Die Tricks der Sounddesigner – Klangquellen im Film

Foto von Tiago Cassol Schvarstzhaupt

Wenn man an Kinofilme denkt, fallen oftmals zuerst prägnante Bilder oder Szenen ein. Manch anderer denkt vielleicht zuerst an die besonders schöne Musik oder an die wichtigsten Dialoge. Was jedoch für ein gelungenes Kinoerlebnis mindestens genauso wichtig ist, sind die Geräusche, die die Szenen untermalen. Besonders in Science Fiction oder Horrorfilmen in denen der Zuschauer mit fremden Welten oder Wesen konfrontiert wird oder auch in Zeichentrickfilmen, in denen die gesamte Tonspur künstlich erstellt werden muss stellt dies für die Filmemacher eine besondere Herausforderung dar.

Häufig fällt es eher schwer von der Szene mit dem dazugehörigen Sound auf die tatsächliche Klangquelle zu schließen. Das liegt zum einen daran, dass der Sound aus vielen einzelnen Sounds zusammengemischt ist oder aber daran, dass sie gepitched, verzerrt oder auf eine andere Art technisch bearbeitet sind. Eine wahre Goldgrube an Beispielen bietet die Arbeit von Hollywood Sound Designer Ben Burtt, der u.a. die Sounds für das Star Wars Universum schaffte. Die wohl prägnantesten Sounds der Science-Fiction Reihe (das Surren des Lichtschwerts, das schwere Atmen des Bösewichts Darth Vader oder die Sprache der Wookies) wurden schon im klangschreiber-Podcast Außerirdische Töne von dieser Welt – das Sounddesign von “Star Wars” thematisiert. Jedoch gibt es noch viele andere interessante Beispiele die diese Filme bieten.

Sehr wichtig für Regisseure von Science Fiction Filmen dieser Zeit wie George Lucas oder Ridley Scott (Alien) war das Konzept der sogenannten used future. Dieses Konzept war nicht nur visuell, sondern auch hörbar umgesetzt. Aus der „realen“ Welt stammende Geräusche wurden aufgenommen, hier und da beispielsweise in der Tonhöhe verändert und anschließend im Film verwendet. So haben beispielsweise die Kriegsschiffe der Klone aus Episode 2 „Angriff der Klonkrieger“ den Klang eines Bombers aus dem ersten Weltkrieg. Denselben Sound verwendete Burtt in etwas hoch gepitchter Form auch noch für den Speeder von Count Dooku. Der Landspeeder von Luke Skywalker bekam seinen spezifischen Sound durch verschiedene, durch ein Staubsaugerrohr aufgenommene Klänge am Harbor Freeway in Südkalifornien. Die Tatsache, dass George Lucas von Ben Burtt großtenteils organische Sounds verlangte, was in Science Fiction filmen eher untypisch war, wird ironischer Weise am Beispiel des Droiden R2D2 deutlich. Zwar waren auch hier etwa 50% der Pieps-Geräusche elektronisch, die andere Hälfte jedoch bestand Größtenteils aus Burtts eigener Stimme was dem Droiden auch seinen teilweise kindlichen Charme verleiht (vgl. Lensing, 88).

Eine Szene, die wohl fast jedem von uns bekannt sein dürfte ist die, in der Harrison Ford als Indiana Jones in seinem ersten Abenteuer „Jäger des verlorenen Schatzes“ (original: Raiders of the Lost Ark) aus dem Jahre 1981 vor einer riesigen rollenden Steinkugel fliehen muss. Dieses sehr bedrohlich wirkende, tiefe Geräusch, das in Kombination mit der Musik von John Williams die Spannung der Szene intensiviert, entstand, indem ein Honda Civic mit ausgeschaltetem Motor einen Kiesabhang hinunterrollte (vgl. Sonnenschein, 58). Ebenso wie bei den Star Wars Filmen war auch hier Ben Burtt für das Sounddesign verantwortlich.

Allerdings sind es nicht nur die unverwechselbaren Sounds spezieller Filme, die jeder sofort mit den dazu passenden Bildern verknüpfen kann, sondern auch unscheinbare oder auch „unwichtigere“ Sounds, die speziell designed werden. Der Klang eines tosenden Feuers wird beispielsweise durch unterschiedlich stark geknittertes Zellglas (Cellophan) erstellt. Der dadurch entstehende Ton wird dann lediglich noch heruntergepitched. Wechselt man zum Element Wasser, gibt es auch dort ein interessantes Beispiel: das des Regens. Dafür wird nicht etwa normaler Regen aufgenommen, sondern beispielsweise das Geräusch von Salz, das auch Papier gestreut wird. Um den Ton von Hagel zu erzeugen, wird statt Salz Reis auf Papier gestreut. Auch bei dem Geräusch das beim Gehen durch sumpfiges oder matschiges Gebiet entsteht, haben sich die Sounddesigner etwas einfallen lassen. Sie tupfen einfach die Hände auf nassem Papier und nehmen dieses Geräusch auf (vgl. Sonnenschein, 58).

Besonders wichtig sind Sound-Effects natürlich auch im Zeichentrick-Film, da in diesen kein natürlicher Klang vorhanden ist und die gesamte auditive Untermalung neu erschaffen werden muss. In klassischen Zeichentrickserien wurde häufig mit Musik und dem sogenannten Mickeymousing gearbeitet – ein Verfahren, bei dem musikalisch das im Bild zu sehende Geschehen imitiert wird. Allerdings gibt es auch im Zeichentrick „normale“ Sound-Effekte, die in ihrer Entstehung nicht unbedingt von den Effekten aus Realfilmen zu unterscheiden sind. Als Beispiel kann hier das in der Zeichentrick Serie Ninja Turtles durchaus wichtige Geräusch des Zuschlagens genannt werden. Als Quelle dienten hier eine Kissenschlacht mit nassen Kissen sowie das Reiben von Käse, was zunächst eher weniger mit Prügeleien verbunden wird (vgl. Sonnenschein, 58).

 

Quellen:

Sonnenschein, David. Sound Design The Expressive Power of Music, Voice and Sound Effects in Cinema. USA: Michael Wiese Productions,  2001.

Lensing, Jörg U. Sound-Design, Sound-Montage, Soundtrack-Komposition. Stein Bockenheim: Mediabook Verlag, 2006.