Noise Cancellation – Die Ruhe vor dem Sturm

Noise Cancellation - Fotografiert von 23dingenvoormusea

Noise Cancellation – Fotografiert von 23dingenvoormusea

Um Lärm zu entgehen und Geräuschen zu entkommen hilft nur die Flucht ins Grüne, das Abschotten zu Hause oder das Verstopfen der Ohren. Soll es jedoch nicht die absolute Stille sein, sondern im Gegenteil das verstärkte Hören eines gewünschten Klangs durch herausfiltern von Störgeräuschen hilft nur die Ausstattung mit technischen Hilfsmitteln. Da jeder Ton und jedes Geräusch eine bestimmte Frequenz haben, können sie herausgehört und auch herausgefiltert werden.

Hierbei geht es nicht darum, sein eigenes Gehör wie mit dem Weissen Rauschen zu überlisten, sondern dem eigenen Ohr nur gewünschte Töne vorzusetzen  und unerwünschte auszusperren. Um Musik pur und ohne  Hintergrundgeräusche genießen zu können braucht es Kopfhörer mit „noise-cancellation“, um die lärmenden Vuvuzelas auszufiltern nur einen Computer und einige wenige Handgriffe in einem Audiobearbeitungsprogramm wie es die Surfpoeten hier beschreiben.

So sehr Stille auch ein kostbares Gut ist, so bedeutet dieses Abschotten aber auch immer eine Ausgrenzung. Mit einer gewissen Arroganz wird durch das Individuum entschieden was es hören möchte und wem es nicht zuhören möchte. Bei der Weltmeisterschaft in Afrika gehörten die Vuvuzelas einfach mit zur Atmosphäre im Stadion und wer zum Public Viewing geht, möchte ja auch eine möglichst realistische Klangkulisse erleben. Die Filterung des Signals und das Herausnehmen der Vuvuzelas bedeuten hier einen massiven Eingriff in die Live-Übertragung. Die Realität wird also ausgeblendet, unliebsame Geräusche vom schwarzen Kontinent können gar kein Gehör mehr finden, da sie schon vor der Übermittlung gefiltert werden.

Auch die Kopfhörer mit „noise-cancellation“ besitzen ihre Tücken. Sie versprechen das ungestörte Hörvergnügen ohne störende Umgebungsgeräusche und Lärm. Doch geht dabei nicht auch Atmosphäre verloren? Allein das Knistern der Nadel und das sanfte Rauschen des Plattenspielers, das Viele für so wichtig halten beim echten Musikerlebnis, wären einfach verschwunden; die Individualität eines jeden Hörvorgangs vernichtet; die Möglichkeit der Kommunikation versperrt.

Und wie es Tillmann Prüfer in einem Artikel ausdrückt: „Leider ist es so, dass alles Interessante auf dieser Welt damit zu tun hat, dass Menschen anderen Menschen zugehört haben. Auch wenn es ihnen gerade nicht passte. Ein Gerät, das mir das Gefühl gibt, in meiner eigenen, isolierten Sphäre zu schweben, ist ein falscher Freund. Es ist in Wirklichkeit gegen mich.“ Solange unsere Sinne funktionieren sollten wir uns auf die Filterungsleistung unseres eigenen Geistes verlassen und sie nicht technischen Maschinen überlassen, denn jedes Rauschen und jede Nicht-Information ist zugleich auch Information.

Bildquelle:
http://www.flickr.com/photos/23dingenvoormusea/4011721225/