Skinheads: Early Reggae und die Bildung einer Subkultur

Hört man den Begriff „Skinhead“ zieht man allgemein sofort Rückschlüsse auf eine nationalsozialistische politische Gesinnung mit rechtsradikalen Trieben. Skinheads = Neonazis, dieser Vergleich scheint einfach und richtig, doch mit der wahren Entstehung hat dies nichts gemein. Die Bewegung der „Skinheads“ hat sich aus einer spezifischen Musikrichtung gebildet und ist einmal mehr Beweis dafür, dass Musik nicht bloß als ein Unterhaltungsinstrument zu verstehen ist, sondern Bestandteil kultureller Zusammenhänge mit eigenen Bedeutungen und Werten. 

Der „Early Reggae“ entstand Mitte 1968 in Jamaika und bezeichnet die frühe Phase des „Reggae“. Weiterentwickelt und ausdifferenziert wurde der Reggae durch den Einfluss der, auf Kommerz getrimmten, Musikindustrie.

Die Mods-eine Alternative Jugendkultur

 Doch die Anfänge sind das, was uns zu interessieren hat, denn der „Early Reggae“ wird auch als „Skinhead Reggae“ bezeichnet. Die Frage ist, wie kam es dazu?

Doch zunächst betrachten wir den Begriff „Skinhead“ genauer, wörtlich übersetzt bedeutet dieser „Hautkopf“. Der Grund für die Entstehung dieses Begriffes könnte in einer gewollten Gegenbewegung der Norm gesehen werden. Zu Beginn der 1970er gehörten, insbesondere im Rahmen der Jugendkulturen, Langhaarfrisuren zur Mode. Die „Mods“ als auch die „Skinheads“ hoben sich von dieser ab, indem sie sich mit einer Kurzhaarfrisur kennzeichneten. Entgegen der allgemeinen Behauptung handelt es sich bei der typischen Frisur der Skinheads jedoch nicht um eine Glatze sondern um eine Frisur, bei der die Kopfhaut durchscheint. (Die Haare hatten immer noch eine Länge von ca. 1,2 bis 1,6 cm.)

Die eigentliche Gründung der Skinheadbewegung hat ihren Ursprung in dem Arbeiterviertel East London. (Offiziell wird das Jahr 1969 angegeben.) Dort wuchsen weiße Arbeiterkinder mit den Kindern schwarzer Einwanderer, besonders aus Jamaika, dem Ursprungsland des Reggae, und anderen Kindern aus Teilen der westindischen Inseln auf. Durch die gemeinsame Begeisterung für die schwarze Musik entstanden aus den weißen „Mods“ (Modernists) und den Schwarzen „Rude boys“ zunächst die „Hard Mods“ und dann die „Skinheads“.

Rude boys

Aus dieser Nähe stammt die auch heute noch als „Skinhead Reggae“ bezeichnete Musikrichtung mit ihrer spezifischen Subkultur. Die Zusammenführung der Mods und der RudeBoys löste nicht etwa die Bewegung der z.B. »Mods« auf, sondern ist als neuer Bereich zu betrachten, der sich nach und nach zu differenzieren begann.  Peter Wicke definiert dieses Phänomen explizit:

„Statt in der Willkür einer linearen Abfolge von Stilen hat […] sich (die Musik) in ihren jeweiligen kulturellen Gebrauchszusammenhängen organisch weiterentwickelt, eingebettet in konkrete Alltagsstrukturen und spezifische soziale Erfahrungen- ein sich immer weiter differenzierendes vielschichtiges Ganzes paralleler Ströme und voneinander abgegrenzter »Szenen«.“ [1]

Die »Mods« die sich ebenfalls aus der Arbeiterklasse bzw. der Mittelklasse gebildet hatten  orientierten sich in ihrer Musik an den Rhythmen und Blues Wurzeln des Rock´n Roll sowie deren Weiterentwicklung in der amerikanischen Soulmusik. Sie kennzeichneten sich durch schicke Anzüge, Kurzhaarfrisuren und Markenkleidung. Die frühen »Skinheads« erinnern in ihrem Erscheinungsbild an die »Mods«, doch durch die vollzogene Abgrenzung von diesen, wurden die Anzüge durch ein, an Arbeitskleidung orientiertes Outfit ersetzt. In den Anfängen der »Skinheadszene« waren diese anti-bürgerlich, aber nicht besonders politisch interessiert. Doch im Verlauf der Zeit entwickelten sich aus der eigentlichen »Skinheadbewegung« weitere Subkulturen die sich über eigene Normen und Werte kennzeichnen und sich in eigene soziale und kulturelle Zusammenhalte fügten.

