Attraktivität und Stimme – Welche Rolle spielt die Stimme beim Flirten?

Gutes Aussehen alleine reicht nicht aus, um jemanden für sich zu gewinnen. Charakter, Stimme und Geruch sind ebenfalls von großer Bedeutung wenn es darum geht wen wir als sympathisch und anziehend empfinden. Gibt es eine auditiven Ersatz für: „Jemanden gut riechen können“?

Schon bei der ersten Begegnung nehmen wir bewusst, aber auch unbewusst, viele Merkmale am anderen wahr. So gaben, laut einer Umfrage des Forsa Instituts, ca. 40% der Befragten an, dass sie beim ersten Treffen mit einer fremden Person in erster Linie auf die Stimme achten (vgl. GEO Nr.12,1998). Besonders in der Zeit der Internet-Bekanntschaften und des Online-Datings unserer Gegenwart spielt das Telefonieren und somit der Klang der Stimme eine immer größere Rolle beim Kennenlernen. Bevor man sich ernsthaft auf jemanden einlässt und denjenigen trifft, gilt als vorheriger Schritt erst einmal das Telefonieren. Hier muss geprüft werden, ob das Gegenüber sich angenehm anhört, die Person einen guten Gesprächspartner darstellt und man über den normalen Chat hinaus miteinander sympathisiert. Somit lernt man in der heutigen Zeit nicht selten erst die Stimme und dann den realen Menschen dahinter kennen.

Über die Stimme schließt unser Gesprächspartner, meist ganz automatisch, unbewusst Rückschlüsse auf Charaktereigenschaften. Hierbei wirken Sprecher mit einer tiefen vollen Stimme selbstbewusster und kompetenter als Sprecher mit höheren Stimmen. Diese wirken hingegen eher unsicher und unreif. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass helle Stimmen bei Frauen durchaus positiv auf Männer wirken können, da sie beim Mann ja bekanntlich den Beschützerinstinkt wecken. Dies ist jedoch nicht die Regel, sondern beruht eher auf einem gängiges Klischee, dass auf keiner empirischen Studie aufbaut. Ebenfalls weit verbreitet ist das Klischee, dass Frauen mit hoher Stimme dümmlich, naiv und kindlich wirken, obwohl eigentlich klar ist, dass die Stimme allein dem Menschen keinen Einblick auf die Bildung oder den Intelligenzgrad des Gegenübers ermöglicht. Fest steht, dass Frauen sich weitgehend eher von tieferen Männerstimmen angezogen fühlen und diese als wohlklingend und angenehm empfinden und generell eine wesentlich höhere Stimmfrequenz aufweisen als die männliche Sprecherwelt. Dazu muss allerdings gesagt werden, dass sich die Stimme im Laufe des Lebens durchaus verändert. So spielt nicht zuletzt auch das Älterwerden eine entscheidende Rolle: Die Stimme der Frau wird z.B. rauer und auch das Sprechtempo lässt, so auch beim Mann, mit der Zeit nach.

Doch auch die Art und Weise wie wir reden, spielt eine große Rolle. Leise, ins Ohr gehauchte Worte wirken zum Beispiel ganz besonders auf unser Gegenüber. Dieses empfinden wir meistens als erotisch und sinnlich. Klarer Stimmklang hingegen wirkt sachlich auf den Gesprächspartner und somit weniger anziehend. Das gleiche gilt für monotone Stimmen, die wenig Abwechslung im Stimmklang bieten: Selbst die spannendste Geschichte verliert so durch einen monotonen und kraftlosen Sprecher ihren Reiz. Nervosität kann man ebenfalls schon der Stimme anhören. Unwohlsein und Anspannung nehmen nämlich auch Einfluss auf unsere Stimme. Wer kennt das nicht? In einer ungewohnten Situation oder vor einer großen Zuhörerschaft fängt schließlich nicht selten der Ein oder Andere an sich zu „verhaspeln“ und über seine eigenen Worte zu stolpern. Dennoch sollte man nicht versuchen seine Stimme zu optimieren indem man sie verstellt: Das klingt unnatürlich, steif und macht unsympathisch.

Das Senken der Stimme

Männer, wie auch Frauen, senken automatisch die Stimme und zeigen eine erhöhte physiologische Erregung wenn sie z.B. einem Gesprächspartner des anderen Geschlechts gegenüberstehen, den sie als attraktiv empfinden.  Somit signalisieren wir vielleicht dem Gegenüber unser Interesse automatisch über unsere Stimme. Diese Erkenntnis beruht auf der Studie der Professorin Susan Hughes „Stimmliche und physiologische Reaktionen auf die physische Attraktivität fragwürdiger Personen“

Fest steht jedoch, dass die Stimme der Frauen scheinbar auch ein wenig der Modeerscheinung folgt. Denn diese ist besonders in den letzten Jahrzenten durchschnittlich immer tiefer geworden. Das liegt unter anderem daran, dass z.B. die piepsige hohe Stimme des Frauenbilds der 30ger nicht mehr zu dem Frauenbild der Gegenwart passt.

Aber auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel.

 

Quellen:

Uletilovic, Ankica: Der Einfluss der Stimme auf die Parnterwahl. München: Grin Verlag, 2008

http://www.praxis-dr-shaw.de/blog/welche-rolle-spielt-die-stimme-beim-verfuhren/, [abgefragt am 15.08.2012]

http://www.voicepresence.info/vp/NL_Die_Rolle_der_Stimme_beim_Flirten.html, [abgefragt am 15.08.2012]