Phonopollution – Gefahr für die Ohren

© Elke Margit

„Phonopollution“  – ein Begriff, der in unserer immer schneller, hektischer und lauter werdenden Welt mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Aber was steckt hinter diesem doch sehr eigenwilligen Begriff und warum nimmt seine Relevanz zu?

Phonopollution beschreibt die akustische Umweltverschmutzung, welcher der Mensch ausgesetzt ist. Akustische Umweltverschmutzung umfasst vor allem den Dauerlärm in Großstädten, vor dem es kein Entkommen gibt. Als besonders großes Problem gilt der Straßenverkehr, der immer mehr zunimmt. Ein ständiges Stop and Go, untermalt von Hupkonzerten. Dazu gesellt sich der Lärm der Baustelle nebenan, hier und da ein klingelndes Telefon, sowie die Gespräche der Mitmenschen um einen herum. Auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln hat man keine Ruhe mehr.

So kommt es vor, dass der Sitznachbar so laut Musik hört, dass trotz Kopfhörern die Mitmenschen am exquisiten Musikgeschmack teilhaben können. Manch einer macht sich aber auch gar nicht mehr die Mühe und nutzt die Lautsprecher seines Handys, um alle um ihn herum an seiner Musikauswahl teilnehmen zu lassen, ob man möchte oder nicht. Oder eine junge Dame diskutiert erregt am Handy über die Ereignisse der letzten Nacht und gibt nebenbei dem ganzen Bus einen Einblick in ihr Intimleben. Selbst in den Ruheoasen einer Großstadt, wie den Parks, ist man nicht mehr ungestört. Kurz gesagt, ein stilles Plätzen in einer Großstadt zu finden gestaltet sich als sehr schwierig.

Gefahren für die Gesundheit

Die Wahrnehmung von Lärm ist eine sehr subjektive Sache. Jeder Mensch empfindet andere Geräusche als störend. Generell umfasst Phonopollution „solche Geräusche, die unerwünscht und/oder gesundheitsschädlich sind und durch menschliche Aktivitäten verursacht werden“ (Kloepfer, S. 41).

Somit sollten wir uns fragen, welche  Auswirkungen der Lärm mit sich bringt, dem wir nicht entfliehen können. Klar, er kann einem manchmal gewaltig auf die Nerven gehen, aber inwiefern ist er auch gesundheitsgefährdend? Ein konstant hoher Lärmpegel hat Einfluss auf die Gesundheit des Menschen. So kann Verkehrslärm das Herz-Kreislaufsystem beeinflussen und zu hohem Blutdruck oder auch einem Herzinfarkt führen. Das psychosoziale Wohlbefinden, welches Folgen für die Lebensqualität  des Menschen mit sich bringt, leidet je nach Belastung extrem, was wiederum Auswirkungen auf den Schlaf, die Kommunikation und die Leistung haben kann (vgl. Kloepfer, S. 4). Michael Kloepfer schreibt in seinem Buch „Leben mit Lärm“, dass zwar noch keine klinisch relevanten Gesundheitsstörungen durch Verkehrslärm nachgewiesen werden konnten, Lärm aber im Zusammenspiel mit anderen Faktoren durchaus zur Entwicklung chronischer Erkrankungen beitragen kann (vgl. Kloepfer, S.4). Diese verkehrslärmbedingten Gesundheitsrisiken sind laut einer Studie des Forschungsverbunds Lärm & Gesundheit am Tag bei einem äquivalenten Dauerschallpegel ab 60 dB(A) zu erwarten, in der Nacht schon ab 50dB(A), da die Regeneration der körperlichen „Energiereserven“ erheblich beeinträchtigt wird und folglich den oben beschriebenen Lärmstress mit sich bringen kann. Zum Vergleich: auch normale Gespräche werden in allgemeinen anerkannten Dezibel-Skalen mit einer Lautstärke von 50 – 60 dB(A) gelistet.

