Liquid Sound – Baden in Musik

Wer bisher dachte, man könne Musik nur hören, der hat noch nie etwas von Liquid Sound gehört. Wörtlich übersetzt hat man es mit „flüssigem Klang“ zu tun, und dieser soll ein einmaliges Gefühl möglich machen – nämlich in Musik zu baden. Was sich zunächst eigenartig anhören mag, beinhaltet ein außergewöhnliches Prinzip: durch den Einsatz von Unterwassermusik wird ein Klangerlebnis geschaffen, was über das Hören mit dem Ohr hinausgeht.  Was genau alles hinter Liquid Sound steckt, wird im Folgenden genauer beleuchtet.

 

Baden im Klang

Wer Liquid Sound erleben will, der muss sich auf den Weg in ein Thermalbad machen – denn zunächst versteht man darunter ein spezielles Unterwasser-Licht-und-Ton-System. In einem sogenannten Solebecken, also einem warmen Thermalbad mit Salzgehalt, wird der Körper des Badenden getragen; so entsteht der Eindruck, im Wasser zu schweben. Im Zusammenhang mit diesem Zustand soll das besondere Klangerlebnis wirken. Die Klangquelle ist eine spezielle Musikanlage mit Unterwasser-Lautsprechern, digitalen Lichtanlagen, Verstärkern und sogar Mischpulten.  Die besondere Anlage ist notwendig, da das Hören unter Wasser nicht mit dem normalen Hören vergleichbar ist. Unter Wasser breiten sich die Schallwellen des Klangs ca. 4,5 Mal schneller aus als in der Luft; der Sound scheint von überall herzukommen und lässt sich somit auch nicht orten. Somit geht die Wahrnehmung des Klangs über das Gehör hinaus – der ganze Körper wird zum Resonanzraum, und der Sound ist allseits spürbar. Es geht deshalb nicht um das teure Equipment, sondern um genau dieses Sounderlebnis, was damit erreicht werden soll.

 

Der Erfinder

Der Frankfurter Autor und Musiker Micky Remann hat das Prinzip Liquid Sound entwickelt. Doch wie kommt man auf die Idee, Unterwassermusik zu produzieren?  Remann kam der Einfall, nachdem er vor der Küste Kanadas die Unterwassergeräusche von Orca-Walen erforscht hat. Die Wale können nur in ihrem Lebensmedium Wasser miteinander kommunizieren, und zu ihrer Kommunikation zählt auch die Fähigkeit, im Wasser zu musizieren.

Remann wollte diese Erfahrung, im Wasser Musik zu machen und zu hören auch für andere Menschen erreichbar machen. Inspiriert von den Walen fängt er im thüringischen Kurort Bad Sulza an, am Liquid Sound Prinzip zu forschen und installiert dort 1993 die erste Liquid Sound Anlage. Diese Anlage galt als Vorläufer für alle darauf folgenden Modelle, und mittlerweile hat sich der flüssige Klang deutschlandweit in Thermalbädern ausgebreitet und etabliert. So lassen sich bei der Suche nach Liquid Sound viele Thermalbäder finden, die mit „Baden in Musik und Licht“ werben.

 

Flüssiger Klang als Happening

Für die Musikrezeption unter Wasser muss bedacht werden, dass tiefe Töne und Bässe kaum wahrgenommen werden können und deshalb wegfallen. Deshalb hat Remann ein eigenes Plattenlabel, natürlich namens Liquid Sound, gegründet, was explizit für diesen Anlass Musik komponiert. Die DJs versuchen die Stimmung der Badenden aufzufangen und in entsprechende Klänge umzuwandeln. Im Wasser hörbar sind dann unter anderem Naturgeräusche, Walgesänge oder Vogelstimmen, aber auch klassische Musik, Meditationsmusik oder Pop werden aufgelegt – somit entstehen regelrecht ganze Unterwasserkonzerte. Liquid Sound ist also als Kunst und Happening zu bezeichnen, wird aber auch häufig mit einer Therapie in Zusammenhang gebracht.

 

Liquid Sound als Therapie?

Neben dem besonderen Rezeptionserlebnis wird dem flüssigen Klang oftmals auch ein therapeutischer Nutzen nachgesagt – offiziell bewiesen ist das bisher jedoch nicht. Fest steht aber, dass durch das Baden in Musik und Licht eine starke Erholung und Loslösung vom Alltag erfahren werden kann. Remann erklärt diesen Erholungseffekt damit, dass der Mensch schon als Embryo als erstes mit akustischen Signalen im Wasser konfrontiert wurde – demnach hat er Unterwassergeräuschen gegenüber ein gewisses „Grundvertrauen“ entwickeln können und steht ihnen positiv und vertraut gegenüber. Ebenso spielen wohl die positiven Assoziationen gegenüber Musik eine besondere Rolle; gute Erinnerungen an angenehme Musikerlebnisse lassen den Liquid Sound deshalb besonders positiv und entspannend wirken.

 

Quellen:

Internetquellen:

www.liquidsound.com [ 04. 12. 2012]

http://www.musikmagieundmedizin.com/standard_seiten/liquidsound.html [ 04. 12. 2012]

http://www.berliner-zeitung.de/archiv/thueringen–einzigartige-unterwasser-konzerte-fluessiger-klang—mehr-als-nur-spass,10810590,8865270.html [ 04. 12. 2012]

Bildquellen:

http://www.liquidsoundlounge.com/images/jeannie_porto_small.jpg

http://www.thueringen-tourismus.de/files/images/GesundheitundWellness/Liquid_Sound_Bad_Sulza_rdax_220x154_90.jpg