Musik Machen als Entspannungsfaktor

Musik Hören dient oft als Entspannungsmittel, das ist im Allgemeinen kein Geheimnis. Die eigene Lieblingsmusik auf die Ohren kann die Stimmung innerhalb weniger Sekunden verändern und im ganzen Körper ein angenehmes Gefühl hervorrufen. Doch soll neben dem Musik Hören das Musik Machen einen noch größeren Effekt im Körper auslösen. Da selber Musik Machen eine ziemlich komplexe Angelegenheit darstellt, klingt diese Aussage zuerst einmal ein wenig paradox. Wie kann das selbst Musizieren einen stärkeren Effekt auf das Wohlbefinden im Körper haben, wenn man sich gleichzeitig auf viele verschiedene Bereiche konzentriert, und nicht wie beim Musik Hören gemütlich dabei auf dem Sofa sitzen kann?

Es wäre wohl zu einfach, diese Frage aus nur einer Perspektive zu beantworten. Die Musiker selbst beschreiben das Geschehen aus einer subjektiven, gefühlten Sicht. In bestimmten Foren tauchen Stimmen wie folgende dabei öfters auf:

„Man kommt auf andere Gedanken, lässt seine Gefühle raus, ist stolz auf sich, weil man was geschafft hat, lässt die Unruhe raus, man lässt sich gleiten und es fühlt sich toll an.“

Oder auch Aussagen wie:

„Ein Musikinstrument spielen ist der beste Stress-Killer, den es gibt. Wenn du ein Musikinstrument mit Freude spielst, bekommt dein Leben, deine Lebensqualität ein völlig anderes Niveau.“

Die Äußerung ist klar, Musik Machen entspannt, macht Spaß und beeinflusst das Wohlbefinden. Die Frage die dabei immer mehr in den Vordergrund rückt ist die Frage nach dem „Aber was passiert eigentlich im Körper, dass solche Symptome überhaupt auftreten können?“

Aus neurobiologischer Sicht ist die Antwort zunächst einfach. Ein Instrument spielen erweitert die graue Substanz im Gehirn! Doch was heißt das jetzt konkret? Beachtet man den Aufgabenbereich der grauen Substanz werden die Aussagen der Musiker auf einmal sehr logisch. Dieser umfasst nämlich die Bereiche des Gehirns, die an Muskelkontrolle, Sinneswahrnehmungen wie Sehen und Hören, Gedächtnisvorgängen, Gefühlen und Sprache beteiligt sind. Das heißt je mehr graue Zellen wachsen desto entspannter sind zum Beispiel unsere Muskeln oder desto klarer sind unsere Gedankenvorgänge.

Verschiedene Studien haben auch bewiesen, dass Musizieren schon in frühen Jahren langjährige strukturelle Veränderungen im Gehirn verursacht. Gehirne von Musikern weisen viel weniger alterungsbedingten Abbau vor als die von Nichtmusikern. Darum gilt Musizieren auch als ideales Gehirnjogging.

Aber da die grauen Zellen im Gehirn noch weitaus mehr Bereiche umfassen, mitunter die Sinneswahrnehmungen, fördert das Musizieren auch noch stark die Grob- und Feinmotorik. Eine kompakte Beschreibung für die Wirkung von Musik Machen formuliert Prof. Dr. Hans Günther Bastian in seinem Buch „Musik (erziehung) und ihre Wirkung:

Ein Instrument zu spielen ist eine der komplexesten menschlichen Tätigkeiten. Schon bei einfachsten Stücken werden Fähigkeiten des Intellekts (Begreifen), der Grob- und Feinmotorik (Greifen), der Emotion (Ergreifen) und der Sinne beansprucht. Die präzise Koordination der Hände und Finger auf Saiten oder Tasten verlangt eine ausgeprägte Feinmotorik und räumliches Vorstellungsvermögen. Vom- Blatt- Spielen erfordert die schnelle und gleichzeitige Verarbeitung von Informationen in extremer Fülle und Dichte (Noten, Takt, Tempo, Lautstärke, Agogik usw). Abstraktes und komplexes Denken sind beansprucht, auch im Voraus- und Nachhören der Musik zum gerade gespielten Takt. Dies wiederum bedeutet eine Aktivität unter den extremsten Bedingungen der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Bei keinem anderen Fach, bei keiner anderen Tätigkeit muss[man] so viele Entscheidungen gleichzeitig treffen und diese kontinuierlich über lange Zeitstrecken hinweg abarbeiten.

Der entscheidende Unterschied zwischen Musik Hören und Musik Machen liegt dann offensichtlich an der noch komplexeren Beanspruchung vieler Sinne gleichzeitig. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass vor allem die Gedanken beim Musizieren frei werden, da man sich voll und ganz auf die Musik und wie sie gespielt werden soll, konzentriert und so jeglicher Stress wenigstens für einen Moment ausgeblendet wird.

Doch auch Musik Hören hat einen großen Entspannungsfaktor, da sich die Strukturen auch hierbei im Gehirn verändern und die Musik, wenn sie als angenehm empfunden wird, auf diese Weise Energie und Wohlbefinden freisetzen kann.

Für weiteres Interesse ist die Entspannung durch ruhige Musik sehr gut in dem Eintrag Dem Stress entkommen – Die beruhigende Wirkung von Musikbeschrieben. Dort werden die Merkmale und die Wirkung von Entspannungsmusik zum Beispiel bei Meditation geschildert, darüber hinaus gibt es eine kleine Checkliste für einen effektiven Entspannungsvorgang.

Quellen:

Bastian, H. G. (2002). Musik(erziehung) und ihre Wirkung. Mainz: Schott Music

Spitzer, Manfred (2002). Musik im Kopf. Stuttgart: Schattauer, F.K. Verlag.

http://www.musikschule-moll.de/files/aktives-musizieren.pdf

http://www.gutefrage.net/frage/musik-machen-entspannteres-leben

http://www.astrologie.de/forum/lebendige-spiritualitaet-f23/musik-die-auswirkungen-auf-das-menschliche-gehirn-t1853.html

http://de.brainexplorer.org/brain_atlas/Brainatlas_index.shtml

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