Warum uns Musik zu Tränen rühren kann

„Hör doch, sie spielen unser Lied!“, den Satz hat sicher jeder schon einmal gehört oder sogar selbst gesagt. Musik schafft es, wie kaum etwas anderes, tief sitzende Erinnerungen wieder in uns hervorzurufen. Sie kann uns in Hochstimmung versetzen und uns zum Weinen bringen. Aber warum ist das eigentlich so? Warum besitzt Musik so viel „Macht“ über unsere Emotionen?

Bereits Nietzsche sagte „ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“ und Friedrich Schiller bezeichnete Musik als „Seelenmaler“. Musik löst im Menschen Erinnerungen und Assoziationen aus und regt zum Träumen an. Jedoch können diese Emotionen bei Individuen ganz unterschiedlich sein. Ob und welche Emotionen in uns ausgelöst werden, hängt von der jeweiligen Situation und der momentanen Verfassung des Hörers ab.

Nehmen wir zum Beispiel den Song „Last Christmas“ von Wham. Im Jahre 1984 wurde er zum ersten Mal veröffentlicht. Man könnte also vermuten, dass mittlerweile jeder ein Exemplar zu Hause im Schrank stehen hat. Weit gefehlt! Jedes Jahr pünktlich zur Weihnachtszeit kehrt das Lied erneut in die Charts zurück, läuft non-stop im Radio und hallt durch die Geschäfte. Für die einen ist es wohl „das“ Weihnachtslied schlecht hin! Für sie gehört dieses Lied einfach zu Weihnachten dazu. Es löst bei ihnen eine weihnachtliche Stimmung aus und erinnert an die letzten Festtage unter dem Weihnachtsbaum. Aber es gibt auch die andere Gruppe, die am liebsten laut schreiend aus einem Raum fliehen würde, sobald die ersten Takte erklingen. Manche fragen sich dann: warum werden wir jedes Jahr auf ein Neues mit diesem furchtbaren Lied gequält? Diese Hörer können schlichtweg keine Sympathie für das Lied aufbringen oder sagen wir lieber sie können es einfach nicht mehr hören. „Last Christmas“ ist wohl eines der bekanntesten Weihnachtslieder an dem deutlich wird, wie subjektiv Musik wahrgenommen wird. Denn man liebt oder hasst es, eine „Grauzone“ dazwischen gibt es nicht.

 

Die Musikpädagogin Dorothée Kreusch-Jacob ist der Meinung, dass die Fähigkeit von Musik berührt zu werden genauso angeboren ist, wie die Fähigkeit Sprache zu erlernen. Bereits Babys reagieren auf Klänge und Musik. Und sicher hat jeder schon einmal beobachtet, dass Kleinkinder anfangen sich im Kreis zu drehen und sich zu bewegen sobald sie Musik hören.

Musik wirkt meist unterhalb der Bewusstseinsschwelle auf das vegetative Nervensystem. Forscher haben herausgefunden, dass Melodien und Rhythmen genau auf jene Hirnregionen wirken, die für die Verarbeitung von Trauer, Freude und Sehnsucht zuständig sind. Die Abbildung soll zeigen, wie das Gehirn Klänge aufnimmt.

 

Wege der Musik durch das Gehirn

Klangwelten im Kopf

 

Das Ohr ist das erste Organ, das während der Schwangerschaft zu voller Größe und Funktionsfähigkeit heranwächst – ca. 18 Wochen nach der Zeugung ist unser Ohr fertig ausgebildet.  Bereits ein Fetus lebt im Mutterleib in einer Art „Klangwelt“, umgeben von Atem und Herzschlag.

Wallin hat herausgefunden, dass kein anderer unserer Sinne so schnell zu einer Aufmerksamkeitsreaktion führt wie gehörter Schall. Die Schallwellen dringen über den Hörkanal zum Trommelfell und versetzen dieses in Schwingungen. Die Schwingungen wiederum werden auf die im Mittelohr befindlichen drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel, übertragen. Im Innenohr wandeln Sinneshärchen die Schwingungen in bioelektrische Impulse um, die anschließend im Gehirn entschlüsselt, interpretiert und umgesetzt werden.

Es gibt eine Vielzahl an Studien darüber, welche Emotionen Klassische Musik auslösen kann. Sloboda fand beispielsweise heraus, dass Bachs h-Moll-Messe die Hörer zu Tränen rührt, Mozarts g-Moll-Symphonie dagegen löst freudiges Herzzittern aus. Probiert es doch selbst einmal aus, ob Mozart bei euch freudiges Herzzittern auslöst?!

 

Sloboda befragte 67 Menschen direkt nach ihren emotionalen Erfahrungen durch Musik. Die Befragten empfanden Musik als etwas Befreiendes und gaben an sich sowohl verstanden als auch getröstet in ihrem Schmerz zu fühlen.

Jedoch kann nicht eindeutig gesagt werden, wie genau solche Emotionen bei den Hörern ausgelöst werden, da das Empfinden von Musik je nach Hörer unterschiedlich ist. Allerdings scheint Musik für die meisten wohl die schönste Form zu sein Gefühle auszudrücken.