Die künstliche Stimme – Popstars der Zukunft?

Hatsune MikuHatsune Miku ist ein japanischer Popstar wie kein anderer. Obwohl sie Alben veröffentlicht, Fans hat und sogar Konzerte gibt, gibt es dennoch einen prägenden Unterschied zwischen ihr und herkömmlichen Sängern:
… sie existiert nicht!

 

Hatsune Miku

Der Name des Popstärnchens Hatsune Miku setzt aus den Bestandteilen „Hatsu“ (dt. Erster), Ne (dt. Klang) und Miku (dt. Zukunft) zusammen und vielleicht liefert sie uns mit ihrem einzigartigen Gesang ja einen Blick auf die Musik der Zukunft: Ohne Sänger, dafür mit Software.

Bei Hatsune Miku handelt es sich nämlich um kein lebendiges Wesen und bei ihrer Stimme nicht um einen natürlich menschlichen Klang. Sie ist lediglich eine visualisierte, fiktive Figur, die passend zu einer Stimme entworfen wurde. Ihre Stimme und ihr Gesang wurden künstlich durch eine Software am Computer entwickelt. Sie wurde, neben vielen anderen Stimmen, von Crypton Future Media entworfen, die sich mit der Entwicklung von Computer Musik-Software beschäftigen, die es dem Nutzer möglich macht synthetischen Gesang zu erschaffen. Die Software trägt den Namen Vocaloid. Mittlerweile existieren mehrere Erweiterungen von Vocaloid, die jeweils unterschiedliche Figuren als Repräsentanten nutzen. Die aktuelle Fassung ist Vocaloid 3.

Durch die große Popularität von Anime-Figuren in Japan entschieden die Entwickler der Stimme diese visuell als Anime-Figur umzusetzten. Die Stimme bekam eine Hülle und ein Profil: Größe, Gewicht, Persönlichkeit und einen eigenen musikalischen Stil. Hatsuna Miku wurde „geboren“ und bald darauf zur populären Werbefigur für die Software. Doch die eigentlich anfangs nur für Werbezwecke gedachte Figur stieß besonders in der Anime-Szene schnell auf große Popularität. Zu Beginn verbreitete sich ihre Stimme bzw. ihr Gesang durch Musikvideos, die bei dem populären japanischen Videohoster Nico Nico Douga hoch geladen wurden. Mit steigendem Bekanntheitsgrad der Software und der Figur Hatsune Miku wandelte sich der Videohoster bald zum Treffpunkt für Fans, die an gemeinsamen Projekten mit der Software arbeiteten. Es entstanden neue Lieder, animierte Videoclips und Remixe.

Hype um den auffälligen neuen Star

Seit 2007 hat sich die Popularität um die Stimme und die Figur Hatsune Miku zu einem wahren Hype entwickelt. Ihre Fangemeinde hat nicht nur mehr und mehr zugenommen, nein, sie schafft s mit ihren CDs auch in die japanischen Charts und hält sich dort erfolgreich. Aus dem Werbegesicht wurde ein Popstar der Extraklasse.

Das Beeindruckenste ist jedoch die Tatsache, dass sie mittlerweile auch Konzerte gibt und Japanweit auf Tourne geht. Diese Konzerte werden reich besucht und stoßen bei ihren Fans auf große Nachfrage. Im folgenden eine kleine Kostprobe:

Nicht nur, dass sie von einer Live-Band begleitet wird, nein, die Fans singen auch ohne Probleme ihre größten Hits mit wie man es bei anderen Konzerten von populären Sängern kennt. Für solche Konzerte haben ihre Entwickler ihr sogar menschliche Maße verschafft, um sie dem Publikum möglichst realistisch zu präsentieren. Die Projektion mit den bodenlangen blauen Zöpfen schafft es Hatsune Miku ein Stück mehr von der fiktiven Welt in unsere reale zu befördern.

Die Konzerte in Japan sollen übrigens keine Einzelheit sein: Die Entwickler streben nämlich eine internationale Karriere für den kleinen Star an. Wir dürfen also gespannt sein, was da noch auf uns zu kommt…

Längst nicht mehr allein

Hatsune Miku ist nämlich längst nicht mehr einzigartig. Sie bildet nur den Anfang einer Reihe von Charakteren, die die unterschiedlichen synthetischen Gesangsstimmen repräsentieren. So existieren schon alleine unter Vocaloid 2 mehrere Figuren neben Hatsune Miku. Diese tragen – ebenso wie Hatsune Miku – eine Zahl am Körper, welche Aufschluss über die Schöpfungsreihenfolge gibt. So tragen z.B. Rin und Len Kagamine beide die Nummer 002, da sie an zweiter Stelle nach Hatsune Miku entwickelt wurden. Die 003 trägt die fiktive Figur Luka Megurine. Die Stimme dieser Figur ist erstmals eher auf englischsprachige Songtexte ausgelegt. Durch diese Ausweitung auf andere Sprachen wird deutlich, dass die Entwickler eine internationale Vermarktung des Produktes anstreben. Ob sie damit erfolgreich sind, wird die Zukunft zeigen.

Der Manga-Charakter des Designs von Hatsune Miku wurde auch für die anderen Figuren verwendet, die jedoch bisher nicht an den Erfolg ihres Vorgängers Hatsune Miku anknüpfen konnten. Zwar ist die Software besser ausgearbeitet und das Ergebnis der Software somit weicher im Ergebnis, dennoch ist die Beliebtheit der Figur Hatsune Miku zu nicht zu übertreffen. Einen guten Vergleich zwischen echtem und künstlich erzeugtem Gesang bietet auch das Lied E.T., welches in mehreren Versionen vorliegt. Einmal im Original von dem Popstar Katy Perry und einmal von der fiktiven Figur Luka Megurine. Was besser ist hängt letztendlich dann doch von unserem Geschmack ab.


E.T. – Katy Perry


E.T. Luka Megurine

 

Quellen

https://www.youtube.com/watch?v=xBZOlipfjkQ, [abgerufen am 13.08.2012]

http://www.welt.de/print/die_welt/wissen/article13436430/Maedchen-aus-Licht.html, [abgerufen am 13.08.2012]

http://www.crypton.co.jp/miku_eng, [abgerufen am 13.08.2012]

http://www.vocaloid.com/en/, [abgerufen am 13.08.2012]