Wie klingt eigentlich die Welt?

Der Klang der Welt

Wissenschaftler der Universität Liverpool haben herausgefunden, dass Menschen sich mit Hilfe von Gerüchen besser erinnern können, als wenn sie ein Bild betrachten. Darum stellt sich die Frage: können wir uns auch durch Klänge an Ereignisse erinnern? Oder vielmehr wie klingt eigentlich die Welt?


Zuerst einmal ein kleiner Selbstversuch: was höre ich, wenn ich mich für 1-2 Minuten mit geschlossenen Augen in die Fußgängerzone stelle? Vor allem höre ich viele Stimmen, die wild durcheinander reden, ich höre jemanden lachen, ein Kind das leise singt, zwitschernde Vögel, Autos, die etwas weiter weg fahren. Ich höre aber auch den Wind, der die Fahne gegen den Mast schlagen lässt, einen Bagger, ein Kind das schreit, Tauben die gurren. Ich nehme viele unterschiedliche Geräusche, wie den Verkehr, Menschen aber auch die Natur wahr. Manche Geräusche sind lauter und manche leiser.

Sonic Vista
Die beiden Klangkünstlern Sam Auinger und Bruce Odland haben in Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt im Oktober 2011 das Projekt „Sonic Vista“ ins Leben gerufen. Zwei große Klangkugeln wurden auf der Deutschherrenbrücke befestigt und sollen den Lärm der Stadt in harmonische Klänge umwandeln.

 

Der Aussichtspunkt auf der Brücke soll das Panorama von Frankfurt und den Klang der Stadt zusammenbringen. Mit dem Kunstprojekt Sonic Vista will man, den Menschen zeigen wie intensiv die auditive Wahrnehmung einer Stadt sein kann. Sam Auinger und Bruce Odland sind der Meinung, dass die Menschen heutzutage Städte zu sehr visuell wahrnehmen und dass das Hören oft zu kurz kommt. Sie wollen versuchen das Bewusstsein der Menschen für das Hören zu erweitern.

 

Unter http://soundcloud.com/bruceodland/sets/sonic-vista-o-a-frankfurt sind verschiedene Klangobjekte aus Frankfurt zu hören. Wie zum Beispiel ein Flugzeug über der Stadt oder einfach nur Geräusche aus der Innenstadt. Die Stadt Frankfurt möchte durch dieses Projekt u.a. die Lebensqualität der Stadt verbessern und ihr sozusagen eine eigene Identität des Klangs schaffen. Der Klang einer Großstadt soll durch diese Klanginstallation eine ganz neue Wahrnehmung erzeugen.

Aber nicht nur Frankfurt möchte sich als Stadt eine eigene Identität schaffen, auch in Österreich  gibt es zum Beispiel die Hörstadt, ein Labor für Akustik, Raum und Gesellschaft. Sie beschäftigen sich hauptsächlich mit akustischer Raumgestaltung und beziehen dabei auch gesellschaftliche, politische und ökonomische Fragen mit ein. Auf der Homepage der Hörstadt sind beispielsweise 25. Hörenswürdigkeiten in Linz zu finden. Zu den Hörenswürdigkeiten zählt beispielweise der Durchgang zum Hauptplatz, der als akustische Schatzkammer bezeichnet wird. Hier soll jede Hallkammer ihr eigenes Klangschattenprofil entwickeln. Im Café Glockenspiel scheint dagegen die Zeit still zu stehen. Durch das Kellergewölbe des Cafés erscheinen die Stimmen der Gäste in einem ganz anderen Klang als auf der Straße. Diese 25 Sehenswürdigkeiten für das Gehör sind ideal für Touristen, die Linz von einer anderen Seite kennen lernen wollen. Außerdem wäre dies sicherlich eine interessante Idee für weitere Städte. Mit geschlossenen Augen durch Berlin oder Hong Kong. Eine Großstadt nicht visuell, sondern auditiv erleben und wahrnehmen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich dahinter ein spannendes Konzept versteckt, das wir in Zukunft noch öfters finden werden.

Eine kleine Weltreise

Nun wären wir aber wieder bei der Frage wie klingt eigentlich die Welt? Um dies zu erfahren sollten wir eine kleine Reise machen. Beginnen wir bei A wie Afrika. Neben all den Tieren, wie Elefanten und Löwen, die uns hier auf einer Safari begegnen können, sind es vor allem die Ureinwohner und ihr Gesang und Tanz, der fasziniert. Hierbei handelt es sich meistens um Traditionen und Rituale, wie zum Beispiel bei einer Hochzeit oder für besondere Gäste. Vor allem Trommeln sind typisch für afrikanische Musik. Außerdem ist die Musik sehr dynamisch und lädt förmlich zum Tanzen ein.

Weiter geht die Reise nach Berlin. Jeder der schon einmal in Berlin war, kennt den Sound der U-Bahn, wenn die Türen schließen.

Paul Kalkbrenner, der vor allem in der Elektroszene bekannt ist, hat diesen Sound in einen seiner Songs eingebaut.

Dieser Klang ist auch durch den Film „Berlin Calling“ bekannt geworden. Allgemein dienen Filme besonders gut dazu, um uns Musik und Klänge aus anderen Ländern zu vermitteln. Dank zahlreicher Bollywood Filme glauben wir doch alle, dass Indien vor allem bunt klingt.

Weiter geht unsere Reise in die USA. Das folgende Video aus New York zeigt, dass es sich hier um eine recht laute und hektische Metropole handelt. Besonders die Sirenen am Anfang sind typisch für NYC, aber auch die Street Style Gruppen in den U-Bahn Schächten kennt jeder, der schon einmal dort war. Die Schönheit New Yorks einfach mal mit den Ohren genießen.

Aber auch die Amerikaner haben eine genaue Vorstellung davon, wie es bei uns in Deutschland klingt. Während meines Aufenthalts in den USA haben ich vor allem einen Satz immer und immer wieder gehört: „Oh you are from Germany? We love the Oktoberfest“. Amerikaner glauben also tatsächlich Deutschland klingt nach bayrischer Blasmusik.

Sicherlich handelt es sich hierbei zum Teil um typische Klischees, aber sie helfen uns zu erfahren und uns vorzustellen wie die Welt klingen könnte. So können wir unser Fernweh ein bisschen stillen oder wenn wir kein Geld haben, um selbst auf Weltreise zu gehen, können uns diese Klangbeispiele helfen, eine Weltreise mit den Ohren zu erleben.

Dank dieser Klänge können wir uns zumindest für kurze Zeit an einen anderen Ort träumen. Um unsere Reise nicht auf dem Oktoberfest enden zu lassen, würde ich vorschlagen wir schließen noch einmal kurz die Augen und stellen uns einen einsamen Sandstrand vor. Der entspannende Klang der Wellen, wenn sie im Sand verlaufen…

Oder wer auf ein bisschen mehr Abenteuer steht, wie wäre eine Reise durch den Urwald? Wenn man nie genau weiß, was sich hinter dem nächsten Baum versteckt.

 

Einmal die Augen schließen und die Welt nur mit den Ohren wahrnehmen. Ich bin mir sicher, dass dabei viele Erinnerungen wieder hoch kommen. Es sind also nicht nur Bilder und Gerüche, die unsere Erinnerungen wecken, sondern auch durch Klänge können wir uns erinnern. Oder Klänge ermöglichen es nicht nur uns zu erinnern, vielmehr ermöglichen sie uns zu träumen. Der Ruf der großen weiten Welt!