Der Körper hört auch im Schlaf

 

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Als „das Geräusch der anderen“ bezeichnete Kurt Tucholsky einst den Lärm. Lärm, welches als Schallart definiert werden kann, wird als lästig, störend oder gar schmerzhaft empfunden. Täglich sind wir Lärm ausgesetzt, ob im Straßenverkehr, Baustellen oder in der Freizeit – Lärm ist so gut wie überall zu finden und das in verschiedener Frequenz und Intensität. Doch was ist, wenn der Lärm im Minutentakt vom Himmel kommt, die Flugzeuge einem regelrecht über dem Kopf fliegen und dabei  ein dröhnendes Geräusch  hinterlassen?

Das Problem des Fluglärms kennen besonders die Menschen, die rund um einen Flughafen wohnen sowie diejenigen, deren Häuser sich an den An- und Abflugrouten befinden. Somit gehört die permanente Lärmbelästigung zum Alltag dieser Menschen. Besonders beim Start- und Landevorgang eines Flugzeugs nehmen wir die lauten Fluggeräusche sehr intensiv auf. Doch wie entsteht Fluglärm? Das ohrenbetäubende Geräusch, das am Flugzeug entsteht, ertönt, wenn der heiße Abgasstrahl mit hoher Geschwindigkeit auf die kalte Luft trifft, die das Triebwerk umgibt. Die Triebwerke selbst sowie die Turbinen am Lufteinlass sorgen für die Entstehung des Lärms. Aerodynamischer Lärm, welcher in der Luft über den Tragflächen und dem Flugkörper entsteht, zählt ebenfalls zu den Komponenten des Fluglärms. Dabei beträgt die Lautstärke eines Flugzeugs bis zu 140 dB. Die Angaben dazu variieren und gehen von verschieden Flugzeugtypen aus sowie dessen Alter. Doch bereits ab 115 dB wird Lärm als schmerzhaft empfunden und mit jeder weiteren Erhöhung können bereits erste Hörschäden entstehen. Zum Vergleich aus dem Lärmalltag – ein normales Gespräch zwischen zwei Menschen erzeugt einen Schalldruck von rund 60 dB, beim Flüstern nur noch 30 dB. Ein Presslufthammer dagegen ist bis zu 100 dB laut.

Lärm macht krank!

Erst Kürzlich nennt Jochen Flasbarth, der Chef des Umweltbundesamtes, Lärm als „das am stärksten unterschätzte Umweltproblem in Deutschland“. Doch Lärm ist nicht gleich Lärm. In verschiedenen Situationen, Launen und Tageszeit wird Lärm anders empfunden. Das gilt auch für den Fluglärm. Was uns am Tag gar nicht so laut und nervig erscheint, ist nachts umso intensiver. Der Körper nutzt die Nacht zur Erholung und zum Kräftetanken, doch auch im schlafenden Zustand wird der Lärm, besonders auch Fluglärm, wahrgenommen. Verschiedene internationale und deutsche Studien belegen die negative Einwirkung des Fluglärms auf den Körper. Denn dabei steigen der Bluthochdruck sowie der Herzschlag, was Herz- Kreislauf- Erkrankungen begünstigen und zum Herzinfarkten und Schlaganfällen führen kann.

Die UBA-Studie „Risikofaktor nächtlicher Fluglärm“ von Prof. Greiser bestätigte diese Feststellung bereits bei der Durchführung im Jahr 2008. Auffällig war auch, dass durch die steigende gesundheitliche Probleme der Flughafenanrainer viel mehr Medikamente konsumiert werden als in anderen Gebieten. Dies wurde in den Gebieten rund um den Flughafen Köln/Bonn nachgewiesen. Außerdem stellte die Studie fest, dass bei Frauen die Erkrankungsrisiken für Depressionen signifikant erhöht sind. Aber nicht nur Erwachsene reagieren sensibel auf den Lärm, sondern auch Kinder. Der Lärmforscher Dr. Christian Maschke stellte fest, dass Kinder beim nächtlichen Stress mit Atmungsproblemen wie Asthma oder anderen Atemwegerkrankungen zu kämpfen haben. Dazu kommt noch, dass jede Menge Stresshormone produziert werden, welche in den Körpern der Kindern nachgewiesen wurden. Eine weitere Folge des Fluglärms spiegelt sich in den schulischen Leistungen der Kinder nieder, denn diese können im Durchschnitt schlechter ausfallen als bei Kindern außerhalb eines Fluggebiets. Konzentrationsprobleme können ebenfalls eine Folge darstellen.

Vereint gegen Fluglärm!