Schutz vor Phonopollution

Dass Lärm zu einem bedeutenden Thema des Umweltschutzes geworden ist, ist erst seit kurzem der Fall. Lange Zeit wurde der Schutz vor Lärmbelästigung vernachlässigt. Nur in den Bereichen der Industrie, des Arbeitsschutzes und in flughafennahen Regionen gab es schon länger ausführliche Regelungen. Im Jahr 2002 verabschiedeten das Europäische Parlament und der Rat eine Richtlinie über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm. Im Juni 2005 wurde diese vom Bundestag beschlossen und gesetzlich im Bundes-Immissionsschutzgesetz verankert. Enthalten sind darin eine strategische Lärmkartierung für Ballungsräume und Großflughafen, sowie auf diesen Karten basierende Lärmaktionspläne, welche den Umgebungslärm minimieren oder verhindern sollen.

Die  Minderung des Lärms ist laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in drei Schritten möglich. An erster Stelle steht die Reduzierung der Lärmquelle. Im Falle des Verkehrslärms ist das durch leisere Fahrzeuge, Reifen oder auch durch die Änderung des Straßenbelags erreichbar. Der zweite Schritt besteht in der Abschirmung vor Lärm. Dies geschieht durch Lärmschutzwände, die an viel befahrenen Straßen stehen oder auch durch schalldämmende Räume für Maschinen in Industrieanlagen. Zu diesem Schritt wird übergegangen, wenn die Lärmquelle nicht weiter gemindert werden kann. Als letzten und dritten Schritt sieht das Bundesministerium den passiven Schallschutz. Dazu zählen zum Beispiel Schallschutzfenster, die den Lärm von draußen abhalten. Der passive Schallschutz ist die schlechteste Lösung zur Minderung von Lärm, da er nur Innenräume schützen kann und bei geschlossenem Fenster funktioniert. Er ist sozusagen die Notlösung, wenn die vorherigen Maßnahmen nicht ausreichend Wirkung gezeigt haben. Neben den staatlichen Schutzmaßnahmen kann aber auch jeder Einzelne etwas dafür tun, dass es um uns herum ruhiger wird, indem man die lärmenden Tätigkeiten unterlässt, die einen bei anderen stören. Beispielsweise muss das Lieblingslied nicht immer in voller Lautstärke gehört werden, so dass man dem Nachbarn wenigstens in den eigenen vier Wänden etwas Ruhe gönnen kann.

Sensibilisierung gegenüber Lärm

Eine Ruheoase der etwas anderen Art hat der Diplom-Ingenieur Daniel Lathan in Berlin erschaffen. In einem Parkhaus installierte er 16 Lautsprecher, die das natürliche Klangbild eines Schwarzwaldbaches übertragen. Aufgenommen werden die Naturgeräusche an einem Waldbach in Triberg. Dort stehen seit vier Jahren Aufnahmestationen, die  das Ganze rund um die Uhr im Live-Stream übertragen. Ziel ist es die Natur dem Menschen näher zu bringen und so das Wohlbefinden zu steigern. Mit der Übertragung im Parkhaus will Lathan eine Sensibilisierung gegenüber dem Großstadtlärm erreichen. Durch die reduzierten visuellen Reize im Parkhaus, fokussiert man sich auf das Hören der Naturgeräusche, welches zu verschiedenen positiven Effekten führen kann. Die Sensibilisierung tritt spätestens beim Verlassen des Parkhauses ein, wenn man dem herrschenden Lärm wieder voll ausgesetzt wird.

Ob diese Art der Bewusstmachung das Problem der akustischen Umweltverschmutzung innerhalb der Gesellschaft mindern kann, ist zu bezweifeln. Jedoch ist es ein guter Anfang, der auf eine frische und innovative Art das Problem zu behandeln versucht. Die Aufmerksamkeit muss stärker auf den von uns verursachten Lärm und dessen Auswirkungen gelenkt werden, denn nur wenn jedem Einzelnen bewusst ist, was er da tut, können wir unser Verhalten ändern und versuchen ruhiger zu werden.

 

Quellen:

Kloepfer, Michael, und B. Griefahn. Leben Mit Lärm?: Risikobeurteilung und Regulation des Umgebungslärms im Verkehrsbereich. Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 2006.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Lärmschutz

sonami – sounds from nature to mind: „Ein Schwarzwaldbach plätschert live in der Hauptstadt“

Forschungsverbund Lärm & Gesundheit