Ray Dolby – Revolutionär auf dem Gebiet der Soundsysteme

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Ray Dolby

„Präsentiert in Dolby Digital“ – Heutzutage kommt kein Kinofilm mehr ohne die Dolby-Technik aus und so verbinden die meisten Menschen den Raumklang beim Filmerlebnis mit diesem Namen. Doch wer steckt überhaupt hinter dieser revolutionären Technik? Der Engländer Ray Dolby, welcher im vergangenen Jahr im Alter von 80 Jahren verstarb und die Soundsysteme revolutionierte. Eigentlich wollte er Kammermann werden und arbeitete aufgrund dessen als Filmvorführer in diversen Kinos. Bei seiner Arbeit lernte er einen Ingenieur der Firma Ampex, welche die Vorreiterrolle in der Entwicklung von Tonband- und Magnetbandgeräten innehatte, kennen. Dieser verschaffte ihm einen Ferienjob bei der Firma. So konnte Dolby bereits im Alter von 15 Jahren viel über die Eigenschaften von Magnetbändern lernen.

Magnetbänder können als Speichermedien für digitale Informationen verstanden werden, welche aus einer schmalen Folie mit einer magnetischen Beschichtung bestehen. Ein Schreibkopf empfängt ein elektrisches Signal und zeichnet dann das entsprechende Muster auf das Band. Umgekehrt sendet der Lesekopf, der ein beschriebenes Magnetband passiert, ein elektrisches Signal, aus welchem die gespeicherten Daten abgerufen werden. Folglich nutzen sich Magnetbänder – im Gegensatz zu Lichtspuren – durch das ständige Passieren des Lesekopfs und die daraus resultierende Reibung schnell ab.

Dolby A und B

Geprägt durch die Erfahrungen bei Ampex, war Dolbys Ziel, als er 1965 das Unternehmen Dolby Laboratories gründete, eine Lösung für das Problem des Hintergrundrauschens und der begrenzten Frequenzreichweite von Tonbandaufnahmen zu finden. Schließlich entwickelte er Dolby A und Dolby B, zwei Rauschunterdrückungssysteme, die sowohl für professionelle Zwecke (Dolby A) als auch für Konsumgüter (Dolby B) bestimmt waren. Vor allem die Musikbranche profitierte von dieser Erfindung, da diese das Hintergrundrauschen auf Kassetten, bei Tonbandaufnahmen und im Radio verminderte. Zudem ließ es neben Höhen ebenso Tiefen schärfer klingen.

So hat das Kompressionssystem für Studio-Magnettongeräte Dolby A die vielspurigen Aufnahmen in der Rockmusik Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre möglich gemacht. Dolby B wurde in Kassettenrecorder eingebaut. Drückte man die Taste am Kassetten-Deck, auf der Dolby B stand, wurde die Musik etwas leiser, das Hintergrundrauschen verschwand dafür aber gänzlich. Ab diesem Zeitpunkt waren die Begriffe Dolby und Rauschunterdrückung unzertrennlich miteinander verbunden.

Dolby entert den Kinosoundmarkt

Nach diesem ersten Erfolg entwickelte Dolby Labs eine neue Technik, entsprechend dem Dolby A System, für Kinos. Sie vermindert das Hintergrundrauschen und erweitert den Frequenzbereich von Soundtracks, ohne dass dabei Verzerrungen des Tones entstehen. Die Filmemacher waren von der neusten Erfindung Dolbys begeistert – die Kinobetreiber weniger, denn die Umrüstung der Kinos bedeutete für diese einen enormen Kostenaufwand. So bemerkte Dolby schnell, um erfolgreich zu sein, muss sein System mit den schon bestehenden Soundeinbauten kompatibel sein.

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Die Lichttonspur ist rechts zu erkennen

Dolbys großer Durchbruch auf dem Kinomarkt kam schließlich mit der Entwicklung der 35mm-stereo-Filmstreifen. Bei diesen Filmspuren gibt es nun zwei Lichttonspuren, beziehungsweise Halbspuren, wodurch die bereits installierten Einkanalsysteme weiterhin genutzt werden können, die nicht nur Informationen für den linken und rechten Kanal übertragen, sondern auch für einen dritten (Center Screen) und einen vierten Surround-Kanal für den indirekten Ton. Hierdurch konnte die zu dieser Zeit übliche Vierkanaltechnik in Kinos weiterhin genutzt werden. Dadurch entsteht schließlich ein Klangteppich, welcher es dem Zuschauer ermöglicht die Richtung, aus der der Ton kommt, zu orten.

