Kichern, Glucksen, Schnauben oder Prusten? – Welcher Lachtyp bist du?

Wir alle tun es jeden Tag immer und überall. Wer hat sich nicht schon einmal ins Fäustchen gelacht, losgeprustet oder gegackert? Lachen ist gesund und hat keine Nebenwirkungen. Wer viel lacht, lebt länger. Charlie Chaplin hat einmal gesagt: „Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag“. Lachen verbindet, denn gelacht wird auf der ganzen Welt. Und das Besondere daran ist, dass man Lachen überall versteht, auch wenn jeder Mensch eine andere Lache hat. Bei manchen ähnelt die Lache einem Schluckauf oder Prusten, bei anderen wiederum erinnert sie an ein Meerschweinchenquieken. Das Geräusch des Lachens ist charakteristisch für jeden Menschen. Doch wie entsteht der Klang der individuellen Lache und welche Funktion hat sie?

In verschiedenen Kulturen hat das Lachen unterschiedliche Bedeutungen. „Afrikaner lachen viel schneller als wir“, so Stollmann, Bremer Lachforscher. In afrikanischen Stammesversammlungen ist jedem erlaubt, zu sagen, was er möchte. Obwohl alle ausgelacht werden, fühlt sich keiner gekränkt, da Lachen in dieser Kultur einen Teil der Kommunikation darstellt. „In der arabischen Welt gelten die Ägypter als ausgesprochen witzig“, sagt Stollmann. „In Europa sind es eindeutig die Briten. Sie haben den Mut, alles, was sie ernsthaft sagen, auch humorvoll zu sagen“. Zum Lachen der Deutschen meint er, dass uns diese Leichtigkeit fehlt. „Wir pflegen zu sehr die Innerlichkeit und die Hochkultur-das hat seit der Romantik Tradition“.

Verschiedene Varianten des Lachens
Was bedeutet Lachen eigentlich? Einerseits ist Lachen nur ein stoßartiges Atemgeräusch, andererseits versüßt es uns das Leben, gibt diesem einen Sinn und unterstützt unsere Kommunikation. Nach Robert Provine, Autor des Buches „Laughter: A scientific investigation“, lachen wir beim Sprechen doppelt so oft wie beim Zuhören. Für das Lachen existieren viele verschiedene Ausdrücke, die vom Giggeln über Jauchzen, Geiern, Schnauben, Brüllen und Feixen reichen. Anhand des jeweils unterschiedlichen Geräusches kann man bestimmen, um welche Art des Lachens es sich handelt und welche Person lacht. Denn jeder Mensch hat sein individuelles Lachgeräusch.

Es gibt viele verschiedene Arten des Lachens, die jeden zu einer unverwechselbaren Person machen. Neben der „Grundform“ des Lachens, dem Reflexlachen, das durch einen Reiz ausgelöst wird wie beim Kitzeln, gibt es Unterarten des Lachens. Diese sind nicht exakt definiert und gehen teilweise ineinander über.           
Eine zarte Variante des Lachens ist das Lächeln, das geräuschlos geschieht. Es entsteht aus einem Impuls des Gefühls oder indem sich zwei Menschen anschauen, auch wenn es keinen konkreten Anlass gibt. Die Fähigkeit des Lächelns bekommt man in die Wiege gelegt. Somit kann man es nicht antrainieren. Studien zufolge ist Lächeln eine normale Reaktion auf bestimmte Stimulationen, unabhängig von der Kultur.                                        
Eine weitere Art des Lachens ist das schnelle, kleine Lachen, das Kichern. Welches junge Mädchen kennt nicht Situationen, in denen es sich über etwas oder jemanden amüsiert und dabei gekichert hat? In unpassenden Momenten, in denen man versucht, das Lachen zu unterdrücken, entsteht oft dieses Kichern.                       
Glucksen kann man beschreiben als zufriedenes, verschmitztes, innerliches Lachen. Glückliche, vergnügliche Momente können ein Glucksen auslösen.                                                                        
Hervorgerufen durch einen Gedanken entsteht ein größeres Lächeln mit dem Mund, das Grinsen. Man kann sagen, dass Grinsen ein schadenfrohes, urteilendes oder aber auch freudiges Lächeln mit Hintergedanken sein kann.        
Ein abgeschwächtes Grinsen ist das Schmunzeln über jemanden oder etwas. Es geschieht aus Toleranz, Liebe oder Gutmütigkeit. Schmunzeln passiert vorwiegend für sich allein, im Inneren.

