Audiogames – Videospiele ohne Video

Vor einigen Jahren noch richteten sich Audiospiele lediglich an sehbehinderte Menschen. Doch seit die Entwickler offener für Klangexperimente sind, ist auch die Definition offener geworden. Ein Audiogame kann nicht ohne Sound gespielt werden. Es soll den Spieler im auditiven Bereich fordern, das Zuhören sein Handeln bestimmen. Um das zu erreichen, werden Soundeffekte oder auch die Nutzerstimme ins Spielkonzept integriert. Längst gehören nicht mehr nur Sehbehinderte zu den Nutzern.

Weniger Video, mehr Audio

Bereits 2010 erschien das Audiogame „Papa Sangre“ der britischen Firma Somethin‘ Else. Während des Spielens sind hierbei lediglich zwei Fußsymbole und ein Kompass zu sehen, mit denen sich die Spielfigur bewegen kann. Von einer Stimme wird der Spieler durch die Level geleitet. Dabei müssen Musiknoten eingesammelt werden, Monstern hingegen sollte man ausweichen.

Dank einer speziellen Aufnahmemethode ist die räumliche Orientierung über Kopfhörer möglich. So kann der Spieler nicht nur in die virtuelle Horrorwelt eintauchen, sondern sich auch in ihr zurecht zu finden.

Eine kleine Hörprobe…

Horror unter Wasser

Das wohl verrückteste Konzept seit langem, hat wohl der Sounddesigner Robin Arnott mit dem Audiogame „Deep Sea“ vorgelegt. Das Actionspiel verzichtet komplett auf Grafik und spielt in einer Unterwasserwelt, wo der Spieler es mit gefährlichen Seemonstern aufnehmen muss. Um die Gegner ausschalten zu können bekommt er Anweisungen über Kopfhörer, geschossen wird wie gewohnt mit dem Joystick. So weit, so gut – jedoch nicht besonders aufregend.

Das wirklich verrückte an diesem Audiogame: Es muss eine blickdichte Gasmaske getragen werden. Diese registriert über eingebaute Mikrofone die Atemgeräusche des Spielers, um sie dann über dessen Kopfhörer wieder abzuspielen. Wer zu laut atmet, könnte also wichtige Kommandos verpassen, oder sogar Monster anlocken!

Ein Einblick:

Als Arnott sein Spiel erstmals auf Spielemessen vorstellte, wurde es noch vollkommen still wenn ein Spieler „Game Over“ war. Doch Arnott nahm Änderungen vor und gestaltete auch das Spielende um: Es ertönt ein immer lauter werdender Radioton, der den Spieler quasi dazu zwingt seine Kopfhörer abzunehmen. Seine unheimliche Soundkulisse und vor allem die dazugehörige Maske machen das Audiogame außergewöhnlich, vielleicht sogar ein bisschen gruselig. Von Joystiq.com wurde „Deep Sea“ sogar schon als „erschreckendstes Spiel aller Zeiten“ betitelt.

Ein kurzes Interview mit Robin Arnott:

Ein eigenes Genre

Ein Spiel kann also auch ohne hervorragende Grafik auskommen, wenn der Sound außergewöhnlich ist. Der Überzeugung sind auch Richard van Tol und Sander Huiberts, die Betreiber der Webseite audiogames.net. Das Portal beschäftigt sich ausschließlich mit Spielen, die auf Sound basieren. Sie glauben sogar, dass Audiogames ein eigenständiges Genre bilden können. Deshalb promoten sie neue Entwicklungen und informieren ihre Nutzer über akutelle Entwicklungen rund ums Thema Audiogames.