Mit der Stimme Musik machen – Der Mensch als Resonanzkörper

Ein Konzert ganz ohne Instrumente? Ist das nicht langweilig? Und überhaupt: Wie soll das denn gelingen? Man mag es kaum glauben, aber es funktioniert. Eines der besten Beispiele dafür ist Maybebop, ein deutsches A-Capella-Pop-Quartett aus Hannover.

Das Erfolgsrezept von Oliver Gies, Jan Malte Bürger, Lukas Teske und Sebastian Schröder ist ihre Musikmischung, die für jede Generation und jeden Geschmack etwas bereithält. Mal selbstironisch und mit einem Überraschungsangriff auf die Lachmuskeln, dann wieder gefühlvoll und sensibel mit Gänsehautgarantie. Mit ihren kunstvollen Arrangements und ihrem besonderen Charme drücken die „Charming Boys“ jedem Lied ihren ganz persönlichen Stempel auf.
Doch was heißt A-Capella eigentlich? Was macht diesen Musikstil so besonders?

Die Bezeichnung stammt ursprünglich von dem italienischen „alla capella“ ab und heißt Musik „nach Art der Kapelle“. Das wesentliche Merkmal dieser Musikrichtung ist der Gesang ohne Instrumente und deren Imitation mit dem Mund. Diese Idee, Musik ohne Instrumente zu machen, existiert seit bereits mehreren tausend Jahren. Die Renaissance mit ihrer Choralmusik kann als Ursprung von A-Capella gesehen werden. Im 19. und teilweise im 20. Jahrhundert sangen in der klassischen Musik traditionelle Chöre ihre meist religiösen Lieder oder Balladen ohne instrumentale Begleitung. Die erste deutsche weltweit bekannte A-Capella Gruppe waren die Comedian Harmonists.

Das Besondere an A-Capella ist, dass die Sänger nur mithilfe von Mikrofonen ohne Playback und Instrumente Musik machen. Allein mit ihren Stimmen schaffen sie den Sound und die Klangfülle einer kompletten Band. Durch elektronische Hilfsmittel und der richtigen Technik im Studio kommen die imitierten Instrumente zur Geltung. Neben Methoden wie Vocal Percussion oder Beatboxing, die helfen, das Schlagzeug nachzuahmen, können auch Klatschen, Schnipsen oder so genannte Eggshaker den Rhythmus unterstützen. Die Beatboxer imitieren mit Mund, Nase und Rachen Rhythmusinstrumente. Ein Mikrofon auf dem Bauch und ein Rücken-Klopfen ergibt beispielsweise ein vibrierendes Trommeln. Beim Beatboxing spielt neben der Gleichzeitigkeit von Beat, Bass und Sprechgesang ebenfalls das Entertainment eine Rolle. Dazu gehört auch, das Publikum als aktive Ergänzung in Lieder mit einzubeziehen. Einfache rhythmische Klangmuster wie ein „Plop“, Summen, Schnipsen oder Klatschen werden auf verschiedene Zuhörergruppen verteilt, die an unterschiedlichen Stellen zum Einsatz kommen. Auf diese Weise können auch die Zuschauer daran teilhaben, ihr eigenes Instrument zu werden.

In der Regel übernimmt jeder Sänger einmal die Hauptstimme, die von den anderen begleitet wird. Eine A-Capella Formation setzt sich meistens aus fünf Sängern zusammen, die verschiedene Stimmlagen abdecken. Wichtiger Teil einer typischen A-Capella Besetzung kann der Countertenor sein, der mit Hilfe einer Kopfstimme die Höhe einer Alt-oder sogar Sopranlage erreicht. Dadurch erzielt er bestimmte Klangeffekte, indem er sich durch die hohe Stimmlage von den anderen abhebt. Weitere Stimmen sind im allgemeinen Tenor und Bariton, die einmalig oder je nach Größe der Gruppe auch mehrfach besetzt sein können. Bariton ist die Stimmlage zwischen Tenor und Bass. Letzterer ist die tiefste Stimmlage, deren Frequenzen in einer A-Capella Formation von großer Bedeutung sind, da sie den Rhythmus angeben und der Gruppe eine gewisse Stabilität und Orientierung bieten.