Warum und wie lachen wir?                                                                          
Der Auslöser für das Lachen drückt sich in feinen unterschiedlichen Lachformen aus. Ein Lachen aus Freude hört sich anders an als Lachen vor Nervosität, als Triumph, aus Verlegenheit, Schadenfreude oder ein Spottlachen. Ein Forscherteam der Universität Tübingen fand heraus, dass jede Lachart ein typisches Profil aufweist. So unterscheiden sich die Zeitabstände zwischen den einzelnen Prustern der verschiedenen Lacharten. Die Forscher bemerkten, dass die Ausgangstonhöhe des höhnischen Gelächters im Vergleich zu den anderen Lacharten ziemlich tief ist. Aufgrund ihrer akustischen Eigenschaften kann man die Schadenfreude zwischen Freude und Hohn einordnen. Die Freude am Missgeschick des anderen hingegen zeigt, dass der Lacher überlegen ist.                                             
Mit Lachen können wir auf unsere Mitmenschen einwirken. Beim Lachen geht es nicht vorwiegend um Witze, wie man im ersten Moment denken würde, sondern hinter dem Geräusch steckt oft ein Signal, das die Gefühle der Zuhörer beeinflusst. Laut Dirk Wildgruber, Leiter der Arbeitsgruppe „Affektive Neuropsychiatrie“ an der Universität Tübingen, ist der Hörer in der Lage, die akustischen Feinheiten herauszufiltern und somit den Auslöser für das Lachen trotz individueller Lachunterschiede zu ermitteln. In einer Untersuchung fand er heraus, dass im Durchschnitt 63 Prozent der Probanden nur durch das Hören den Anlass für das Lachen (z.B. Heiterkeit) erkannten. Dabei ist zu beachten, dass das Lachen beim Kitzeln andere Gehirnregionen anspricht als Lachen aus Freude oder Hohn. Um die emotionalen Lachformen vom Kitzellachen zu unterscheiden, müssen sich die Testpersonen beim Hören bewusst auf etwas anderes konzentrieren.                                                                          
Meyer, Zürcher Neuropsychologe, erkennt Gemeinsamkeiten zwischen dem Lachen und der Musik. Beide seien rhythmische akustische Reize und sprechen ähnliche Bereiche des Gehirns an. Ein gehörter Rhythmus überträgt sich sofort, sodass man mitlachen oder mittanzen möchte. Somit erreicht Lachen das Ziel, andere mit der eigenen Lache anzustecken.

Was passiert beim Lachen mit unserem Körper?                                                                        
Lachen ist eine Atmungsbewegung, die mehrere schnelle Atemstöße beim Ausatmungsprozess hervorruft. Beim herzhaften Lachen aktiviert der Körper insgesamt über 100 Muskeln, im Gesicht sind es 24. Dabei schießt die Luft mit bis zu 100 km/h durch die Lungen. Wir atmen tiefer als sonst. Wie viel Wahrheit steckt denn nun hinter dem Spruch „Lachen hält gesund“? So viel steht fest: Lachen wirkt sich positiv auf das Immunsystem aus. Es hält den Körper fit, baut Stress-Stoffe ab, weckt Abwehrzellen und setzt Glückshormone (Endorphine) frei, die dabei helfen, den Körper zu entspannen. Neben den positiven Effekten kann Lachen jedoch auch in zwanghafter Form auftreten, beispielsweise im Zusammenhang mit psychischen Störungen.

Was Lachen im Gehirn auslöst  
Bei ihren Untersuchungen haben die Lachforscher der Universität Tübingen herausgefunden, dass Lachen sowohl ein Zeichen von Fröhlichkeit ist als auch Gefühle abdeckt. In einer Studie untersuchten sie verschiedene Formen des Lachens. Dafür spielten Schauspieler die unterschiedlichen Lacharten für Spaß, Schadenfreude und Kitzeln vor. Ausschließlich anhand der Akustikspur der Bänder konnten die Testpersonen die verschiedenen Arten des Lachens zuordnen. Was lässt sich nun aus den Untersuchungen folgern? Durch das Atmungsphänomen sind wir in der Lage, verschiedene Gefühle auszudrücken und zu verstehen. Mit Hilfe von Magnetresonanztomographie (MRT) fanden die Wissenschaftler heraus, dass beim Zuhören verschiedene Areale die Lacharten verarbeiten. Dieses Ergebnis ist möglicherweise ein hilfreicher Schritt für die Behandlung neurodegenerativer Krankheiten.

