Die Quote im Radio

Oftmals übernimmt das Radio heute die Funktion, im Alltag nur im Hintergrund vor sich hin zu dudeln. Aber wenn man dann doch genauer hinhört, bekommt man es meistens mit den selben Liedern zu tun, die von verschiedenen Sendern rauf und runter gespielt werden. Die sogenannte Radioquote ist in Deutschland deshalb immer wieder ein Grund zur Diskussion – gibt es eine festgeschriebene Regelung, welche Lieder ein Radiosender spielen soll oder darf? Was ist die Meinung von deutschsprachigen Künstlern zu diesem Thema? Weshalb die Radioquote regelmäßig ein Problem darstellt, soll nun im Folgenden einmal genauer unter die Lupe genommen werden.

 

Radioquote in Frankreich

Bei unserem Nachbarland Frankreich wurde in Bezug auf die Radioquote eine ganz besondere Regelung getroffen: im Jahre 1994 wurde eine Quote für nationale Songs im Radio eingeführt. Demnach sind die Radiostationen verpflichtet, das Gesamtprogramm zu 40 Prozent mit französischen Interpreten auszufüllen. Von diesen 40 Prozent muss die Hälfte wiederum aus Neuheiten bestehen. Lediglich im Zeitraum von 22.30 Uhr bis 6.30 Uhr dürfen die Sender selbst entscheiden, was sie spielen. In Frankreich ist die Radioquote also gesetzlich festgeschrieben – darum drohen bei Missachtung auch erheblich Strafen, wie beispielsweise Geldbußen, Sendepausen oder sogar der Entzug der Sendelizenz. Aber wozu dient die Einführung eines solchen Gesetzes?

 

Positive und negative Aspekte der Quote

Ein Aspekt, den die Quotenregelung positiv hervorrufen soll, ist die vergrößerte Vielfalt, die dem Radiohörer geboten werden soll. Die Wiederholung von immer gleichen Liedern und aktuellen Ohrwürmern soll damit deutlich verringert werden. Außerdem soll das Radio damit sozusagen als „Trendsetter“ fungieren – es sollen durch die gespielten Neuheiten unbekannte Künstler und Lieder vorgestellt werden, die damit zu erfolgreichen Newcomern hochgepuscht werden können, die sogar einen sehr erfolgreichen „Hit“ rausbringen könnten.

Die zeitliche Beschränkung der Quote soll den Effekt haben, dass auch nationale Künstler somit die Chance erhalten sollen, zu attraktiven Zeiten gespielt zu werden, und nicht zu späten Nachtstunden, wenn die Hörerschaft gegen Null geht – es soll also die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, dass die Lieder auch wirklich gehört werden. Denn die meiste Zeit der Radiosender ist nämlich für die US-amerikanischen Stars reserviert. Während dieses Modell sich in Frankreich etabliert hat, gibt es in Deutschland allerdings keine derartig festgelegte Quotenregelung. Denn natürlich werden neben den als positiv angegebenen Aspekten auch Stimmen laut, die eine negative Auffassung vertreten.

Die Radiosender verfügen in Deutschland über die verfassungsgemäße Rundfunkfreiheit – und diese Kommunikationsfreiheit darf nicht verletzt werden. Die festgelegte Quote greift allerdings sehr in diese Freiheit ein und gilt deshalb als äußerst problematisch. Beispielsweise dürfen die Sender somit nicht mehr spielen, was sie wollen und was sie als kommerziell erfolgreich ansehen. Weiter betrachtet könnte das bedeuten, dass die Sender somit nicht mehr ihre Hörerschaft ansprechen und geringere Einnahmen erzielen. Außerdem könnte man argumentieren, dass der „Einheitsbrei“ deshalb immer gespielt wird, weil das nun mal ist, was die Hörer haben wollen. Demnach würde die Quote an der aktuellen Nachfrage vorbei führen.

 

Situation in Deutschland

Bei uns gibt es aktuell keine gesetzlich festgelegte Radioquote wie beispielsweise in Frankreich. Allerdings kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Befürwortern und Gegnern der Quote. 1996 entstand unter der Leitung des Musikers Heinz Rudolf Kunze eine Initiative deutscher Künstler, die eine Übernahme des französischen Modells gutheißen würden. Auch andere namhafte Künstler wie Udo Lindenberg und Reinhard Mey schlossen sich dieser Initiative an – ihrer Meinung nach ist eine Quotenregelung die Möglichkeit, sich gegen die übermächtige amerikanische Konkurrenz durchzusetzen. Ohne gesetzlichen Beistand sähen sie keine große Chance, sich neben Lady Gaga & Co. zu behaupten.

Auch der Verein deutscher Sprache unterstützt eine gesetzliche Festlegung deutschsprachiger Musik im Radio. Die Diskussion führte sogar bis in die Politik, so dass 2004 vom Bundestag eine Selbstverpflichtung für die Radiosender auferlegt wurde. Wenn möglich, sollen 35 Prozent einheimischer Musik gespielt werden, die Programmfreiheit wird aber nicht angetastet. Ein Ende dieser Diskussion ist momentan nicht in Sicht, aber das Radio sendet indessen einfach weiter, welche Ohrwürmer die globalisierte Welt hervorbringt.

 

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Quellen:

Friedrichsen, Mike (Hrsg.): Deutschquote im Radio. Verlag Reinhard Fischer, München, 2005.

http://www.alle-in-eigener-sache.de/ [Stand: 20. 01. 2012]

http://www.welt.de/kultur/article8055718/Die-unendliche-Debatte-um-die-Deutschquote.html [Stand: 20. 01. 2012]

Bildquelle:

http://breitband.dradio.de/inhalt/uploads/2009/11/radio__lg-430×307.jpg