„Sprich, damit ich dich sehe“ – Can you?

"Sprich damit ich dich sehe"-Can you?

„Sprich damit ich dich sehe“-Can you?

Tagtäglich hören wir sie. Tagtäglich gebrauchen wir sie: unsere Stimme. Aber wie wir sprechen, ist immer anders. Es ist ein Unterschied, ob ich mit meinem allmorgendlichen „Dutzi-dutzi- Stimmchen“ meinen Hund begrüße, meinen Mitbewohnern betrunken nachts um halb 4 die Welt erkläre oder in der Uni ein Referat halten muss. Der Gebrauch unserer Stimme hängt aber nicht nur von der jeweiligen Situation ab, sondern auch von unserem Befinden. Nicht umsonst wird behauptet, die Stimme sei der Spiegel unserer Persönlichkeit. Bin ich fröhlich, hört man das. Bin ich traurig oder wütend, hört man es auch.

Dass dies so ist, zeigen auch zahlreiche Studien, die den Einfluss der Stimme auf den beruflichen Erfolg bewiesen haben. Das bestätigt auch die ‚7-55-38 Regel’: Denn den Eindruck, den wir bei anderen hinterlassen, hängt nur zu 7 % vom Inhalt, zu 55 % von visuellen Einflüssen, aber zu 38 % vom Klang unserer Stimme ab! Wer also bei seinem Vorstellungsgespräch oder einem Vortrag in eine hohe Piepsstimme verfällt, wirkt unsicher. Auch eine gepresste oder zu dunkle Stimme wird als unsouverän empfunden. Als besonders angenehm wird daher die Indifferenzstimmlange bewertet, die der jeweiligen natürlichen Tonhöhe entspricht und somit einen vollen Klang ermöglicht.

Reden ist aber nicht gleich reden. Das wussten auch schon die Griechen, wenn sie von der Kunst der Rede, der Rhetorik sprachen. Die Rhetorik spielt vor allem in der Politik eine entscheidende Rolle. will überzeugen– ob im Bundestag, beim TV- Duell oder der Regierungserklärung- und nutzt dafür gezielt den Einsatz seiner Stimme.

Während seiner Siegesrede am 4. November 2008 in Chicago wirkt Obama ernst und seriös. Seine Gestik ist minimalistisch. Er blickt lange von rechts nach links und setzt seine Pausen gezielt ein. Seine Rede ähnelt, gleich der legendären Rede von Martin Luther King 1963, einer Predigt. Ursache dafür ist dabei u.a. der appellative Charakter seiner Ansprache. Den Höhepunkt seiner Rede bildet die Anekdote einer 106 Jahre alten farbigen Frau aus Atlanta namens Ann Nixon Cooper. Eine Generation nach Abschaffung der Sklaverei geboren, mit 60 Jahren das erste Mal gewählt und auch diesmal zum Wahlerfolg beigetragen, steht diese Frau da als Paradebeispiel, als Personifikation für den „american dream“ und die Chance des Wandels. Aufbauend auf dieser rührenden Erzählung, setzt Obama schließlich gezielt seinen Wettkampfslogan als Anapher ein:

At a time when women’s voices were silenced and their hopes dismissed, she lived to see them stand up and speak out and reach for the ballot. Yes, we can.

Nun mag der Erfolg einer Rede natürlich nicht direkt bei jedem so einschlagen, wie bei Obama. Nicht umsonst nehmen Politiker jahrelanges Reden- und Rhetoriktraining dafür in Kauf, um so sprechen zu können. Und trotzdem gibt es einige ganz hilfreiche , an denen man sich orientieren kann, wenn auch ihr mal in die Lage kommt vor der Welt- oder vielleicht auch erstmal nur vor euren Haustieren zu reden: Wer von Natur aus eine angenehme Stimme hat, hat’s gut. Alle anderen brauchen aber nicht zu verzweifeln, denn die Stimme kann auch trainiert werden! Wichtig dabei ist vor allem die richtige Atemtechnik. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Luft kontrolliert und gleichmäßig aufgenommen und abgegeben wird. Eine aufrechte Haltung ist außerdem das A und O, damit die Luft im Körper auch richtig fließen kann. Also: Brust raus, Schultern nach hinten und Becken nach vorn geschoben. Wer außerdem Probleme mit der Aussprache hat, nehme einfach mal einen Korken in den Mund und versuche möglichst deutlich zu sprechen. Anschließend das Ganze ohne Korken wiederholen und höre da- es klingt gleich viel deutlicher! Aber am wichtigsten ist immer noch eines: Vertraue dir selbst. Also, tief Luft holen und immer dran denken: YOU CAN!