Soziale Aspekte des Lachens 
Laut einiger Forscher bildet Lachen eine Grundkommunikationsform des Menschen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das Sprachzentrum jünger ist als das Hirnareal, in dem die Lachgeräusche ausgelöst werden. Seinen Ausgangspunkt hat das Lachen in einer Drohgebärde, die aus dem Zähnefletschen entstanden ist. Denn gesunde Zähne waren ein Zeichen für Stärke und verschafften Respekt auf der gegnerischen Seite. Lachen in Gemeinschaft verbindet und kann dazu beitragen, drohende soziale Konflikte abzuwenden.

Lachen Männer und Frauen unterschiedlich?                                                                
Senden wir die akustischen Signale des Lachens unbewusst aus oder nehmen wir Kontakt durch hohe Lachtöne auf? Fritz Hirzel beschreibt 2004 in seinem Essay „Passagiere des Glücks. Wem Lachen auf die Sprünge hilft“, welche Funktion das Lachen hat und wie wir es im Alltag einsetzen. So kann lautes, stimmhaftes Lachen positive Gefühle auslösen und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, so Jo-Anne Bachorowski, Psychologin und Michael J. Owren, Doktor der Psychologie. Beispielsweise erfolgt ein „grunzähnliches“ Lachen durch den Mund, während wir beim „Schnauben“ hauptsächlich durch die Nase lachen. Dieser Unterschied spiegelt sich ebenfalls in den Geschlechtern wider. Während das Lachen bei Frauen zu 50 Prozent aus einem „sing-ähnlichen“, zu 25 Prozent aus einem „grunz-ähnlichen“ und zu 25 Prozent aus einem „schnaubenden“ Lachen besteht, produzieren Männer jede der drei Lacharten zu 33 Prozent. Warum lachen Frauen singender? Jo-Anne Bachorowski hat in einer Untersuchung festgestellt, dass Lachen sich nicht durch „tii-hii“, „ha-ha“ oder „ho-ho“ ausdrückt, sondern ein unartikuliertes Geräusch ist. Zudem lachen beide Geschlechter in einer relativ hohen Tonlage. Dabei liegen männliche Lachgeräusche manchmal über 1000 Hertz, vergleichbar mit dem hohen C einer Sopranistin. Die Geräusche des weiblichen Lachens können manchmal bei über 2000 Hertz erreichen, also noch eine Oktave höher als bei den Männern.

Lachen als „Waffe“ der Frau 
Frauen setzen ihr Lachen ein, um das Erregungs-und Gefühlsreaktionssystem von Männern zu beeinflussen. Dafür gebrauchen sie ihre hohen Tonlagen, die auf den Mann aktivierend und aufregend wirken. Mit diesem Trick kann sich die Frau den Mann günstig stimmen, da dieser seinen aktivierten Zustand positiv erlebt, wenn er in Begleitung einer Frau ist. Somit lacht die Frau auf eine akustisch außergewöhnliche Art und Weise und erreicht in unbewusster Absicht, dass der Mann sich ihr höher emotional zuwendet. Lachen soll die emotionale Seite des Mannes zum Vorschein bringen.                                                                                                           
Aber wie kann nun ein Mann einer Frau imponieren? Männer sollten auf Lachgeräusche, die die Erregung oder Aktivität bei Frauen erhöhen, verzichten, wenn sie eine Frau beeindrucken wollen. Denn die Frau könnte die Erregung durch einen fremden Mann negativ auffassen und sich somit in seiner Anwesenheit unwohl fühlen. Deshalb der Tipp für den Mann: Zu Beginn unschuldige Lacher in niedriger Tonlage einbauen und vom Lachvorrat erst nach näherem Kennenlernen Gebrauch machen. Wirkt sein Lachen auf sie sympathisch, fühlt sich die Frau nicht bedrängt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es verschiedene Lachgeräusche gibt. Diese sind nicht nur abhängig vom Geschlecht, sondern auch von der Lachart und der Stimmung, in der man sich gerade befindet. Selbst wenn verschiedene Menschen über dasselbe lachen, lassen sie sich am Klang der eigenen Lache identifizieren.

 

Quellen:

Sonntagszeitung:                                                                                                                             http://www.neurowissenschaft.ch/mmeyer/PR/Lachen_2009-10-11-070.pdf

Spiegel online:                                                                                                                                                    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/komische-kommunikation-lachen-bis-der-arzt-staunt-a-707374.html

Welt online:                                                                                                                                                       http://www.welt.de/wissenschaft/article876622/Warum-Lachen-gesund-und-gluecklich-macht.html                                          

Essay von Fritz Hirzel:                                                                                                          http://www.fritzhirzel.com/Lachen,_sich_naeherkommen.html

 

Bildquellen:                                                http://hearcom.eu/lenya/hearcom/authoring/main/usertrials/earsC/iStock_000004648834XSmall.jpg

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