Akustische Stadtplanung: Sounddesign für unsere Städte

Dass städtische Geräuschkulissen nicht immer angenehm sind und sogar krank machen können ist längst nichts neues. Nun aber haben es sich Forscher zum Ziel erklärt, die bisher recht willkürlich entstehende Stadtakustik greifbarer zu machen und eine gesamte Klangplanung für Städte zu entwerfen.

Ist bloße Lärmvermeidung ausreichend?

Lärm ist unangenehm, kann die Kommunikation beeinträchtigen, emotional belasten und sogar für langfristige gesundheitliche Beschwerden sorgen. Auch stört er unsere Konzentration und behindert das Arbeiten und Lernen, was schnellere Gereiztheit und Frustration zur Folge haben kann. Was aber kann man im urbanen Raum überhaupt dagegen unternehmen? Und ist die ideale Stadt eine leise Stadt?

Ein hoher Geräuschpegel ist nicht zwangsläufig für den akustischen Stress verantwortlich. Beobachten lasst sich dies zum Beispiel beim unbewussten Hören während unserer Schlafphasen. Hier kann sogenannter „leiser Lärm“, damit sind dezente sehr hohe oder niederfrequente Signale gemeint, chronischen Stress auslösen, ohne das wir die Quelle hierfür bewusst wahrnehmen. Unsere Ohren schlafen also nicht, sondern dienen als Warnorgan, welches vor allem auf Geräusche reagiert, die einem schnellen Wechsel unterliegen. Daher wirken auch Klangwechsel im Allgemeinen besonders störend auf uns und unser akustisches Empfinden. Man kann also davon ausgehen, dass die allein Lautstärke keine gute Grundlage für Akustikplanung ist, da Akustik erst in unseren Köpfen und unabhängig vom Geräuschpegel entsteht.

Entscheidend ist die eigene Hörbiographie und Hörerwartung

„Es wird immer suggeriert, die Stadt ist zu laut. Man muss sie einfach stiller gestalten und dann ist alles gut. Das ist natürlich nicht der Fall. Denn je nachdem, was man von einem einzelnen Ort erwartet, sollte er eher still sein oder dann lebendig.“ Thomas Kusitzky, Auditive Architektur, UDK Berlin.

Untersuchungen haben gezeigt, wie wichtig es ist, ob wir uns mit bestimmten Geräuschen identifizieren können, denn was bei uns Schall auslöst hängt ganz von unserer Hörbiographie ab, sprich es hängt davon ab, wie wir das Hören gelernt haben. Das bedeutet, dass beispielsweise ein Mensch, der am Flughafen arbeitet, sich meist weniger am Fluglärm stört als jemand, der nicht aus dieser Branche stammt. Dabei spielen ebenso soziale Faktoren eine Rolle, wie zum Beispiele, ob man das läuten einer Kirchenglocke genießt oder als störendes „Gebimmel“ empfindet.

Auch die Hörerwartung spielt eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit dem städtischen Sounddesign. Wenn ein Stadtpark zwar den äußerlichen Anschein eines Parks erweckt, aber von der Geräuschkulisse eher einem Einkaufszentrum ähnelt, fühlen wir uns dort selten wohl. Des Weiteren müssen wir Lebensräume schaffen, die transparent bleiben – also nicht von Klang ‚überlaufen‘ sind – damit wir kommunizieren und wichtige Signale in unserem Umfeld herausfiltern können. Außerdem klingen viele öffentliche Plätze fast überall gleich. Das liegt erstaunlicherweise daran, dass sie nicht zu viele, sondern zu wenig Geräuschquellen beinhalten. Die Monotonie vieler Geräusche und Klänge zusammen wirkt auf uns wesentlich lauter, da ihnen die ‚belebende Konkurrenz‘ fehlt, die für Abwechslung sorgt.

Vorausdenken erspart viel

„Wenn wir es schaffen würden, akustische Raumplanung an den Anfang eines Bauvorgangs zu stellen, könnten wir uns vieles ersparen.“ Peter Androsch, Projekt www.hoerstadt.at, Linz.

Die akustische Stadtplanung steckt noch in den Kinderschuhen und damit sie in Zukunft gelingen und umgesetzt werden kann, sind konkrete Maßnahmen vor Ort gefragt. Berufsakustiker mit jahrelanger Erfahrung in der Optimierung von Innenräumen sind große Helfer bei der Verwirklichung. Sie können einen Raum am Rechner in ein dreidimensionales Modell umwandeln und so für jede mögliche Hörposition deren akustische Werte berechnen. Diese Vorgehensweise ließe sich im Prinzip auch auf die Räume der Stadt übertragen, was den großen Vorteil hat, dass Klangkulissen bereits vorab hörbar gemacht werden können. Das würde bedeuten, dass man städtische Akustik von vornherein mitplanen und somit auch Geld sparen kann. Geld, das sonst in die Reparatur bzw. teure Zusatzmaßnahmen zur Wiederherstellung einer angenehmen und lebbaren städtischen Geräuschkulisse investiert werden müsste.

Zusätzlich zur Akustik lässt sich ebenso deren Nutzung verändern. Es werden dann auf öffentlichen Plätzen nicht nur Schallschutzwände und weitere Grünflächen, sondern auch manchmal kleine Hörinseln angelegt. So werden zum Beispiel in abgeschirmten Bereichen Anwohner auf Wunsch mit Meeresrauschen oder Vogelgezwitscher beschallt. Natürlich besteht aber an erster Stelle das Ziel, die Plätze so umzugestalten, dass die Vögel von allein wieder zurückkommen und kein künstlicher Ton erstellt werden muss. Die Idee der akustischen Stadtplanung ist kostenintensiv und stellt keinesfalls ein Luxus- oder Kunstprojekt, das auf der Suche nach dem perfekten Klang ist, dar. Vielmehr ist es ein zutiefst humanes Thema, da es alle menschlichen Sinne anspricht und auch gesellschaftspolitisch einen großen Prozess anstößt, bei dem Bewohner und Betroffene selbst mithelfen können ihre städtischen Lebensräume zu gestalten.

Quellen:

  • http://www.hss.de/politik-bildung/themen/themen-2012/wie-klang-die-welt-zusammenhaelt-akustische-oekologie-im-urbanen-raum.html
  • http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/iq-wissenschaft-und-forschung/gesellschaft/stadtlaerm-sounddesign-stadt100.html