Wieso gibt es Filmmusik?

Soundtrack

Wenn wir heutzutage ins Kino gehen, um uns einen Film anzusehen, dann ist er für uns ganz selbstverständlich – der Soundtrack. Auch wenn wir ihn oft nicht bewusst wahrnehmen, so spielt er doch eine ganz entscheidende Rolle für unser Kinoerlebnis – er begleitet die sichtbaren Bilder und erfüllt somit den wichtigen Zweck, eine Stimmung zu erzeugen, zu unterstreichen oder Gefühle hervorzurufen. Einen Film sehen, der keinen Soundtrack hat? Unvorstellbar. Aber das war nicht immer so. Im Folgenden soll nun auf die Bedeutung der Filmmusik eingegangen werden und wie ihre Funktion sich im Laufe der Jahre gewandelt hat.

 

Anfang der Filmmusik

Was sich heute zu aufwändig produzierten Soundtracks entwickelt hat, begann am Anfang der Filmgeschichte mit einer simplen Begleitung durch einen Kinomusiker oder aber – in großen Filmtheatern – ein ganzes Orchester. So wurden 1895 die Kurzfilme der Gebrüder Lumière von einem Klavierspieler begleitet, eine Form, die den Stummfilmen noch lange erhalten blieb. Dabei hatte diese musikalische Untermalung zunächst einen pragmatischeren Zweck, als man annehmen könnte: die Projektoren haben während der Filmaufführung einen derartigen Lärm verursacht, dass der Kinogenuss beeinträchtigt wurde. Demnach diente die eingesetzte Musik also auch dem Zweck, das Geklapper des Projektors zu übertönen.

Aber auch die „unheimliche Stille“, die von den sich bewegenden Bildern ausging, sollte durch die Musik beseitigt werden. Die sich bewegenden Figuren, die Lebendigkeit suggerieren, aber durch die Stille trotzdem leblos wirkten, machten auf die Zuschauer einen gespenstischen Eindruck. Um diese Leblosigkeit in den Hintergrund zu rücken bediente man sich der Musik, die den Bildern Seele einhauchen sollte. Aus diesen Gründen entschied man sich also für die Notwendigkeit von Filmmusik. Allerdings ist diese am Anfang tatsächlich eher als musikalische Untermalung zu betrachten, denn die Musik war noch nicht auf den Film abgestimmt und hatte daher nichts mit der Handlung  zu tun. Es reichte zunächst, die Stille zu vertreiben und dadurch die unmöglich gewordene Konversation der Zuschauer zu kompensieren.

 

Tonfilm seit 1930

Im Jahr 1927 wurde mit The Jazz Singer der erste Tonfilm aufgeführt. Somit fand die Stummfilm-Zeit offiziell ihr Ende, ebenso die Periode der Live-Musikbegleitung. Durch die Möglichkeit, Ton und Bild nun parallel vorzuführen und die damit erzeugte Realitätsillusion, gewann der Aspekt des Handlungsbezugs der Musik natürlich enorm an Wichtigkeit. Folglich wurde die Dramaturgie des Films immer mehr auf die Ton-Bild-Beziehung ausgelegt.

Ab 1930 setzte der Tonfilm sich durch, und mit der Zeit rüsteten die Kinos trotz der hohen Anschaffungskosten ihr Equipment auf das Abspielen der Bilder mit Soundtrack um. Die eigene Komposition von Filmmusik bildete anfangs noch die Ausnahme, stattdessen bediente man sich passender Stücke aus dem Archiv. Wie man es zuvor von der begleitenden Live-Musik gewohnt war, orientierte sich die Filmmusik in den ersten Jahren zunächst an von Orchestern gespielte Musik – opulent, volltönend orchestral und voller emotionalem Überschwang. Doch mehr und mehr Komponisten begannen, sich dem Film zuzuwenden. Beispielsweise im Jahre 1933 komponierte Max Steiner die Filmmusik zu King Kong und die weiße Frau, und mit dieser effektsteigernden, eigens komponierten Originalfilmmusik gelang ihm ein Durchbruch, welches ein typisches Beispiel für den klassischen Hollywoodsound darstellt:

 

Eine Zeit nach dem Classical Hollywood

Ab den 50er Jahren begann sich das Interesse an der Filmmusik zu ändern, besonders bei den Produzenten – man erkannte das Potenzial des Soundtracks als eine neue Vermarktungs- und Einnahmequelle. Erstmals wurden eigens geschriebene Titelmelodien und sogar die Filmsoundtracks selbst zum Verkauf angeboten. Auch die Einflüsse änderten sich – beispielsweise gewannen die neuen, populären Musikstile wie Jazz, Rock und Pop für die Filmmusik an Bedeutung, so dass man sich nicht nur noch auf die orchestrale Umsetzung stützte. Dafür wurden des Öfteren Stars wie Elvis Presley oder die Beatles verpflichtet. Allerdings kann beispielsweise der Soundtrack zu George Lucas Star Wars Filmen ab 1977 als eine Rückkehr zum klassischen Hollywood-Soundtrack angesehen werden, um bei den neuen, bombastischen Bildern einen bekannten Rückhalt zu bieten.

Bis heute wird dem Soundtrack bei der Filmproduktion eine enorme Bedeutung beigemessen – die Vermarktung spielt eine große Rolle und reicht vom Kauf der CD bis hin zum Download im Internet. Mit der Zeit entwickelte sich der Soundtrack zu einer der Bildgestaltung absolut gleichgestellte stilistische Ebene des Films, die nicht mehr wegzudenken ist. Ein oft zitierter Satz ist, dass nur Filmmusik, die man nicht bemerkt, gute Filmmusik sei. Und tatsächlich wird der Soundtrack oft nur unbewusst wahrgenommen, was allerdings nicht seine Bedeutsamkeit verringert! Die Musik haucht den bewegten Bildern das Leben ein, was für uns heute so normal geworden ist.

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Quellen:

Rabenalt, Peter: Filmmusik. Form und Funktion von Musik im Kino. VISTAS Verlag GmbH, Berlin: 2005.

Rabenalt, Peter: Dramaturgie der Filmmusik. In: Aus Theorie und Praxis des Films, Heft 3/1986

Brophy, Philip: 100 modern soundtracks. British Film Institute, 2008

Evans, Marc: Soundtrack. Da Capo, New York: 1979.

Bilderquelle:

http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ACinemaaustralia.jpg