Stimmen der Straße

Stimmen der Straße

Stimmen der Straße

In 200 Metern, links abbiegen.“

Für einen Großteil der Autofahrer gehören diese und ähnliche Sätze mittlerweile zum Alltag auf dem Weg zu Terminen, Bekannten oder in den Urlaub. Sanfte Stimmen, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen, führen uns auch durch den dichtesten Stadtverkehr. Und wir folgen bereitwillig ihren Anweisungen. Aber wenn die sympathische Damenstimme uns zum wiederholten Male verkehrt herum in eine Einbahnstraße führen will und man beim sich anschließenden „Route wird neu berechnet. Bitte warten.“ einen Hauch von Überheblichkeit auszumachen glaubt, kann auch die angenehmste Stimme die Nerven strapazieren. Die nächstliegende Lösung: ein Wechsel der Ansagestimme. Die vorinstallierten Alternativen sind auf den meisten Geräten aber äußerst eingeschränkt. In der Regel hat man die Wahl zwischen einem weiblichen und einem männlichen Ansager. So weit, so unspektakulär.

Abhilfe schafft ein Blick in die Weiten des Internets. Nervige Klingeltöne auf das Handy zu laden war gestern. Heute lassen sich auch die Navigationssysteme ganz nach Geschmack personalisieren. Vieles wird sogar kostenfrei angeboten. Freunde deutscher Mundart können sich „op kölsch“ zum Stadion des FC geleiten lassen. Anstelle eines banalen „Ziel erreicht.“ erklingt ein gut gelauntes „Jung, do häs et jeschaff!“. Wer sich nicht mittels kölschem Dialekts ans Ziel führen lassen will, hat auch die Möglichkeit, dies auf Schwäbisch zu tun. Der Vorteil bei dieser Variante: der legendären Sparsamkeit des Schwaben wird Tribut gezollt. Somit warnt das Navigationsgerät den Fahrer vor kostenpflichtigen Streckenabschnitten: „Wenn möglich umfahre. Mautstrecke.

Aber das Angebot hört natürlich bei deutschen Dialekten noch nicht auf. Viele Seiten bieten auch kostenpflichtige Sprachpakete an. Unter anderem erhält man so die Möglichkeit, seine eigenen Navigationsbefehle einzusprechen und auf sein System zu laden. Aber: will man wirklich seine eigene Stimme beim Autofahren hören? Jeder, der sich schon einmal selber auf einem Tonband oder ähnlichem gehört hat, wird dies wohl verneinen.

Eine weitere Alternative sind die Imitationen von Stimmen realer und fiktionaler Prominenter. Da findet sich so ziemlich alles von Bruce Willis bis SpongeBob. Aber auch hier wieder die große Frage: will ich mich wirklich von einem hysterischen gelben Schwamm durch den Stadtverkehr lotsen lassen?

Ein großer Hersteller von Navigationsgeräten hat den Trend zur Personalisierung erkannt und diverse Berühmtheiten aus Film, Fernsehen und Musik ins Tonstudio gebeten. Für $ 12,95 kann man sich seinen Favoriten ins Auto holen. Einer der Topseller ist die unverwechselbare Stimme des Rappers Snoop Dogg: „After 100 meters, go around the roundabout. Round and round we go, ya know? Fifth exit. Abwechslungsreich und originell? Ja. Präzise und hilfreich? Eher nicht.

Aber auch die Nerds unter den Autofahrern kommen auf ihre Kosten. Den Befehlen von Darth Vader aus „Star Wars“ folgen? Kein Problem. James Earl Jones, der dem dunklen Lord auch schon in den Filmen seine Stimme geliehen hat, trat ebenfalls vor das Mikrofon. Wer sich nun aber nicht an die vorgeschlagene Strecke hält, muss damit rechnen, mit bedrohlicher Stimme zurechtgewiesen zu werden: „Turn around when possible. I find your lack of faith disturbing.” Wer wagt es da noch eine alternative Route zu nehmen?

Vielleicht sollte man doch seiner Standardsprecherin die Treue halten. Die ist zwar weniger spektakulär, bringt einen aber meist sicher und ohne Ablenkung durch den Verkehr. Und sie duldet auch Widerspruch mit stoischer Gelassenheit:

„Route wird neu berechnet. Bitte warten.“