hybridform ist das Internetradio und soziale Musikportal “last.fm” zu bezeichnen, welches im Jahr 2002 mit dem Slogan “the social music revolution” an den Start ging. Den Nutzern wird je nach Hörgewohnheit neue Musik, Infos über Bands, Bilder und Konzerte sowie Vorschäge zu Usern mit ähnlichem Musikgeschmack angeboten. Zwar besitzt jeder Nutzer nunmehr ein personalisiertes Webradio, allerdings ist das Durchstöbern der sozialen und informativen Inhalte und Funktionen des Musikportals gleichzeitig eine Abkehr vom klassischen Konzept der Radiokonsumtion. Ein auf das pure Hören von personalisierter Musik beschränkte Web-Angebot ist das amerikanische Portal pandora.com (nur aus den USA abrufbar). Letzteres profitierte nicht zuletzt vom Trend zum mobilen Web auf Smartphones – hier bietet die Seite eine App zum mobilen Musikgenuss an und steht somit auch erstmals in noch direkterer Konkurrenz zum klassischen Radio.

 

Audio-Austausch/Präsentation (SocialSoundPlattform)

Wer an Videobroadcasting im Internet denkt, dem fällt wohl auf Anhieb das Portal “youTube” ein. Audiodienste, welche ein Pendant zu solchen Videoportalen darstellen und sich auch primär als Online-Audioplattform verstehen, sind wohl nur relativ internetaffinen Nutzern bekannt, der Massenmarkt bleibt diesen bis jetzt noch verschlossen.

Das wohl erfolgreichste Portal heißt aktuell “Soundcloud”, welches es den Nutzern ermöglicht, Audiodateien schnell und einfach zum hören und downloaden bereitzustellen, zu kommentieren sowie auf anderen Webseiten einzubinden. Mit 5 Millionen aktiven Nutzern ist das Portal bereits weit verbreitet. Auch wenn der Vergleich mit über 100 Millionen youTube-Nutzern nicht trennscharf das Kräfteverhältnis von Audio vs. Video aufzeigt, so soll doch zumindest vergleichend auf den Stellenwert solcher Portale im Internet hingewiesen werden.

Beispiel: Diskussion eines Musikstücks auf Soundcloud