Die Möglichkeiten, die der Mensch hat, Geräusche allein mit seiner Stimme zu erzeugen, fasziniert vor allem das junge Publikum. Diese Unmittelbarkeit, die sich durch die Abwesenheit von Instrumenten ergibt, zeigt auch, wie anstrengend A-Capella sein kann. Dieser Musikstil ist mehr als Singen, er ist die präzise Beherrschung der Stimme und das Einsetzen des Körpers. Die Nutzung von Medien und Technik kann diesen menschlichen Resonanzkörper verstärken.

Deshalb sind gut klingende Räume oder Mikrofone Voraussetzung für A-Capella Musik. Sie ermöglichen, dass relativ leise Körpergeräusche verstärkt und zum Instrument werden können. So können Klänge erzeugt werden, die einem Halleffekt ähneln oder die Funktion eines Echos imitieren. Die Technik des Crooning ist ein Beispiel dafür. Diese Methode ist ein populär musikalischer Gesangsstil, der im Zuge der Entwicklung des Mikrofons entstanden ist. Ein geringer Tonumfang, gleitende Tonfolgen, geringe dynamische Schwankungen sowie das Singen auf Konsonanten charakterisieren die Songs von Croonern. Es geht darum zurückhaltend und teilweise kraftlos die Stimme zu bedienen.

Ein weit verbreitetes musikalisches Ausdrucksmittel in der Pop-und Jazzmusik ist die Form des Close Harmony. Diese Form umfasst meistens Noten, die gleichzeitig gespielt oder gesungen werden und sich in einer Terz unterscheiden. Wie der Ausdruck schon besagt, liegen sie relativ nah zusammen. Indem die Sänger Akkord-Blöcke in derselben Lage verwenden, ergibt sich dieses Arrangement. Auch die Comedian Harmonists machten Gebrauch von dieser Technik. Eine Hörprobe gefällig?

Close Harmonies klingen kompakter als Akkorde in weiter Lage, sodass einzelne Töne auch bei komplizierten harmonischen Zusammenhängen besser verschmelzen. Sie setzen sich von Bass und Solo ab, indem man sie als Begleitung in der Mittellage einsetzt. Problematisch wird dieses Phänomen bei verschiedenen Stimmlagen, denn dann findet bei gemischten Vokalchören zwischen tiefer Frauen-und hoher Männerstimme ein Registeraustausch statt. Das bedeutet, dass zwei unterschiedliche Klangfarben menschlicher Stimmen mit verschiedenen Tonhöhenbereichen aufeinander treffen.

Komische und kritische Liedtexte kennzeichnen die A-Capella Musik. Die meisten A-Capella Gruppen schreiben ihre Texte selbst oder sie interpretieren bekannte Lieder nur durch das Spiel mit ihrer Stimme auf ihre individuelle Weise.
So auch Maybebop. Die vier jungen Männer begeistern A-Capella-und Musikfreunde auch außerhalb von Deutschland. Bei ihnen steht die romantische Popballade neben Nirvanas Rocksong „Smells Like Teen Spirit“, da wird aus dem „kleinen grünen Kaktus“ mit Volksliedcharme eine innovative Rockversion. Latin, Hip-Hop-und Pop-Cover stehen jazz-bearbeiteten Volks-und Weihnachtliedern gegenüber. Mit einem Augenzwinkern verarbeiten die vier Musiker in Eigenkompositionen selbst erlebte Liebes-und Alltagserfahrungen und hauchen altbekannten Liedern neues Leben ein.

 

Quellen:

www.vokalszene.de/vos/workshop/technik/index.php?i…

http://www.maybebop.de/

http://www.maybebop-fanclub.de/presse/

http://www.gesangstipps.de/html/die-stimme-gesangstipps.html

 

Bildquellen:

http://www.techno-dent.de/Bilder/mund.jpg

http://www.plot4u.de/images/artikel/0/000442a_x.gif

http://www.witten.de/uploads/pics/instrumente-web_14.jpg