Plakat zur Demonstration gegen Fluglärm © jessica-seifert.info

Die Ergebnisse der in den letzten zehn Jahren durchgeführten Studien zum Thema Fluglärm, weisen deutlich auf  gesundheitliche und psychische Probleme der Betroffenen hin, was sehr alarmierend ist. Aber auch die von dem Fluglärm betroffenen Menschen verstehen, dass es mit dem Lärm so nicht weiter gehen kann. Zahlreiche Vereine, die den betroffen Menschen helfen und gegen Fluglärm mobilisieren wollen, haben sich in Regionen gebildet, wo Fluglärm an der Tagesordnung steht. Ziele sind dabei in erster Linie die Minimierung des Fluglärms, vor allem auch in der Nacht. Am 24.03.2012 fanden an den sechs größten deutschen Flughäfen Demonstrationen statt, die unteranderem gegen die Erweiterungen von Terminals und Flugbahnen sowie auch für ein striktes Nachtflugverbot waren. Mehrere zehntausend Menschen waren an den einzelnen Standorten in Berlin, Köln, Düsseldorf, München, Leipzig und Frankfurt am Main beteiligt. Die Flughafenbetreiber selbst kennen das Problem der Lärmbelästigung durch die Flugzeuge, denn wie soll es auch anderes sein, Flugzeuge sind einfach nicht zu überhören. Um die Lebensqualität zu verbessern und die Umwelt besser zu schonen, bemühen sich die Flughafenbetreiber schon seit Jahren verschiedene Alternativen einzusetzen, die den maximalen Schallschutz gewährleisten. Dabei versucht man die Flugrouten zu optimieren sowie zahlreiche Schallschutzwänden einzurichten. Der Flughafen Köln/ Bonn setzt, beispielsweise, auf passiven Schallschutz, indem den betroffenen Einwohnern  Schallschutzfenster und Raumlüfter in ihre Häuser eingebaut wurden. Außerdem betonen die Betreiber der Flughäfen, dass auch bei den Flugzeugen eine Modernisierung stattfindet und viele Flugzeuge bereits leiser sind und noch leiser werden. Diese Aussage soll, meiner Meinung nach, als Herausforderung für die Luftfahrtechnik gesehen werden, um möglichst leise und umweltfreundliche Flugzeuge in der Zukunft zu bauen.

Gewinner und Vierlierer der Fluglärmdebatte

Natürlich hören sich diese positiven Entwicklungen der Lärmschutzdebatte gut an und es besteht Hoffnung, dass der Fluglärm kein Dauergast in vielen Häusern sein wird. Spätestens seit dem Erfolg, wie das erst kürzlich beschlossene Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen, wissen die Menschen, dass sie trotz des ganzen Lärms erhört werden. Doch weiterhin stellt sich die Frage, wie so ein fast schon globales Problem wie Fluglärm wenigstens ansatzweise gelöst werden kann? Denn fliegen wollen heutzutage alle, egal ob in den Urlaub, zu Besuch oder zur Arbeit. Kaum Einer möchte auf das Fliegen verzichten und genau das wissen die Fluggesellschaften.  Sie versuchen sich so gut es geht an die Wünsche der Fliegenden anzupassen, einen guten Service anzubieten, auch wenn das heißt mehrmals am Tag die gleiche Route zu bedienen. Der Gewinn muss sichtbar sein um dem Druck der Konkurrenz  standzuhalten. Es ist schwer zu sagen, was nun die perfekte Lösung zur Bekämpfung des Fluglärms ist, denn es stehen mindestens zwei Interessengruppen gegenüber- Einwohner, die um ihre Gesundheit fürchten, und Flughafenbetreiber mit den einzelnen Fluggesellschaften, die den ökonomischen Erfolg erzielen möchten. Doch leider ist es meistens schwer gegen ökonomische Giganten mit Eigeninteressen anzukämpfen und somit müssen viele mit dem kostbarsten Gut eines jeden bezahlen – der Gesundheit.

Die 3sat Sendung „scobel“  beschäftigte sich am 26.01.2012 ausführlich mit dem Thema Lärm. Reinschauen lohnt sich!

 

Quellen:

Flitner, Michael (2007): Lärm an der Grenze. Stuttgart: Franz Steiner Verlag.

Flughafen Köln/ Bonn: http://www.koeln-bonn-airport.de/unternehmen/umwelt-laermschutz/fluglaerm/laerm-fluglaerminfos.html (12.03.2012).

Focus: http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/hoeren/krank-durch-fluglaerm-nachts-herrscht-ruhe-am-tor-zur-welt_aid_703098.html (05.04.2012).

nano: http://www.3sat.de/page/?source=/nano/astuecke/76521/index.html (13.03.2012).

Umweltbundesamt: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/2010/pd10-009_fluglaerm_macht_krank.htm (13.03.2012).