Der Synthesizer und die elektronische Musik

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© Judith Huwer

Elektronische Klänge und Musik sind ein großer Bestandteil unseres alltäglichen Lebens und begegnen uns nicht nur im Radio oder Fernsehen. Überall haben wir es mit Klängen zu tun, die nicht auf ganz klassischem Wege von einem Musikinstrument im erzeugt wurden. Aber woher kommen diese Klänge, wie wurden sie entwickelt und warum spielen sie auch in der Musikindustrie eine so wichtige Rolle? Die Entwicklung des Synthesizers war maßgeblich für die Produktion elektronischer Musik. An seinem Beispiel soll die Faszination an elektronisch erzeugten Klängen deutlich werden, wobei die Frage aufkommt, ob auch der Synthesizer als Musikinstrument bezeichnet werden kann. Was ist ein Synthesizer, wie kann man mit ihm Musik machen und wie kommt er bei Musikern und Komponisten zum Einsatz?

Synthesizer sind im weitesten Sinne elektronische Geräuscherzeuger. In ihrem eigentlichen Sinn fungieren sie jedoch aus folgendem Grund als Musikinstrumente. Man kann mit ihnen die elektronische Erzeugung von musikalischen Klängen kontrollieren und somit Musik ebenfalls komponieren. Durch die spezielle Art der Musikerzeugung kann man dem Instrument keinen eindeutigen klanglichen Charakter zuweisen, wie es bei einem klassischen Musikinstrument der Fall ist.1 Nun aber erst mal zurück zur Faszination der automatischen Klangerzeugung.

Wo kommt das eigentlich her?

Die automatische Klang- oder Musikerzeugung geht auf eine lange Geschichte zurück. So hat man sich schon im 17. Jahrhundert mit der Entwicklung automatischer Musikinstrumente befasst. Mit der Erfindung des Elektro-Motors, Ende des 19. Jahrhunderts wurde nun auch der elektrische Strom in die Automatisierung von Musik integriert. Beispielhaft ist das sogenannte automatische Klavier, welches zusätzlich zu der automatisch abgespielten Musik auch manuell bedient werden konnte.2 Die elektronische Erzeugung von Klängen hat bis zu der Erfindung des Synthesizers durch Robert A. Moog im Jahre 1964 viele Entwicklungsstufen durchlaufen. Durch den Synthesizer war es den Musikern und Komponisten möglich die elektronische Musikerzeugung individuell und frei nutzen zu können, nicht zuletzt durch die transportable Größe des Geräts.

Möglichkeiten für den Musiker

Wie das Wort „Synthesizer“ schon sagt, soll eine Synthese aufgebaut werden. Es soll etwas synthetisch erzeugt und zusammengesetzt werden. Beim Musiksynthesizer sollen Klänge und Geräusche aller Art beliebig zusammengesetzt und somit Musik produziert werden. Dabei ist es möglich „Tonhöhe, Tondauer und Lautstärke, Klangfarbe und Artikulation“ zu bestimmen und so seine Musik aufzubauen und zu komponieren.3 Trotz der vielen Möglichkeiten hat sich der Synthesizer innerhalb der Musikkultur nur langsam durchgesetzt. In den sechziger und siebziger Jahren bekam der Synthesizer zusammen mit dem E-Piano und der elektronischen Orgel im Bereich der Pop- und Rockmusik immer mehr Aufmerksamkeit. Eine aufwändige Studiotechnik war allerdings nach wie vor nötig um das Klangbild der Musik letzten Endes doch maßgeblich zu verändern. Die Popmusik der achtziger Jahre zeigt durch ihre vielseitigen Stilrichtungen, dass der Einzug von diversen Technologien in die elektronische Musikproduktion letztlich einen völlig neuen Musikbegriff geprägt hat.

Dabei wird die elektronische Klangerzeugung auf ganz unterschiedliche Weise genutzt. Viele Musiker beschränken sich nun ausschließlich auf die elektronische Erzeugung von Musik, während andere live-elektronische Klänge und Geräusche nutzen und durch das Experimentieren und Improvisieren zu ganz andren Ergebnissen kommen. Neben denjenigen, die ihren eigen Musikstil durch die Nutzung elektronisch erzeugter Klänge lediglich erweitern, gibt es auch solche, wie sie zum Beispiel im „Elektronik-Pop“ zu finden sind, die durch einfachste Klangabläufe von vorprogrammierten Synthesizern eine stark stereotyp geprägte Musik erzeugen. Diese Musik der sogenannten „Discowelle“ zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie keine oder kaum Improvisation beinhaltet und immer wiederkehrende Muster auftreten.

Parallel zu dieser Entwicklung zeigt sich ein enormes Interesse an Innovation und Gestaltung von Musik durch die elektronischen Klänge und Geräusche des Synthesizers. Live-elektronische Mittel kommen zum Einsatz, um neben E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug eine elementare Rolle einzunehmen. So ist es möglich Rockmusik durch die elektronisch erzeugten Klänge von Synthesizern zu erweitern. Drum-Synthesizer, die manuell zu bedienen sind kommen unter anderem als expressives musikalisches Gestaltungsmittel zum Einsatz. Eine Verbindung zwischen klassischer Rockmusik und neuartig elektronisch erzeugter Musik entsteht, die sich dadurch auszeichnet, dass Synthesizer zum einen rein instrumental verwendet werden, aber auch der Verfremdung von Instrumentenklängen und Gesang dienen.4 Als Bespiel ist die Band Kaftwerk zu nennen. Sie entstand im Jahre 1970 und produzieren auch heute nach wie vor ihre Musik mit Hilfe von Synthesizern.

Deutlich werden der enorm vielseitige Gebrauch von Synthesizern und ihr großer Einsatzbereich. Ob man ihn nun als vielseitiges Instrument oder als rein technischen und elektronischen Apparat bezeichnet, hängt wohl ebenfalls mit seiner Nutzung zusammen. Die technischen Entwicklungen zeigen, dass der Synthesizer aus der Musikproduktion nicht mehr wegzudenken ist und Musik und Klang in einigen Bereichen neu definiert hat.


1. Chapman, C.: Formant Musik-Synthesizer. Beschreibung, Bau- und Spielanleitung mit zahlreichen Einstellbeispielen, Gangelt 1978, 2. Auflage, S. 7.

2. Batel, Günther; Salbert, Dieter: Synthesizermusik und Live-Elektronik. Geschichtliche, technologische, kompositorische und pädagogische Aspekte der elektronischen Musik, Zürich 1985, S. 22/23.

3. Enders, Bernd: Die Klangwelt des Musiksynthesizers. Die Einführung in die Funktions- und Wirkungsweise eines Modulsynthesizers, München 1985, S. 7/8.

4. Batel 1985, S. 26-31.

Literatur:

Batel, Günther; Salbert, Dieter: Synthesizermusik und Live-Elektronik. Geschichtliche, technologische, kompositorische und pädagogische Aspekte der elektronischen Musik, Zürich 1985.

Chapman, C.: Formant Musik-Synthesizer. Beschreibung, Bau- und Spielanleitung mit zahlreichen Einstellbeispielen, Gangelt 1978, 2. Auflage.

Enders, Bernd: Die Klangwelt des Musiksynthesizers. Die Einführung in die Funktions- und Wirkungsweise eines Modulsynthesizers, München 1985.

Onlinequellen:

http://www.moogmusic.com/

http://www.youtube.com/