Steckt der Teufel im Detail?

Musik hat einen sehr großen Einfluss auf unsere Gefühlswelt. Wenn wir traurig sind oder Liebeskummer haben, neigen wir dazu kitschige Liebeslieder zu hören. Sind wir sauer oder schlecht drauf, können auch schon mal härtere Töne angespielt werden. Nicht immer kommt es dabei nur auf das Instrumental an. Auch der Songtext an sich hat eine große Wirkung auf unsere Gefühle. Wir versuchen die gesungenen Zeilen auf unser eigenes Leben zu übertragen, wir schnitzen sie auf unsere derzeitige Lebenssituation zu Recht und denken öfters: „Das hätte ich genauso schreiben können.“ Manchmal allerdings, besonders wenn der Text auf Englisch ist, müssen wir genauer hinhören um den Sinn zu verstehen. Man muss zwischen den Zeilen lesen, um die eigentlich Botschaft des Liedes wahrzunehmen. Ab und zu reicht es aber nicht aus, etwas „genauer“ hinzuhören. Man muss sie Rückwärts abspielen, um ihre geheime Botschaft zu entschlüsseln.

Das Rückwärts abspielen von Liedern wird als „Backmasking“ oder häufig auch als „Backward masking“ bezeichnet. D.h., Backward Masking bezeichnet das Verschleiern einer Botschaft durch technisches oder phonetisches Codieren einer Aufnahme. Die auf diese Weise „markierte“ Botschaft entzieht sich der bewussten Wahrnehmung und wirkt direkt auf das Unterbewusstsein des Hörers ein. Von dort aus beeinflusst diese Botschaft unmerklich sein Verhalten. Es handelt sich also um eine Methode der Programmierung oder Gehirnwäsche.“ [1]

Den Stein ins Rollen gebracht haben die Beatles. Wohl eher unfreiwillig. Ein Fan soll Ende der 60er Jahre auf eine versteckte Nachricht auf dem Track „Revolution 9“ gestoßen sein, die den Tod von Bandmitglied Paul McCartney bestätigte. Bei dem Rückwärtsabspielen des Songs hat er Lennon sagen hören:

„Turn me on, dead man … turn me on, dead man … turn me on, dead man…“.

Ein weiteres Indiz für den Tod McCartneys soll eine Rückwärtsbotschaft auf der Single „I’m so tired“ sein. Bei genauerem hin hören soll man die Botschaft „Paul is a dead man, miss him, miss him, miss him“  hören.

Daraus resultierte, dass weltweit geglaubt wurde, dass McCartney wirklich bei einem Verkehrsunfall gestorben sei, und durch einen Doppelgänger ersetzt wurde. Durch diesen Mythos bekam das „Backmasking“ einen enormen medialen Schub. Es wurde nicht nur mehr nach versteckten Nachrichten gesucht, auch die Künstler selbst machten sich die Mühe und bauten absichtlich verborgene Mitteilungen in ihre Lieder ein. Meistens um zu zeigen, wie absurd der Hehl um Rückwärtsnachrichten ist. Ein gutes Beispiel dafür ist „Empty Spaces“ von „Pink Floyd“ der offenbar damit gerechnet hat, dass irgendjemand seine Songs rückwärts abspielen würde. Er fordert den Entdecker auf, seine Entdeckung an eine Adresse zu schicken:

„Congratulations. You have just discovered the secret message. Please send your answer to old pink, care of the funny farm, Chalfont (Roger, Caroline is on the phone).”

Besonders der Rockszene wird vorgeworfen Rückwärtsnachrichten mit okkultischen, satanischen oder Drogen verherrlichen Inhalten zu verbreiten. Da jene vermehrt bei diesem Musikgenre aufzufinden sind. Es kam sogar soweit, dass einige Bundesstaaten in den United States einen eigenen Gesetztes Entwurf zur Kenntlichmachung von „Backmasking“ auf den Tonträgerhüllen beschließen wollten. Der Staat Kalifornien erlaubt es jedem, der sich durch versteckte Nachrichten in Songs beeinflusst fühlt, die Künstler zu verklagen, soweit diese nicht auf dem Tonträger auf „Backmasking“ hingewiesen haben.

Ein Fall hat es dann auch tatsächlich bis vor’s Gericht geschafft. In den 90er Jahren wurde der Band „Judas Preist“ zur Last gelegt verantwortlich für zwei Selbstmorde zu sein, die auf „Befehl“ der Band ausgeübt wurden. Die zwei jungen Männer sollen unter Drogen die Worte „do it, do it“ in dem Lied „Better by You, Better than Me“ gehört haben. Das Gericht entschied allerdings zu Gunsten der Band.

Als klassisches Beispiel für eine satanische Botschaft gilt wohl „Stairway to heaven“ von „Led Zeppelin“. Angeblich soll man folgendes Hören können:

„Oh here’s to my sweet Satan. The one whose little path would make me sad, whose power is Satan. He will give those with him 666. There was a little toolshed where he made us suffer, sad Satan.“

Zugegebenermaßen, wenn man weiß, was man hören soll, kann es einem schon kalt den Rücken runterlaufen. Das ist dann auch schon der Trick der Sache. Ohne den passenden Text vor Augen, fällt es einen extrem schwer die angebliche Aussage wirklich zu hören.

Schon vor dem ersten Auftreten von „Backmasking“ wurde in den United States untersucht, ob es eine subliminale Message in der Werbung gibt, die den Käufer unterschwellig das Verlangen gibt, das Produkt kaufen zu müssen. Jedoch wird diese Theorie für sehr unwahrscheinlich gehalten, wenn nicht sogar absurd. Die Wissenschaftler John R. Vokey und J. Don Read von der University of Lethbridge haben dazu eine Studie mit verschiedenen Tests durchgeführt. Sie geben zwar zu, dass einige Merkmale der Sprache, wenn rückwärts abgespielt, vorhanden bleiben :

„Many of the physical components of speech such as trills,glides, pauses, changes in emphasis, and so on areretained (in a fashion) when an auditory message is presented backward.“ [2].

Allerdings konnte in verbindung mit den durchgeführten Test nicht festgestellt werden, dass subliminal Messages die Rezipienten auf irgendeine Art beeinflussen oder gar existieren.

„Taken together with the results of the other tasks, we could find no evidence that our listeners were influenced, consciously or unconsciously, by the content of backward messages.“ [3]

Ob gewollt eingefügt, oder nur leicht schemenhaft wahrzunehmen – Rückwärtsmessages liefern eine Menge Gesprächsstoff. Auch wenn man bei manchen Liedern seine Fantasie etwas ausreizen muss, um das vermeintlich Gesagte auch wirklich hören zu können. Man wir wohl nie wissen, ob nicht doch der Teufel seine Finger mit ihm spiel hat.

 

Quellen:

http://jeffmilner.com/backmasking/

https://www.youtube.com/watch?v=UMaA8LK5BZw

http://wwws.phil.uni-passau.de/histhw/TutKrypto/tutorien/popmusik.htm

[1] http://www.regiomusik.de/interviews-rock/backward-masking-artikel-020206.html

http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCckw%C3%A4rtsbotschaft#cite_ref-2

[2] http://d.umn.edu/~rvaidyan/mktg4731/subliminal.pdf (Seite 4, Zeilen 30-34)

[3] http://d.umn.edu/~rvaidyan/mktg4731/subliminal.pdf (Seite 6, Zeilen 43-46)