„Der Ton macht die Musik“ – Paraverbale Kommunikation

Bild: tu-chemnitz.de

Den meisten dürfte diese Redensart geläufig sein, denn auch in Zeiten von E-Mail und WWW geschieht der Großteil der Kommunikation noch immer mündlich. Doch hierbei bilden Wörter längst nicht die ganze Botschaft, denn wie wir etwas aussprechen ist oft ebenso wichtig oder sogar bedeutsamer als der Inhalt.

Studien haben ergeben, dass die Wirkung einer Rede zu ca. 50 Prozent durch die Körpersprache (nonverbal) erzielt wird, wohingegen dem bloßen gesprochenen Wort (verbal) lediglich 10 Prozent zuzuschreiben sind. Der Rest, also über ein Drittel der Nachricht, wird demnach über die Stimme (paraverbal) vermittelt. Wörter bilden also längst nicht die ganze Botschaft.
Meist sind wir uns der Wirkung unserer Stimme nicht bewusst, da wir im Alltag dazu neigen mehr darauf zu achten was wir sagen und nicht wie wir es sagen. So können schnell Unstimmigkeiten und Missverständnisse entstehen. Es gilt also sich einmal bewusst zu machen welche Möglichkeiten uns mit unserer Stimme als Ausdrucks- und Darstellungsmittel überhaupt gegeben sind und wie wir diese umsetzen können.

Die paraverbale Kommunikation nutzt das ganze Spektrum an lautlichen Mitteln (Paraverbalia), um eine Botschaft zu übermitteln:

– Stimmlage (hoch/tief, tragend/zitternd)
– Lautstärke (angenehm / unangenehm laut / unangenehm leise)
– Betonung einzelner Wörter oder Satzteile
– Sprechtempo (schnell / langsam)
– Sprachmelodie (eintönig / moduliert / singend)

Die Stimmlage lässt vor allem Rückschlüsse auf unseren momentanen Gemütszustand zu. Ist ein Mensch traurig und überspielt diesen Zustand mit einem Lächeln, so enthüllt seine Stimme dies sofort, wenn er den Mund aufmacht. Es kann über die Stimmlage also allerlei Emotionen, aber auch Dinge wie Stress, Selbstbewusstsein und Kraft herausgehört werden.

Besonders bei Reden oder Vorträgen vor Publikum spielt die Lautstärke eine große Rolle. Spricht der Redner zu leise wirkt dies schnell ängstlich und schwach, wohingegen eine sehr laute Stimme oft als unangenehm, aufdringlich oder auch bedrohlich empfunden wird. Hier gilt es durch Übung ein gesundes Mittelmaß herauszufinden.

Die Betonung dient vor allem dazu, auf wichtige Details hinzuweisen und die Aufmerksamkeit des Zuhörers zu gewinnen. Im Gegensatz zum monotonen Sprechen sorgt das Heben und Senken der Stimme für einen wirkungsvollen Auftritt.
An dem Beispielsatz Sebastian wird nicht befördert lässt sich leicht darstellen, wie schnell die Betonung eines einzelnen Wortes auch die Bedeutung eines ganzen Satzgefüges verändern kann. Die Betonung ist jeweils durch Fettdruck hervorgehoben.

Sebastian wird nicht befördert. (= er ist derjenige, der gesucht war)
Sebastian wird nicht befördert.  (= dies ist sicher)
Sebastian wird nicht befördert. (= entgegen der Erwartung)
Sebastian wird nicht befördert. (= sondern z.B. degradiert)

Auch das Sprechtempo übernimmt eine wichtige Funktion. Für gewöhnlich wirkt langsames und deutliches Sprechen am angenehmsten. Es weckt Vertrauen, fördert die Sympathie und verhilft dem Sprecher zu einem selbstbewussten Auftreten. Zu langsames Sprechen hingegen wirkt meist langweilig und durch ein dauerhaft überhöhtes Tempo fühlt sich der Zuhörer schnell überfordert.

Die Sprachmelodie unterscheidet sich von Sprache zu Sprache. Wie bereits erwähnt, sollte monotones Sprechen unbedingt vermieden werden, da es langweilig und ohne Abwechslung erscheint. Ein paar Tonhöhen höher helfen bereits, um dem Gesagten mehr Leben einzuhauchen und das Interesse und die Aufmerksamkeit des Zuhörers zu gewinnen

„Das Verständlichste an der Sprache ist nicht das Wort selber, sondern Ton, Stärke, Modulation, Tempo, mit denen eine Reihe von Wörtern gesprochen wird, kurz die Musik hinter den Worten, die Leidenschaft hinter dieser Musik, die Person hinter dieser Leidenschaft: alles das also, was nicht geschrieben werden kann.“ (Friedrich Nietzsche)

Quellen:

  • https://www.tu-chemnitz.de
  • http://www.mrf2thed.ch