Somit können wir festhalten, dass Simon Frith recht behält wenn er schreibt:

„Das Rockpublikum ist keine passive Masse, die Schallplatten wie Cornflakes konsumiert, sondern eine aktive Gemeinschaft, die sich der Musik als Symbol von Solidarität und als Inspiration für ihre Aktivitäten bedient.“ [2]

Heute ist die Skinhead- Szene geprägt durch weitere Differenzierungen, die sich durch verschiedenfarbige Schnürsenkel, die Frisur, Feinheiten bezüglich der Kleidung als auch und insbesondere durch gelebte Normen und Werte kennzeichnen. Der eigentliche Sound, der Klang ist in den Hintergrund getreten.

Was von der eigentlichen Intention der »Skinheadbewegung« bleibt, ist – Skin ist nicht gleich Skin!

Symbol materiellen Kontextes einer Subkultur

Abschließend können wir festhalten, dass Musik nicht bloß als gehörter Klang zu interpretieren, sondern als Auslöser kultureller Entwicklungen sowie kultureller Umwälzungen zu betrachten ist. Subkulturen manifestieren sich, im Bereich der Jugendkulturen, durch komplexe Bedeutungssysteme innerhalb des Freizeitverhaltens. Die Subkultur der Skinheads,  ist eine erneute Ausdifferenzierung. Allgemein Rockmusik  als Ausdruck einer klassenlosen Jugendkultur zu betrachten ist schlichtweg falsch.  Rockmusik ist weder ein „[…] in Klang gefaßter Spiegel der Realität noch bloßes Mittel zur Unterhaltung.“ [3] Sie ist Mittel eines aktiven kulturellen Gebrauchs und auf sozialer Ebene höchst ausdifferenziert. Durch Verwendung und Einbindung diverser Objekte des Alltags manifestiert sich ein materieller Kontext kulturellen Verhaltens um die Musik herum. Dieser Kontext muss stabil genug sein, um auch die Werte und Bedeutungen daran festzumachen, die die Musik für die jeweiligen Subkulturen innerhalb der Rockmusik verkörpert. Doch warum spielt dann die Musik noch eine so bedeutende Rolle? Peter Wicke argumentiert, dass die Musik den Raum bietet, den die Freizeit hervorbringt.[4] Durch Kneipen, Diskotheken, Konzerte, usw. ermöglicht sie das zusammentreffen der jeweiligen Subkulturen.

„Rockmusik ist nicht nur durch eine musikalische und stilistische Heterogenität charakterisiert; ihre Fans unterschieden sich ebenso grundlegend voneinander, obwohl sie die gleiche Musik hören mögen. Verschiedene Gruppen von Fans scheinen Musik für sehr unterschiedliche Zwecke und auf sehr verschiedene Weise zu nutzen; sie haben unterschiedliche Grenzlinien nicht nur hinsichtlich dessen, was sie hören, sondern auch im Hinblick darauf, was die Kategorie Rock jeweils umfaßt.“ [5]

Einzelnachweise:
[2] Ebd.
[3] Ebd.
[4] vgl. Ebd.
[5] Ebd.
Quellen:

Peter, Wicke:“‚My Generation‘. Rockmusik und Subkulturen„, (25.05.2013).
(o.V.):“Skinhead reggae“,http://www.upsetter.de/3023.html, (25.05.2013).
(o.V.): „Early Reggae“, http://de.wikipedia.org/wiki/Early_Reggae, (25.05.2013).
(o.V.): „Skinhead“, http://de.wikipedia.org/wiki/Skinhead,(25.05.2013).