Die Zukunft des Radios

net.art generator, tag: radio (6 Bilder)

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Vom Kofferradio bis zum Live- Stream via Internet war es ein weiter Weg. Wie wird die weitere Zukunft des Radios aussehen? Oder stirbt das Medium tatsächlich aus, wie so oft orakelt wurde?

Das Radio, wie auch das Fernsehen und Zeitungen, hat seit dem Siegeszug des Internets einige Schwierigkeiten sich zu behaupten und weiter Bestand zu haben. Das liegt zum einen an der größeren Aufmerksamkeit, die dem Internet durch die User gezollt wird, aber auch an einer Vielfalt an Angeboten, die durch den Distributionsweg Internet überhaupt erst möglich wurden.

Doch das Radio hat Kino und Fernsehen überlebt, wieso dann nicht auch das neueste Medium?

Wie bereits erwähnt: das Angebot an Radiostationen ist vielfältiger geworden. Durch die Sendung via Internet ist es möglich Sender aus allen Herren Länder zu empfangen und auch relativ günstig Inhalte zu senden.

Diese Möglichkeit nutzen vor allem kleinere Sender, die ein weit verstreutes Publikum trotz kleiner Station erreichen können.

Der Vorteil für den Hörer liegt klar bei einer größeren Vielfalt aus der man sich seine ganz spezielle Nische einfach aussuchen kann. Auch ist es möglich lokale Nachrichten aus mehreren Regionen zu empfangen und so mit unterschiedlichen Regionen in Kontakt zu bleiben. Wer während der Schulzeit oder im Studium im Ausland war, kann sich den örtlichen Radiosender im Live- Stream auch zurück in Deutschland anhören und bleibt so auditiv „in touch“.

Wer sich dabei fragt, wie sich Radiostationen finanzieren sollen, wenn sie zwar in der ganzen Welt gehört werden, aber nicht für die ganze Welt Werbung geschaltet oder nur geringfügig gesponsert wird, hat ein Problem der Sender im Internet erkannt.

Britta Mersch, freiberufliche Hörfunkjournalistin für DRadio Wissen und WDR, ist der Meinung, dass die Finanzierung über Spenden gerade für kleinere Sender zunehmen wird. Doch man sollte sich die Frage stellen, ob eine so unsichere und unregelmäßige Finanzierung einen regelmäßigen Sendebetrieb wirklich unterstützen kann. Campusradios, die sich unter anderem auch über Zuwendungen durch die jeweilige Universität oder Asten finanzieren, könnten durch Spenden für gezielte Anschaffungen sicher unterstützt werden.

In Deutschland gibt es eine Hürde zu nehmen, wenn man sein Webradio senden möchte. Die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) verlangt für Streams einen Pauschalsatz von 100 Euro pro 100.000 Zugriffe auf den Stream oder einen Regelsatz von 10% der erzielten geldwerten Vorteile. Nachzulesen ist dies in den Vergütungssätzen für Internetradios (pdf).

Eine andere Möglichkeit die das Internet bietet sind reine Musikradios, Live- Streams von den favorisierten Bands und ähnlicher Musik. Last.FM und Pandora (in Deutschland auf Grund von Unstimmigkeiten mit der GEMA leider nicht erreichbar) sind hier nur zwei Beispiele. Neben der Frage nach dem Urheberrechtsschutz, dass an dieser Stelle nicht weiter erörtert werden soll, kann aber auch gefragt werden, ob dies tatsächlich das Radio der Zukunft ist. Einzig Musik, ohne Zwischenmoderation, ohne redaktionelle Inhalte. Der Hörer als Programmchef, was sich allerdings auf Musikstile beschränkt?

Radio ist mehr als nur Musik hören. Im Radio hören wir Nachrichten, wir hören Reportagen und Beiträge.Wir werden nicht nur über aktuelle Musik informiert, wir hören auch neue Musik und Bands, auf die wir alleine vielleicht nicht gestoßen wären.

Gerade die Wortbeiträge spielen also eine Bedeutung, wenn man von Radio spricht. Reine Musik- Streaming- Dienste gibt es bereits und immer noch ist das Radio nicht gestorben.

Also doch Live- Streams von bestehenden Radiosendern als Radio der Zukunft?

Armin Himmelrath, freier Journalist aus Köln, der sowohl im Hörfunk als auch im Printbereich arbeitet sieht noch eine Alternative: Der Hörer nicht nur als Programmchef, der sich seine Musik zusammenstellt, sondern auch Wortbeiträge, wie z.B. Podcasts von Journalisten oder Amateuren zu Themen, die man vorher kategorisch festgelegt hat. Ein ähnliches Projekt aus dem Kunstbereich, zeige die grundsätzliche Methode für diese Form von Radio. (Das Bild dieses Beitrags ist hier entstanden.)

Der Vorteil könnte sein, dass man aus verschiedenen Redaktionen Beiträge zu einem bestimmten Thema abrufen kann, die mit der Lieblingsmusik kombiniert werden. Dabei könnte, wie bei Pandora, nicht nur bestimmte Bands gespielt werden, sondern der Musikgeschmack analysiert und durch weitere Bands oder Künstler durchmischt werden. Ein weiterer Vorteil bei diesem Vorgang: die Aufmerksamkeit kann auf junge Bands und Künstler gerichtet werden, ohne durch Musikredaktionen gefiltert zu werden. Der Durchbruch könnte so wirklich durch den Hörer geschehen und nicht durch Musikmanager.

Aber die Nachteile liegen ebenfalls auf der Hand: woher kenne ich die Quellen der Wortbeiträge, wie zuverlässig sind die Inhalte, die automatisch als Podcast in mein persönliches Programm eingespielt werden?

Auch bleibt ungeklärt, wie die Finanzierung eines solchen Modells aussehen könnte. Wenn sich die Produktion von Songs und Alben durch die weitere Verbesserung und Verkleinerung von Studioequipment vergünstigt, ist es denkbar, dass Künstler ausschließlich durch den (digitalen) Verkauf ihrer Musik und den Absatz von Konzertkarten Geld verdienen. Damit würde sich die Aufmerksamkeit bezahlt machen, die durch Streamingdienste geboten werden.

Aber sicherlich wird auch weiterhin die Werbung eine große Rolle spielen, die ebenfalls von der Aufmerksamkeit durch den Hörer ihren Wert einspielen sollte.

Vielen Dank an Armin Himmelrath und Britta Mersch, die sich zu einem Interview zum Thema „Zukunft des Radios“ bereit erklärt haben.

Analoge Quellen (Bücher):

Böckelmann, Frank (2006): Hörfunk in Deutschland. Berlin: vistas.

Pätzold, Mareike (2008): Der Einfluss der „neuen Medien“ auf den Hörfunk. Saarbrücken: VDM.