Binaurale Beats – Entspannung oder Drogenrausch?

Ursprünglich sollten Binaurale Beats für die Meditation oder Stressbewältigung dienlich sein, aber längst haben Teenager diese bestimmten Schwingungen für etwas anderes entdeckt – das sogenannte I-Dosing. Es soll wie eine Droge wirken, von Opium über Kokain oder Ecstasy. Jede Droge hat dabei seinen ganz eigenen Beat. 

Binaurale Beats sind Töne, die im Gehirn entstehen. Und zwar wenn den Ohren zwei unterschiedliche Frequenzen gleichzeitig vorgespielt werden. Durch diese Differenz entsteht dann in unserem Gehirn eine sogenannte Schwebung. Diese Schwebung tritt allerdings nur auf wenn der Frequenzunterschied unter 30 Hz liegt, da sonst zwei unterschiedliche Töne wahrgenommen werden. Die Schwebung wird nicht als ein einzelner, anhaltender Ton wahrgenommen, sondern als ein gleichmäßig pulsierender.

Das Besondere dieser Binauralen Beats ist, dass sie direkt auf unser Gehirn wirken sollen. Die Hemisphären des Gehirns reagieren sofort auf diese Beats. Sie schwingen sich auf die gleiche Frequenz ein. Dies kann man wunderbar nutzen, um sich etwa besser zu konzentrieren oder auch entspannen zu können – oder um sich angeblich in einen Drogenrausch zu versetzen.

Als Entdecker dieser Binauralen Beats gilt Heinrich Wilhelm Dove, Physiker. Er „fand im Jahr 1839 heraus, dass gleichmäßig pulsierende Schläge hörbar werden, wenn auf dem linken und rechten Ohr unterschiedliche Frequenzen zur gleichen Zeit hörbar sind.“ (Quelle: www.binauralbeats.de) Dove bemerkte dabei, wenn beide Ohren diese unterschiedlichen Frequenzen getrennt voneinander wahrnehmen können, entstehen sehr tieffrequente Töne, die das menschliche Ohr physikalisch eigentlich gar nicht hören kann. Diese Töne entstehen also ausschließlich im Gehirn.

Jahre nach Dove beschäftigte sich keiner mehr mit den Binauralen Beats, bis der Biophysiker Dr. G. Oster das enorme Potential dieser Töne entdeckte. Oster etwa fand heraus, dass die Wirkung nur bei einem Frequenzunterschied kleiner als 30 Hz eintritt.

Da unser Gehirn mit unterschiedlichen Frequenzbändern, die zu unterschiedlichen mentalen Zuständen gehören, funktioniert, können die Beats je nach Frequenzunterschied für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden. Häufig werden diese Beats bei Meditationsmusik eingesetzt – im Hintergrund, für uns gar nicht bewusst hörbar. Wir können die Schwingungen zur Stressbewältigung, zur Selbsthypnose oder auch für eine gesteigerte Aufnahmefähigkeit nutzen.

Im folgenden Beispiel werden Thetawellen abgespielt, die zur gesteigerte Kreativität führen sollen.

 

 

Wie zu erkennen ist, gibt es dieses Phänomen schon seit Jahrzehnten, doch erst in den letzten Jahren wurde von Teenagern die „Wirkung“ des I-Dosing erkannt. Findige Menschen bieten gegen kleines Geld im Internet Melodien zum downloaden an, welche die Jugendliche in einen Rauschzustand versetzten sollen. Doch anders als bei den Binauralen Beats, die entspannend wirken sollen, handelt es sich beim I-Dosing nicht um angenehme Töne, sondern eher um nerviges Piepen oder Dröhnen.

Schnell machten Videos die Runde, in welchen die Jugendlichen ruhig auf ihren Betten liegen, sich die Beats anhören und dann von einem Moment auf den anderen völlig durchdrehen. Sie fangen an zu kreischen, zu zucken oder hysterisch zu lachen. Doch ist dies überhaupt möglich oder handelt es sich dabei um einen Schwindel und gute Schauspieler?

Lutz Berger, Autor des Buches „Musik, Magie und Medizin“ beschäftigt sich schon lang mit dem Thema Binaurale Beats. Er ist der Ansicht, dass diese zwar Entspannung fördern können, aber keinesfalls Rauschzustände bewirken. Wenn überhaupt kann es sich laut Berger dabei nur um einen Placeboeffekt handeln.

Musik als Droge ist seit den 1960er Jahren immer wieder ein Aufreger. Man denke nur an die Beatles oder Rolling Stones, die damals die Jugendlichen, laut der Elterngeneration, moralisch verdarben und enthemmten. Und so ist es auch bei I-Dosing. Ein Aufreger, der aber eigentlich nichts bei den Teenagern bewirken kann.

 

Quellen:

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/binaural-beats-i-dosing-drogen-aus-dem-kopfhoerer/1901428.html, aufgerufen am 02.10.2012

http://www.binauralbeats.de/, aufgerufen am 02.10.2012

http://www.wege-zu-spirituellem-wachstum.com/binaural_beats.html, aufgerufen am 02.10.2012