Das neue Format ermöglichte letztlich nicht nur Dolby Stereo von optischen Tracks, sondern ebenso eine höhere Tonqualität. Zudem besteht weiterhin das Rauschunterdrückungssystem, welches Zischlaute und Knallen unterdrückt, und der Frequenzbereich ist größer. Als weitere Vorteile dieses neuen Formats kann angeführt werden, dass die Soundtracks simultan mit dem Bild gedruckt werden, die erwartete Lebensdauer wesentlich höher ist und die Technik, war sie einmal installiert, nur einem geringen Aufwand bedurfte, um diese instand zu halten.

Mit diesen Erkenntnissen wagte sich Dolby schließlich erneute auf den Kinosoundmarkt.

Dolbys Zusammenarbeit mit Goerge Lucas und Ben Burtt

Der erste Film mit Dolby war Clockwork Orange von Stanley Kubrick aus dem Jahre 1971. Dennoch wurde das neue Stereosystem nur schleppend angenommen, da nur wenige Filme tatsächlich in Stereo produziert wurden. Dolby benötigte folglich einen besonderen Film und eine neue Art von Filmemacher.

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Mit Star Wars kam der Durchbruch

Solch eine Art Filmemacher fand er in George Lucas. Er ordnete dem Sound in Star Wars eine Hauptrolle zu und so wurde dieser nicht mehr als Postproduktionsstufe gesehen, sondern als fester Bestandteil des kreativen Prozesses. Für den Film Star Wars Episode IV aus dem Jahre 1977 arbeiteten Dolby und Lucas eng zusammen. Lucas produzierte seinen Film auf 35-mm-stereo Filmstreifen und vor Drehbeginn besuchten Dolbytechniker das Set des Films, um bestmögliche Tonresultate zu garantieren.

Die Töne zum Film stammten zum ersten Mal nicht aus einer Soundbibliothek, sondern Lucas engagierte dafür den Sounddesigner Ben Burtt, welcher die Aufgabe hatte, noch bevor die Dreharbeiten zum Film begannen, rauszugehen und Töne zu sammeln, die nützlich für den Film sein könnten. Den ersten Ton, den er eher aus Zufall entdeckte, sollte später der Ton für die Lichtschwerter werden.

Mehr zu den Sounds in Star Wars könnt ihr hier erfahren.

Mit dem Erfolg von Star Wars kam auch Ray Dolbys Erfolg auf dem Kinosoundmarkt. Und die Kinobranche dankte ihm dies. Im Laufe seines Lebens erhielt er zehn Oscars und 13 Emmy Awards. Außerdem sprach ihm die Berlinale 2012 einen Ehrenpreis zu.

 

Quellen:

Monaco, James: Film verstehen. Kunst, Technik, Sprache, Geschichte  und Theorie des Films und der Neuen Medien. Reinbek, 2009.

Schreger, Charles: „Altman, Dolby, and The Second Sound Revolution“, in: Weis/Belton: Film Sound. 1985.

Sergi, Gianluca: „The Dolby Phenomenon“, in: ders.: The Dolby Era. Film Sound in Contemporary Hollywood. 2004.

Webers, Johannes: Handbuch der Film- und Videotechnik. Die Aufnahme, Speicherung, Bearbeitung und Wiedergabe audiovisueller Programme. Poing, 1998.

http://www.speicherguide.de/storage-hardware/datentraeger/haltbarkeit-von-magnetbaendern-10340.aspx, abgerufen am 22.03.2014.

http://www.welt.de/vermischtes/article119985299/Ray-Dolby-der-Mann-der-den-Raumklang-erfand.html, abgerufen am 21.03.2014.

http://www.netzwelt.de/news/102112-ray-dolby-erfinder-surround-sounds-tot.html, abgerufen am 21.03.2014.

http://www.youtube.com/watch?v=TJQ3_tipGE Y, abgerufen am 25.03.2014.

http://static.squarespace.com/static/51b3dc8ee4b051b96ceb10de/t/5328a381e4b0ccd5fa51b373/1395172225733/star-wars-logo.jpg, abgerufen am 25.03.2014.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1d/35mm_film_audio_macro.jpg, abgerufen am 25.03.2014.

http://i2.mirror.co.uk/incoming/article2270426.ece/ALTERNATES/s615/Ray-Dolby-2270426.jpg, abgerufen am 25.03.2014.