Mashup – Create your own Song

© Michael Krellowetz / pixelio.de

Jeder hat seine Lieblingslieder. In manchen Situationen möchte man sie unbedingt alle gleichzeitig hören. Unmöglich? Nein. Eine Medientechnik lässt diesen Umstand zu: Mashups. Auch bekannt aus anderen Bereichen wie Social Media oder der Wirtschaft, hat diese Technik in der Musik ihren Ursprung.

Bei Mashups geht es darum, mindestens zwei voneinander unabhängige Medieninhalte miteinander zu kombinieren. In der Musik werden somit Lieder von unterschiedlichen Interpreten so miteinander zu verbinden, zu remixen, dass am Ende ein vollständig neuer Song entsteht. Oft werden prägnante Beats mit der Textspur eines anderen Liedes verknüpft.

Neu ist dieses Phänomen jedoch nicht. Bereits seit einigen Jahrzehnten werden in den verschiedenen Musikrichtungen Zitate oder Instrumentals aus anderen Liedern genutzt, um diese zu einem neuen Lied zu verknüpfen. Klar unterschieden wird hier jedoch zwischen einem ‚herkömmlichen’ Remix und einem Mashup. Bei einem Remix vollzieht der DJ die Veränderung anhand eines Musiktitels, bei einem Mashup werden, wie bereits genannt, mehrere Titel zusammengeschnitten, so dass eine Musikcollage entsteht.

Der DJ und Produzent Shir Khan sagte in einem Interview mit David Schwertgen folgendes: „You simply take an instrumental-track – maybe a pop or a rock song – and add an acapella to it – often from a complete different genre like hip-hop, r’n’b or whatever. The difference to usual sampling, where you’re going to sample five or ten seconds or a few bars and loop them, is, that a mash-ups consists of an entire track – you simply rip it.“  Es geht also nicht nur darum, Musiktitel über einen kurzen Zeitabschnitt zu remixen, sondern über die gesamte Länge eines Songs zu verändern.

Bei den verwendeten Titeln handelt es sich oftmals um stilistisch gleiche Musik, der Wiedererkennungswert der einzelnen Titel bleibt erhalten. Ben Stilller von Mashup Germany spricht von einer neuen Identität, die durch den Mix der Lieder entsteht.

Ein entscheidendes Thema, welches auch bei Mashups immer wieder laut wird, ist die Urheberrechtsdebatte und die Verwendung von geschützten Inhalten, so auch Musik. Mashups gehören in gewisser Weise zum User Generated Content; sie werden hauptsächlich über das Internet verbreitet und über Plattformen wie Youtube, MyVideo oder MySpace bekannt. User Generated Content bedeutet die Übernahme, subjektive Veränderung und Kombination von Medieninhalten und die Verbindung mit eigenen Inhalten.

Es handelt sich also um nutzergenerierten Inhalte, die weitgehend als Open Source über das Internet anderen Usern zur Verfügung gestellt werden. Durch das Web 2.0 verschwimmen somit die bisher klaren Grenzen zwischen „Autoren und Verlegern (Urheber) auf der einen und Rezipienten (Nutzer) auf der anderen Seite (..)“. (Quelle) Rechtlich auf der sicheren Seite ist ein Mashup-Künstler dann, wenn er sich für jedes verwendete Musikstück – wenn auch nur Fragmente genutzt werden – das Einverständnis des Urhebers einholt. Auf der anderen Seite werden die Titel nicht illegal bezogen und nicht als die eigenen Werke und Kreationen betitelt. So wird meistens klar dargelegt, welche Lieder in einem Mashup verwendet werden. Durch die kostenfreie Bereitstellung der Inhalte steht außerdem kein kommerzieller Nutzen im Vordergrund.

Der DJ und Produzent Ben Stilller, der mit seinem Label Mashup-Germany seit 2008 im Geschäft ist, fordert dahingehend eine Überarbeitung des Urheberrechts für mehr künstlerische Vielfalt sowie die Erhebung eines europaweiten Urheberrechts. Mashup-Germany spricht sich für die, aktuell auch von der Piratenpartei vorgebrachten, Kulturflatrate: „Die Kulturflatrate sieht eine staatlich geregelte Pauschalabgabe vor, die je nach Konsum der digitalen Inhalte anteilig an die Rechteinhaber verteilt wird. Nicht die Rechteverwerter und ihre Abmahnindustrie, sondern die Künstler selbst würden für ihre Werke belohnt und entsprechend entlohnt werden.“ (Quelle).
Er stellte in einem Interview der Sendung DASDING.tv außerdem klar, dass er bewusst keine Werbung auf seiner Homepage schalte und die Einnahmen aus seinem Merchandising-Store spende und somit selbstverständlich keinen kommerziellen Nutzen mit seinen Mashups erzielen wolle.

Ben Stilller arbeitet als Mashup-Künstler und tourt mit seinen Kreationen mittlerweile als DJ erfolgreich rund um die Welt. Brasilien, USA. Nach eigenen Angaben hat ihn der Mashup aus „Remmidemmi“ von Deichkind und „Song 2“ von Blur, gemixt von DJ Morgoth aus Berlin, besonders beeindruckt und war ein ausschlaggebender Punkt dafür, dass er in diesem Geschäfts „mitspielen“ wollte. (Mashup-Germany @ DASDING)

Für Ben Stilller könne ein Remix die Identität eines Songs verändern oder erweitern. Aber ein gutes Mashup habe das Potential, die Identitäten verschiedener Songs so zu verschmelzen, dass daraus ein eigenständiges Werk mit komplett neuer musikalischer Identität entstehen könne. „Das kann kein Remix der Welt.“ (Sleaze, S. 59)

Quellen:

In der Musikbäckerei. In: Sleaze. Trash mit Substanz. Ausgabe Juli bis September 2010. S. 59
Mashup-Germany @ dasDing. 23.02.2012 Auf: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=s9MUIy_SMJI

„Mashup is not a Crime“ – Warum wir unbedingt eine Neudefinition des Urheberrechts brauchen. 28.07.2011. Auf: http://www.mashup-germany.com/2011/„mashup-is-not-a-crime“-warum-wir-unbedingt-eine-neudefinition-des-urheberrechts-brauchen-expertenbeitrag/

Schwertgen, David. An Interview with DJ and Produver Shir Khan. in: Sampling. Auf: http://www.culture-jamming.de/samplinginterviewIIen.html

Schneider-Schramm, Bettina. User Generated Content. auf: http://www.bettinger.de/rechtsdatenbank/urheberrecht/urheberrecht-von-a-z/user-generated-content.html