Mundart rockt!

Mundartrock

©Frederika Hanholz

„Dat is Fettes Brot op Platt inne Disko“ rappten die sog. Brote in ihrem Hit „Nordisch by Nature“, der bereits 1995 veröffentlicht wurde. Noch heute grölen auf etlichen Partys verschiedenste Gäste zu ihrem Song mit. Doch dass ein Song, der sich eines Dialekts (in diesem Fall Plattdeutsch) bedient, so erfolgreich und über Jahre hinweg so beliebt ist bleibt eher die Ausnahme. Oder?! Was genau macht Mundartmusik bzw. den Mundartrock eigentlich aus? Gehören Fettes Brot zu Vertretern des Mundartrocks? Und letztendlich: stellt die Mundartmusik eine Alternative zum eintönigen Radio-Gedudel dar?

Mundartmusik generell ist durch Texte, die in einem Dialekt verfasst sind, gekennzeichnet. In Deutschland lässt sich die Mundartmusik in fünf große Dialektgruppen einteilen. Das Niederdeutsche bzw. Plattdeutsche, den hessischen Dialekt, den ripuarischen Dialekt (darunter kölsche Schlager und Karnevals- und Volkslieder), den kurpfälzischen Dialekt und den Dialekt der Alpenregion. Während sich der hessische und kurpfälzische Dialekt auf kleinere Gruppen beschränkt, findet der eigene Dialekt vor allem in Regionen, die bereits einen hohen Wert auf die Pflege ihres Dialekts legen, großen Zuspruch und erfreut sich großer Beliebtheit. Dies beweisen unzählige bairische Volkslieder, sowie Gruppen aus dem Rheinland wie z.B. Brings oder auch BAP. Man kann daher den Schluss ziehen, dass sich Mundartmusik in den Regionen einer größeren Beliebtheit und Verbreitung erfreut, die ihren Dialekt pflegen, als in den übrigen Regionen. Während man mit Mundartmusik also vor allem Volksmusik in Verbindung bringt, kristallisieren sich heutzutage mehr und mehr auch junge Bands heraus, die Rockmusik in verschiedensten Dialekten der deutschen Sprache zum Besten geben. Daraus resultierend kann man eine Abgrenzung von Mundartmusik als Volksmusik zum sog. Mundartrock ziehen.

Fettes Brot gehören deshalb offensichtlich nicht zu den Vertretern des Mundartrocks, da ihre Single auf Plattdeutsch die Ausnahme in ihrem Song-Repertoire darstellt. Noch dazu war es die Band selbst, die sich entschied, sich klar vom Mundartrock abzugrenzen, indem sie die Single wieder vom Markt nehmen ließen. Begründet aus der Angst, „Dass es eine Art Karnevalssong werden könnte, wenn man nicht aufpasst. Und dass wir [Fettes Brot] dann auf diesen Song beschränkt werden, die norddeutschen Fun-Rapper sind, die immer Plattdeutsch reden.“

Ganz im Gegensatz zu De fofftig Penns, um bei einem Beispiel aus dem norddeutschen Raum zu bleiben. Für sie ist Plattdeutsch alles andere als altbacken. Deshalb schreiben sie ihre Texte und covern diverse Songs ausschließlich in der vom Aussterben bedrohten Sprache. Und dafür lassen sie sich gern in ihre maßgeschneiderte Schublade stecken: sie machen laut eigener Angaben bisher als einzige Gruppierung plattdeutschen Elektro-Hip-Hop. Oder wie die Band es formuliert: „De fofftig Penns machen plattdüütsch-angetrashtes voll-auf-die-zwölf Elektro/HipHop-Geschranze.“

Einen Einblick wie das klingt, gibt es hier:

Gegründet im Jahr 2003, verpassten sie sich den Namen De fofftig Penns einerseits in Anlehnung an den bekannten Rapper 50 Cent. Andererseits geht der Name ebenfalls auf ein altes Küstensprichwort „Beter 50 Penns as gor nix“ zurück. Bemerkenswert ist, dass die drei Jungs nicht, wie man es vielleicht vermuten würde, mit dem Plattdeutschen als zweiter Muttersprache aufgewachsen sind, sondern erst in der Stufe 13 angefangen haben, die Sprache über die paar Brocken hinaus, die einem die Großeltern eben so mitgeben, intensiv zu lernen.

2009 traten De fofftig Penns ebenfalls in den Niederlanden beim „Liet International Festival“ auf, welches unter der Schirmherrschaft des Generalsekretärs des Europarats steht. Darunter kann man eine Art Eurovision Song-Contest für Minderheitensprachen verstehen, der auch dieses Jahr am 1. Dezember live auf der Website von CNN übertragen wird. Alexey Kozhemyakov, Leiter des Sekretariats der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen beschrieb das Festival in einer Pressemittelung 2009 wie folgt: „Wie schon in den letzten Jahren begrüßt der Europarat diese Initiative, die Künstlern, die in Minderheiten- und Regionalsprachen singen, eine internationale Bühne bietet. Das Festival trägt auf kreative und interessante Weise dazu bei, diese Sprachen am Leben zu erhalten.

Das Liet International Festival ist mittlerweile wohl die größte Veranstaltung dieser Art, zumal sie europaweit fungiert. Es werden jedoch auch immer mehr kleinere, regionale Festivals für Fans des Mundartrock ins Leben gerufen. Genauso wie De fofftig Penns und deren Seelenverwandte, die sich für ihren Dialekt stark machen, setzen die Veranstalter solcher Festivals – und seien sie noch so klein – Zeichen. Für die Beliebtheit des eigenen Dialekts, für die Offenheit für andere Dialekte und um Fürsprechern dieser Art von Musik einen Raum zu geben.

Das Zelebrieren von Mundartmusik ist also alles andere als nur das Schunkeln zu den ausgelutschten Karnevalskamellen oder das Zuprosten mit einer Maß Weißbier. Es lohnt sich die Ohren aufzusperren, um sich nicht bloß von Mainstream-Madonna und Co berieseln zu lassen, sondern auch einmal offen für deutschsprachige Musik und deren Vielfalt an Dialekten zu sein.

 

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